Krefeld: Grüner Wirtschaftsexperte will künftig die Stadt managen

Politik : Grüner Wirtschaftsexperte will künftig die Stadt managen

OB-Kandidat Thorsten Hansen will die digitale Zukunft im Rathaus einläuten und Fassaden begrünen.

Neben der SPD (und Der Partei) haben jetzt auch die Grünen ihren Kandidaten für die Wahl zum Oberbürgermeister im September 2020 benannt. Für kommunalpolitische Beobachter ist die Personalie nicht überraschend: Die Grünen schicken wie schon bei der vergangenen Wahl ihren stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Thorsten Hansen ins Rennen. Er scheiterte 2015 mit 14,97 Prozent im ersten Wahlgang, obwohl er sich damals Chancen auf die Stichwahl ausgerechnet hatte.

Besonders kämpferisch, diesen Wert deutlich nach oben schrauben zu können, müssen er und seine Krefelder Parteifreunde sich aktuell nicht geben. Die Grünen liegen laut bundesweiten Umfragen bei 20 Prozent plus X und haben in den vergangenen Monaten bei verschiedenen Wahlen ihren positiven Trend bestätigt. Auch in Krefeld selbst: Bei der Europawahl im Mai holten die Grünen 24,5, die CDU 26,8 und die SPD 18,3 Prozent. „Ich gehe davon aus, es wird auf einen Dreikampf hinauslaufen, bei dem kein Kandidat mehr als 30 Prozent bekommt“, sagt Hansen deshalb unaufgeregt selbstbewusst zur anstehenden OB-Wahl am 13. September im kommenden Jahr. Laut Hansen machen die SPD (Frank Meyer), die Grünen und die CDU (noch ohne Kandidat) die Wahl zum Verwaltungschef unter sich aus. Bekanntlich gibt es aktuell keine Stichwahl mehr, die relative Mehrheit entscheidet.

Statt mit Verwaltungskenntnissen will Hansen mit Wirtschaftswissen und digitalem Know-How punkten – und natürlich mit dem Dienst am grünen Umweltauftrag. „Ich trete nicht gegen jemanden, sondern für etwas an“, sagt er deshalb. Der studierte Betriebswirt ist seit 1990 bei einem internationalem IT-Unternehmen im Servicebereich tätig und hat nach eigener Angabe langjährige Erfahrung als Manager mit internationalen Aufgaben. Immer wieder lässt er durchblicken, dass es genau dieses Wissen ist, mit dem er die Verwaltung modern aufstellen möchte. Dabei möchte er das Rathaus auf Vordermann bringen: Statt verstaubte Aktenkultur zu pflegen, soll der Online-Wandel Einzug halten. „Die Digitalisierung ist mehr, als ein Glasfaserkabel in den Boden zu bringen.“ Die Daten müssten „fließen“ – auch in einer Verwaltung. „Da ist die Wirtschaft schon weiter“, sagt Hansen und sieht sich auch bei dem Schwerpunktthema Bekämpfung der Arbeitslosigkeit „als Kommunikator und Bindeglied“ zwischen Rathaus und Unternehmen, falls er das Amt bekleiden werde.

Mobilität und grüne Gestaltung der City sind Schwerpunkte

Richtig grün zeigt sich der 52-jährige Hülser natürlich auch. So spricht er jene Punkte an, die im Zusammenhang mit der Mobilitätsdiskussion der vergangenen Wochen die Runde in Krefeld machten: weniger Autos in der Innenstadt, mehr Radwege, Verbesserung der Situation für Fußgänger, Stärkung des ÖPNV. „Wir wollen eine menschenfreundliche Stadt.“ Entsprechende Vorhaben sollten nicht auf die lange Bank geschoben, sondern schnell umgesetzt werden.

Und die Innenstadt solle zum Vorzeigeviertel werden. Dabei sollen die vier Wälle stärker herausgestellt werden. Neben Dächern sollten auch Fassaden begrünt werden, um die Stadt ökologisch aufzuwerten. Als „Healthy Buildung“ (nachhaltige Gebäude) schwebt Hansen nicht nur ein Leuchtturmprojekt vor, sondern gleich eine Reihe von öffentlichen Bauten wie Kitas und Schulen.

Doch gefragt nach der Situation rund um den Hafen, wir er mit jener Realität konfrontiert, gegen die grüne Politik bundesweit bislang nichts ausrichten konnte: die Invasion der 40-Tonner auf den Straßen. Und so gibt Hansen freimütig zu, dass man einen Linner, dem täglich die Laster durch den Vorgarten rollen, kaum mit der ökologischen Notwendigkeit von Dach- oder Fassadenbegrünung einfangen könne. „Wir haben in Linn ein Verkehrsproblem, das werden wir nicht von heute auf morgen lösen.“ Aber auch da zeigt sich Hansen wieder ganz als Experte der Wirtschaft. So müsse mit den Herstellern von Navis verhandelt werden, dass Routen, die für Laster gesperrt seien, nicht für die Fahrer als Ausweichstrecken aufgeführt werden.