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Krefeld: Eine kleine syrische Welt an der Krefelder Rheinstraße

Gastronomie : Eine kleine syrische Welt an der Rheinstraße

Als Flüchtlingsfamilie kamen die Arifahs nach Krefeld. Nun lebt ihre Heimat im eigenen Restaurant auf.

Mitten durchs Lokal wuchten Koch Abo Abdo und Ladeninhaber Raief Arifah den riesigen Drehspieß. Die Gäste, die zum Mittagstisch da sind, schauen den Herren hinterher. Auch Raiefs Sohn Walid Arifah verfolgt das Geschehen. „200 Kilo Fleisch sind das“, sagt der 21-Jährige und lächelt stolz. Der Spieß werde nun aufgebaut und im Laufe des Tages abverkauft.

Wobei Arifah zugegebenermaßen nicht von einem Spieß spricht, sondern von Schawarma. So heißt das Gericht in Arifahs Heimat Syrien. Leicht könnte es der Laie mit einem Döner verwechseln. Doch Arifah besteht darauf: „Die syrische und die türkische Küche unterscheiden sich.“ Während die zweite in Deutschland und auch in Krefeld recht verbreitet ist, möchte Arifahs Familie von der syrischen Kost noch überzeugen.

Die ganze Familie arbeitet
zusammen in dem Lokal

Kürzlich haben sie ihr Restaurant mit dem Namen „Familienhaus“ an der Rheinstraße 54 eröffnet – ein besonderes Lokal mit einer besonderen Geschichte. „Wir arbeiten hier als Familie“, sagt Juniorchef Walid Arifah. Neben dem Anspruch einer familienfreundlichen Gastronomie war das ausschlaggebend für den Namen der Neueröffnung. Arbeiten mit der Familie meint, dass Arifahs Eltern und die Kinder gemeinsam den Laden schmeißen. Und natürlich der Koch, der schließlich längst Teil der Familie sei, sagt Arifah.

Dass die Arifahs ihr Glück nun in Krefeld finden, hätten sie vor einigen Jahren wohl selbst noch nicht erwartet. Im Jahr 2016 haben sie ihre Heimatstadt Damaskus verlassen. Über die Türkei sind sie nach Deutschland geflohen. Weg vom Krieg daheim, wie so viele Menschen. Irgendwann verschlug es die Familie nach Krefeld. „Wir sind hier bei null gestartet“, sagt Arifah – keine Bekannten, keine Sprachkenntnisse.

Zumindest den Traum vom eigenen Lokal hatte die Familie bereits. Den Ausschlag, den Plan umzusetzen, gab letztlich ein Buffet, das Mutter Lama Arifah organisierte. „Die Gäste haben gefragt, warum wir kein Restaurant eröffnen“, sagt Walid Arifah. Also traute sich seine Familie trotz aller Widrigkeiten. Das Geld war knapp in den eineinhalb Jahren, in denen die Arifahs ihr Restaurant herrichteten. „Aber wir haben nie aufgegeben“, sagt Arifah und schiebt hinterher: „Jetzt sind wir froh, selbständig zu sein.“

Schon nach wenigen Wochen kommen viele Gäste und betreten eine kleine syrische Welt an der Rheinstraße. Bilder aus Damaskus hängen an den Wänden, daneben sind Mosaike zu sehen. Im Hintergrund läuft die Musik aus dem Nahen Osten. Und die Kellner, gekleidet mit weißem Hemd und schwarzer Fliege, bringen gleich Tee in den markanten, bauchigen Gläschen an die Tische.

Dass es läuft, sei viel Arbeit, sagt Arifah. Zumal alle Gerichte frisch hergestellt würden. Falafel sei eine der Spezialitäten, also frittierte Bällchen aus pürierten Kichererbsen. Um alles zu schaffen, sei die Familie im Moment jeden Tag von neun Uhr am Morgen bis Mitternacht im Restaurant, sagt Arifah. Seine Ausbildung hat er erstmal verschoben, um den Eltern in Vollzeit helfen zu können. „Das ist total anstrengend“, sagt Arifah. „Aber wir wissen, dass wir etwas Schönes für die Zukunft haben.“