Krefeld: Festival für Meinungsvielfalt auf der Burg Linn

Festival : Ein buntes Festival für Meinungsvielfalt und Visionen

Auf der Burg Linn setzen am 9. Juli Musik, Tanz und Theater einen Kontrastpunkt zu einer AfD-Veranstaltung.

Besucher eines „Bürgerdialogs“ der Partei AfD am Dienstag, 9. Juli, in der Linner Museumsscheune könnten Parkprobleme bekommen: Der von der Bundestagsfraktion organisierte Abend beginnt um 19 Uhr – bereits um 18 Uhr startet aber in der Vorburg das „Krefelder Festival für Meinungsfreiheit und politische Vielfalt“.

Die Terminüberschneidung ist kein Zufall, wie Museumsleiterin Jennifer Morscheiser bestätigt: Der im Januar erfolgten Anfrage der demokratisch gewählten Partei zur Anmietung der Scheune habe man rechtlich zustimmen müssen. Doch die Burg Linn als Ort einer AfD-Veranstaltung sieht sie auch als problematisch an. Sie sei deshalb sogar schon im Internet angegriffen worden, berichtet Morscheiser.

Was sie auf keinen Fall möchte ist, dass es an dem Abend zu Krawallen in Linn kommt. Daher ist sie auf die Idee zu dem Festival gekommen. Das soll mit Musik, Tanz und Theater so bunt und vielfältig wie die Stadt Krefeld sein. „Vier Stunden Kulturprogramm werden auf die Beine gestellt“, berichtet sie.

„Riesig“ freut sich die Museumschefin auf den Auftritt der Gruppe Mondo Mashup Soundsystem, die intelligent-lustige Texte mit einem Querbeet durch die Weltmusik verbindet. Das Kresch Theater zeigt das Zwei-Personen-Stück „Zoo oder So ist das Leben“, es gibt bulgarisches Tanztheater und einen Auftritt von „Huber Schorsch und die Kulturpolitischen Rampensäue“. Hinter diesem skurrilen Namen verbirgt sich der aus Bayern stammende Beigeordnete Markus Schön, der innerhalb der Verwaltung eine Band gegründet hat. Sie versucht einen „bayerisch-niederrheinischen Dialog zwischen Genie und Wahnsinn“, verrät Jennifer Morscheiser augenzwinkernd. Ähnlich lustig dürfte der Auftritt der „Linner Rampensäue“ werden, die Blasmusik und witzige Texte kombinieren. „Ich habe da schon auf dem Boden gelegen vor Lachen“, so Morscheiser.

Doch das ist noch längst nicht alles. Nach dem Martin-Luther-King-Motto „I have a dream“ wird verschiedenen Krefelder Landtags- und Bundestagsabgeordneten sowie Akteure aus der Stadt Gelegenheit gegeben, ihre politischen Versionen zu formulieren – ohne Rücksicht auf Partei, Haushaltslage oder Machbarkeit. Und das auf nur drei Minuten beschränkt. „Ab der fünften Minute schalte ich das Mikro aus“, kündigt Morscheiser an. Als Visionäre auftreten werden unter anderem Oberbürgermeister Frank Meyer, die Bundestagsabgeordneten Otto Fricke, Ansgar Heveling und Ulle Schauws, ihre Landtags-Kollegen Marc Blondin und Ina Spanier-Oppermann, Sandra Franz von der Villa Merländer, Michael Gilad von der Jüdischen Gemeinde und Tagrid Yousef, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums der Stadt Krefeld. „Wenn noch jemand von der AfD auf mich zukommt, grenze ich keinen aus“, sagt die Museumsleiterin.

Nicht zuletzt wird es eine ganz besondere Kunstausstellung geben. Wie Angela Ortmann von der Paul-Gerhardt-Grundschule in Uerdingen berichtet, haben verschiedene Klassen aus allen Altersstufen der Unesco-Schule sich mit dem Thema „Krefeld ist bunt“ beschäftigt. Bilder zum „Engel der Kulturen“ und zu den verschiendenen Hautfarben innerhalb einer Klasse sind ebenso zu finden wie bunte Bilder der Burg Linn. Alle Kunstwerke werden eingescannt und auf Banner gezogen. Ausgestellt werden sie dann ab 9. Juli bis zum Ende der Sommerferien – in der Museumsscheune.

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