Gespräch mit Elina Hegedüs „Wahre Freunde hat Israel nicht viele“

Krefeld · Die Krefelderin Elina Hegedüs von der Jüdischen Gemeinde in Krefeld bangt um Freunde in Israel.

Elina Hegedüs ist in der Ukraine geboren, hat aber auch viele Freunde und Bekannte in Israel.

Elina Hegedüs ist in der Ukraine geboren, hat aber auch viele Freunde und Bekannte in Israel.

Foto: Elina Hegedüs

Ihr Herz hat sie in Israel, geboren ist sie in der Ukraine. Kein Wunder also, dass Elina Hegedüs, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinde Krefeld, im Moment von doppelt so schweren Zeiten spricht. Denn beide Länder stehen unter Beschuss, beide Länder müssen sich gegen auswärtige Aggressoren wehren. Sie sehe in den Kriegen viele Parallelen, sagt die 37-Jährige.

Zu einem möglichen Flächenbrand, den der Angriff des Iran auf Israel mit mehr als 300 Drohnen, Marschflugkörpern und Raketen auslösen könnte, äußert sie sich völlig desillusioniert: „Der Flächenbrand ist nur eine Frage der Zeit. Er kann heute kommen oder in zwei Jahren. Denn der Iran macht keinen Hehl daraus, dass er Israel auslöschen will.“ Im iranischen Fernsehen würden bereits Bilder gezeigt, auf denen Israel in Flammen zu stehen scheint.

Angst vor einem
atomaren Angriff

Tatsächlich ist der Angriff am vergangenen Samstag vergleichsweise glimpflich ausgegangen: 99 Prozent der Geschosse konnten nach Angaben eines Sprechers der israelischen Armee abgefangen werden. Für Hegedüs kein Grund zur Beruhigung: Beim nächsten Mal könnten die Geschosse aus Syrien oder dem Libanon kommen, dann bleibe nicht mehr so viel Zeit zur Verteidigung. Und es sei dem Iran auch möglich, Drohnen atomar zu bestücken. Ein Abschuss könne dann verheerende Folgen haben.

Viele Angehörige der Jüdischen Gemeinde in Krefeld hätten Verwandte und Bekannte in Israel, oft sogar in der Armee, erzählt Hegedüs. Sie kann deshalb gut verstehen, dass es Überlegungen gebe, mit dem Angriff auf Abschussanlagen die Gefahr für Israel auszuschalten. „Wenn nichts gemacht wird, ist die Gefahr längst nicht vom Tisch.“

Der Iran bediene sich einer ähnlichen Strategie wie Wladimir Putin in der Ukraine: Der Angriff werde als „Selbstverteidigung“ gerechtfertigt, die nun eingesetzten Drohnen habe der Iran im Ukraine-Krieg erfolgreich getestet. Und seit Jahren unterstütze der Iran auch den Terror gegen Israel.

Elina Hegedüs hält von den derzeitigen Solidaritätsbekundungen vieler Politiker im In- und Ausland wenig: Im Zweifel könne man sich nur auf sich selbst verlassen, denn „wahre Freunde hat Israel nicht viele“.

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