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Krefeld: Gefährlicher Abfall im Krefelder Hafen

Petrolkoks : Gefährlicher Abfall im Krefelder Hafen

Als gewöhnlicher „Petrolkoks“ von Shell kamen Raffinerie-Rückstände vor über zehn Jahren zu zwei Firmen in Krefeld. Nun hat sich herausgestellt, dass diese Einstufung falsch war. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

In Nordrhein-Westfalen sind, wie kürzlich bekannt wurde, jahrelang Raffinerie-Rückstände aus der Produktion des Mineralölkonzerns Shell in Wesseling (zwischen Köln und Bonn) fälschlicherweise als „Petrolkoks“ eingestuft worden. Die Rückstände, die heute als gefährlicher Abfall gelten, kamen in Kraftwerken und anderen Industrieanlagen zum Einsatz bzw. wurden dort gelagert. Zu den betroffenen Städten gehört nach Angaben des NRW-Umweltministeriums auch Krefeld. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Welche konkreten Standorte werden genannt? Das Ministerium in Düsseldorf hat eine Liste mit insgesamt 24 Kraftwerken, Lagerstätten, Handelsbetrieben etc. veröffentlicht. Für Krefeld werden die im Hafen sitzenden Firmen MAV (Branche: Verarbeitung) und CC Umwelt (Lagerung) genannt. Weitere betroffene Kommunen in der näheren Umgebung sind Duisburg und Moers.

 Laut Liste kamen 2008 und 2009 rund 5500 Tonnen zur Firma CC Umwelt in Krefeld.
Laut Liste kamen 2008 und 2009 rund 5500 Tonnen zur Firma CC Umwelt in Krefeld. Foto: Andreas Bischof

Von welchen Größenordnungen ist die Rede? Angegeben sind auch die jeweils eingesetzten Mengen und der Zeitraum des Einsatzes. Bei MAV waren es in den beiden Jahren 2008 und 2009 rund 4000 Tonnen, bei CC Umwelt im gleichen Zeitraum knapp 5500 Tonnen.

 Die Rückstände stammten aus dieser Shell-Raffinerie in Wesseling. Verarbeitet und gelagert wurden sie an verschiedenen Standorten in NRW.
Die Rückstände stammten aus dieser Shell-Raffinerie in Wesseling. Verarbeitet und gelagert wurden sie an verschiedenen Standorten in NRW. Foto: picture alliance / dpa/Oliver Berg

Die Fälle in Krefeld liegen mehr als zehn Jahre zurück — warum wird darüber jetzt diskutiert? Nachforschungen zur Beseitigung von Ölpellets in einer BP-Raffinerie in Gelsenkirchen lösten im vergangenen Jahr auch Recherchen in Sachen Rückständen aus Wesseling aus. Es ergaben sich Hinweise darauf, „dass dieser Stoff - sowohl im Hinblick auf das technische Verfahren, mit dem er hergestellt wird, als auch bezüglich seiner Zusammensetzung — nicht als Petrolkoks eingestuft werden kann“. Auch die Einstufung des Rückstandes als „Nebenprodukt“ entspreche nicht den rechtlichen Vorgaben — aus heutiger Sicht. Aktuell liegen dem Ministerium keine Anhaltspunkte vor, dass die damals fehlerhafte Einstufung strafrechtlich relevant gewesen sei.

Um was für Stoffe handelt es sich genau? Die Rückstände stammen aus der sogenannten Schwerölvergasung – während der „klassische“ Petrolkoks aus Verkokungsanlagen („Coker“) kommt. Nach Angaben des Ministeriums ist der Unterschied beträchtlich: „Während Petrolkoks über einen Kohlenstoffgehalt von 87 bis 90 Prozent und einem Wassergehalt von etwa einem bis 10 Prozent verfügt, liegt der Wassergehalt in dem bei der Rheinland Raffinerie entstandenen Rückstand bei 75 bis 85 Prozent.“ Aufgrund des hohen Wassergehaltes eigne sich der von der Shell-Raffinerie als „Petrolkoks“ bezeichnete Stoff nicht als sogenannter Regelbrennstoff. Darüber hinaus weise er höhere Gehalte von Nickel, Vanadium und Schwefel auf. Das wiederum wirft die Frage auf nach Gesundheitsgefahren wie Krebserkrankungen, also Spätschäden, durch den Umgang mit diesen Stoffen.

Wie wird die Gefährdung eingeschätzt? Dem Umweltministerium liegen nach eigenen Angaben bisher keine Anhaltspunkte vor, „dass der Einsatz des Rückstandes aus der Shell Rheinland-Raffinerie in den aufgeführten Anlagen zu nachteiligen Auswirkungen auf die Bevölkerung geführt haben könnte“. Zu möglichen Gefahren für die Mitarbeiter in den Betrieben macht Düsseldorf allerdings keine Angaben. Eine entsprechende Nachfrage blieb am Freitag unbeantwortet.

Wie ist die heutige Entsorgungs-Situation? Seit Wiederinbetriebnahme der Schwerölvergasung in der Shell-Raffinerie im vergangenen Sommer würden die Rückstände „ausschließlich als gefährlicher Abfall“ über eine spezielle Behandlungsanlage auf entsprechenden Deponien entsorgt.

umwelt.nrw.de