Krefeld: Für 600 Euro? Angeklagter gibt Messerattacke auf Rentner zu

Verhandlung : Mord für 600 Euro? Angeklagter gibt Messerattacke auf Rentner zu

Ein Mann soll einen gehbehinderten Rentner umgebracht haben. Der mutmaßliche Täter hat ein Teilgeständnis abgelegt. Nun geht es um das Motiv.

Einen heimtückischen Mord aus Habgier und um eine andere Straftat zu verdecken wirft die Staatsanwaltschaft einem 60-jährigen Krefelder vor. Er soll seinen 69-jährigen Nachbarn mit einem Küchenmesser in Oppum erstochen haben.

Am ersten Prozesstag am Freitag räumte der Mann die Tat zumindest in großen Teilen ein. Dazu sprach er aber nicht selbst, sondern ließ von seiner Verteidigerin Ute Steinbrenner erklären, dass seine Aussagen bei der Polizei und später beim Ermittlungsrichter auch heute noch stimmen würden. Schon beim Auftakt verbarg der Angeklagte sein Gesicht hinter einem Schnellhefter vor den Kameras der Medien. Die Verhandlung verfolgte er mit gesenktem Kopf.

Angeklagter und Opfer sind zusammen Einkaufen gegangen

In seinen früheren Vernehmungen, die der Vorsitzende am Freitag verlas, sagte der Angeklagte, dass er mit dem Opfer früher ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt habe. Fast jeden Freitag sei er mit ihm einkaufen gegangen.

Kurz vor Weihnachten war der Rentner dem Angeklagten, der von Arbeitslosengeld und einer Witwerrente lebt, allerdings vor, dass er ihm Geld gestohlen habe. Die Freundschaft zerbrach. Am 10. März sei er abends auf dem Weg nach Mönchengladbach gewesen. Er habe die Sache aber mit seinem Nachbarn klären wollen, so der Angeklagte. „Ich habe das nicht gewollt“, sagte er zu den Polizisten, die ihn vernommen haben.

Der Rentner ist noch
am Tatort verblutete

Das Opfer habe zu ihm gesagt, dass es nichts zu klären gebe und er Leute von früher, als er DJ in einer Disko war, kenne, die er ihm auf den Hals schicken werde. Das sei zu viel gewesen. Er habe den alten Mann, der mit einem Rollator zur Tür gekommen war, geschubst.

Der sei gefallen und er habe vom Wohnzimmertisch ein Küchenmesser mit einer elf Zentimeter langen Klinge ergriffen und immer wieder zugestochen. Das Opfer verblutete noch am Tatort. „Ich habe so lange zugestochen, bis er sich nicht mehr bewegte.“

Danach habe er eine Decke vom Sofa über den Mann geworfen und sei mit seinem Auto ziellos durch die Gegend gefahren. Das Messer habe er von der Uerdinger Brücke in den Rhein geworfen.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm allerdings vor, dass er das Messer schon in Tötungsabsicht mitgebracht habe, um dem Mann sein Portemonnaie mit 600 Euro Inhalt zu rauben.

Das habe er aber nicht genommen, beteuerte der Angeklagte bei der Polizei und  den Ermittlungsrichter. Nachbarn hatten den Toten in seiner Erdgeschosswohnung entdeckt. Zuerst war der Nachbar noch gar nicht unter Verdacht.

Zwei Zeuginnen hatten ihn aber in der Nähe des Tatorts gesehen und er sei sichtlich nervös gewesen. Nach vier Tagen konnte die Polizei den Angeklagten festnehmen.

Der Mann sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Für das Verfahren sind noch drei weitere Verhandlungstage bis Ende September angesetzt.

(dpa)
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