Krefeld: Gründerpreis geht an die Weltenweber

Gründerpreis : Weltenweber gewinnen Krefelder Gründerpreis

Das junge Unternehmen, das auf Virtuelle Realität spezialisiert ist, landete bei der Jury auf Platz eins. Gefolgt von einer weiteren Firma aus der Digital-Branche – und einer Idee, die Kindern und Eltern gleichermaßen helfen soll.

Normalerweise gibt eine Jury vorrangig etwas. Preise, Urkunden, Lob zum Beispiel. Die Jury des Krefelder Gründerpreises 2019 hat aber auch etwas bekommen. Das schöne Gefühl, dass sich in Krefeld und bei den jungen Unternehmen etwas bewegt, zum Beispiel. Und das angenehme Wissen, dass die acht Bewerber, die es in die Endrunde geschafft hatten, allesamt innovative Ideen hatten, denen man gute Chancen in ihren Märkten zutraut.

„Die Qualität der Bewerbungen ist deutlich gestiegen. Die acht wären vor zwei Jahren noch alle auf dem Treppchen gelandet“, sagte Eckart Preen, Chef der Wirtschaftsförderung und Mitglied der Jury. „Das waren beeindruckende Vorstellungen“, sagte Christoph Gommans, Vorstand der Volksbank, die den Gründerpreis gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung und unserer Redaktion vergibt.

Die Hälfte der Kandidaten, die es bis in den Pitch geschafft hatten, stammen aus der IT- und Digital-Branche. Das bewerteten alle Beteiligten als gutes Zeichen, dass sich Krefeld in diesem Zukunftsfeld stark entwickelt. Aber auch die anderen Bewerber präsentierten Ideen, die heute und morgen wichtig sind. Sie widmen sich dem Schallschutz in Großraumbüros oder der Kommunikation zwischen den Generationen in Unternehmen. Die drei Erstplatzierten, die beim Business-Breakfast des Marketing-Clubs ausgezeichnet wurden, im Überblick:

Platz 1: Die Weltenweber

Volksbank-Vorstand Gommans fasste die Gründe der Jury, den ersten Preis an die Weltenweber zu vergeben, in einen Satz: „Sie haben Spuren in Krefeld hinterlassen.“ Die vier Gründer (Lukas Kuhlendahl, Beate Sucrow, Dominica Wester und Janos Wokrina) zählen zu den Vorreitern der Krefelder IT-Szene, die sich gerade im K2-Tower entwickelt. Ihre Arbeit ist für viele Krefelder schon zu sehen und auszuprobieren. Das erste Projekt, das die Experten für Virtuelle Realitäten (VR) veröffentlicht haben, wird heute in der Demenztherapie in Hüls eingesetzt. Die Designer simulieren den Ostwall in der Wirtschaftswunderzeit. Wenn die Patienten eine VR-Brille aufsetzen, entdecken sie Orte aus ihrer Jugend wieder. Das hilft in der so genannten Erinnerungsarbeit und den Therapeuten, um Ansatzpunkte für Gespräche zu finden.

Der Unternehmensname der Gründerpreis-Gewinner spielt einerseits auf die textile Vergangenheit der Stadt an, zeigt aber auch, dass die Gestalter von 3D-Welten eng mit Krefeld verbunden sind. So wie bei ihrem zweiten großen Projekt. Für die Burg Linn haben sie ein Programm gestaltet, das den Nutzer ins Jahr 1377 zurückführt. Die Bewohner der Burg müssen sich auf eine Belagerung vorbereiten, und das spielen die Besucher mit der Brille und einer entsprechenden Steuerung nach. Für die Burg entsteht dadurch eine weitere Möglichkeit, jüngere Besucher an die Geschichte heranzuführen. Das gilt in ähnlicher Form für das dritte Projekt der Weltenweber: Für die Jüdische Gemeinde haben sie die Alte Synagoge basierend auf Plänen von 1928 nachgebaut, die im Dritten Reich zerstört wurde.

Neben den Medizinern und den Leiterinnen der Kulturinstitute haben die Weltenweber auch Frank Meyer auf sich aufmerksam gemacht. „Der Oberbürgermeister hat uns schon besucht. Da haben wir allerdings noch im Wohnzimmer gearbeitet“, erzählte Lukas Kuhlendahl bei der Preisverleihung.

Platz 2: Triclap

Momente, die die Weltenweber mit ihren drei Projekten erlebt haben, stehen den Gründern von Triclap auch bald bevor. In den nächsten zwei Monaten wollen sie ihr Spielekonzept „Yora Adventures“ veröffentlichen. „Yora“ sei das Herzensprojekt, das überhaupt dazu geführt habe, dass sie ein Unternehmen gründen, sagte Daniel Kawczynski, einer der Mitgesellschafter von Triclap. Das Unternehmen greift zwei Ideen auf, für die Menschen in den vergangenen Jahrzehnten zum Spielen zusammengekommen sind: Rollenspiele wie „Das Schwarze Auge“ und Lan-Partys, für die Computerspieler einst ihre Geräte alle an einen Ort trugen und verknüpften.

Heute genügt ein herkömmliches Smartphone, um die „Yora Adventures“ zu erleben. Dieses wird mit einem intelligenten Würfel verbunden und mit Karten gespielt. So werden Offline- und Online-Welt verbunden. Entscheidend ist, dass die Spieler nicht alleine vor dem Computer sitzen, sondern sich treffen, reden und spielen.

„Yora“ soll verschiedene Genres von der Detektiv-Geschichte bis zur Fantasy beinhalten und seinen Fans ermöglichen, sich mit eigenen Geschichte einzubringen.

Mit diesem Konzept und ihrer bisherigen Arbeit haben die Gründer von Triclap auch schon ein großes Unternehmen überzeugt. Die Krefelder Jagenberg AG hat mit Triclap im August eine Gesellschaft gegründet und über die Venture-Kapital die Möglichkeit geschaffen, die Idee zur Marktreife zu entwickeln.

Platz 3: Tutores

Das Problem, das Josephine van Ginneken mit ihrem Unternehmen lösen möchte, ist ihr in ihrer Familie und ihrem Umfeld begegnet: Kinder, die die Lust am Lernen verloren haben und die Angst vor dem Versagen in der Schule haben, sowie Eltern, bei den Frust und Verzweiflung wachsen, weil sie ihren Kindern helfen wollen, aber nicht wissen wie. Josephine van Ginneken hat sich zur Lerntherapeutin ausbilden lassen und bietet nun bei „Tutores“ am Ostwall professionelle Nachhilfe an, wie es sie in den Niederlanden bereits gibt.

Im Kern geht es darum, dass die Tutoren (Studierende, Lehramtsanwärter, ehemalige Lehrer) mit den Kindern das Lernen planen,  strukturieren und erledigen. So sollen Probleme direkt angegangen werden, wenn sie entstehen, und keine Lücken im Lernstoff entstehen. Zugleich entwickeln die Kinder die Fähigkeit, selbständig zu planen und zu lernen. Die Eltern können über eine App Kalender, Tagesprotokoll und Fortschritte ihres Kindes verfolgen.

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