1. NRW
  2. Krefeld

Krefeld: Eine ungewisse Zukunft für das Brauchtum

Brauchtum : Ungewisse Zukunft fürs Brauchtum

Kirmes oder Bierzelt-Feste sind zurzeit undenkbar — und das noch lange.

Die Uerdinger Karnevalisten haben sich trotz der Corona-Krise nicht von ihren Plänen verabschiedet, den am 23. Februar wegen des Sturms ausgefallenen Tulpensonntagszug nachzuholen. Allerdings wir die Entscheidung darüber aus aktuellem Grund vertagt. „Wir wollen Mitte Mai einen endgültigen Entschluss fassen“, erklärt Heinz-Hermann Küsters, 2. Vorsitzender des Karnevalszugvereins Uerdingen.

„Zurzeit haben wir natürlich alle andere Sorgen“, sagt Küsters. Aber wenn sich die Lage nach den Osterferien entspannen sollte, würden die Gespräche wohl wieder aufgenommen werden können. Klar sei aber jetzt schon: Ein Nachholtermin würde frühestens in die Sommerzeit datiert werden können, also in den Juli oder sogar August. Zwar seien die Abläufe eines Zuges wie in jedem Jahr und müssten nicht neu besprochen werden, Zeit müsse aber unter anderem für Gespräche mit den Behörden eingeplant werden. Oberbürgermeister Frank Meyer hatte während der täglichen Pressekonferenz zum Thema Corona am Montag erklärt, er stehe grundsätzlich für Gespräche zur Verfügung. „Ich setze mich mit den Uerdingern zusammen.“ Zurzeit seien derartige Ansinnen aber völlig utopisch, weil nicht genehmigungsfähig.

Aber auch für die Zeit nach dem Ablauf von Erlassen (nach den Osterferien) deutete er vorsichtig an: „Auch danach wird es wohl schwierig.“ Ausdrücklich wies Meyer in dem Gespräch auf das gesamte Brauchtum hin und wählte dafür Bierzelte bei Schützenfest – auf lange Zeit wohl undenkbar. Deshalb rät er allen Vereinen derzeit davon ab, Veranstaltungen derart zu planen und Verträge zu schließen, die Kosten nach sich ziehen.

Die Fischelner Kirmes beispielsweise findet in diesem Frühjahr bereits vom 25. bis 27. April statt. Zumindest steht das auf dem Terminplan. Bekanntlich dauert das Erlasspaket des Landes NRW zur Eindämmung des Corona-Virus bis zum Ende der Osterferien, also bis einschließlich 19. April.

Ansonsten steht in Fischeln dann erst einmal bis Ende August kein großes Fest an. Die Schützen treffen sich erst zum Vogelschießen am 21. August. „Wir haben die Ausrichtung ins Auge gefasst, können da recht kurzfristig noch reagieren. Ansonsten warten wir die Entwicklung weiter ab“, sagt Klaus Weichert, Vorsitzender der Fischelner Bürger-Schützengesellschaft. Der Bürgerverein hat erst im September sein Sommerfest. „Ich habe noch die Hoffnung, dass wir das durchziehen“, sagt der Vorsitzende Reiner Schütt. Die Verträge mit einer Band, die Genehmigungen sind längst in trockenen Tüchern. Aber auch in diesem Punkt müsse man die nächste Zeit abwarten.

Die Linner Kirmes ist für den 1. bis 3. Mai angesetzt. Der Linner Bürgerverein begleitet den Jahrmarkt, muss aber auch auf das grüne Licht der Stadt warten. Hubert Jeck, Vorsitzender des BV, glaubt jedoch nicht, dass die Kirmes stattfinden wird. Am 19. Juni sollen die OB-Kandidaten in der Museumsscheune aufeinandertreffen. Noch ist die Veranstaltung nicht abgesagt, anders als die Säuberungsaktionen, zu denen der Bürgerverein aufgerufen hat. Das traditionelle Kräutersammeln Ende August ist noch nicht der Pandemie zum Opfer gefallen.

Der Linner Schützenverein bangt dagegen sehr um sein Vogelschießen am 9. Mai, wie Geschäftsführerin Doris Heisterbach sagt: „Der Termin wackelt total.“ Die Verträge mit Wirten, den Zeltbauern und den Musikkapellen seien schon unterschrieben. Am 31. März wollen die Schützen tagen und besprechen, was passieren soll. Der Krönungsball im Oktober soll dagegen stattfinden, vielleicht in Kombination mit dem Vogelschießen.