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Krefeld: Eine Kleiderstube für den guten Zweck

Linn : Eine Kleiderstube für den guten Zweck

Zwischen 50 und 75 Kunden kommen heute wöchentlich und kaufen sich Second-Hand Kleidung.

Es fing alles ganz klein an. Sonntagsnachmittags, parallel zum Kaffeetrinken, wurde im Linner Seniorenclub „Em Cavenn“ gut erhaltene Kleidung für kleines Geld an Bedürftige verkauft. Schnell war klar: Angebot und Bedarf sind groß, es könnte auch ein Geschäft eingerichtet werden. Kurzerhand öffnete „Die freundliche Linner Kleiderstube“. Das war vor zehn Jahren. Seitdem schreibt sie Erfolgsgeschichte. Der Geburtstag wird coronabedingt nicht gefeiert.

„Die Kleiderstube ist offen für alle“, erläutert Marie-Theres Heß, die Leiterin, die sich aus dem eigenen Betrieb mit Buchhaltung, Finanzen und Personal auskennt. „Zu normalen Zeiten kommen zwischen 50 und 75 Kunden pro Woche. Ich bin Power gewöhnt“, sagt die Seniorin. „Mein 22-köpfiges engagiertes Frauenteam zieht mit Freude mit. Jede versieht einmal wöchentlich für drei Stunden ihren Dienst.“

Während die Kunden Kleidung für kleines Geld kaufen könnten, stehe das Second-Hand-Angebot für Bedürftige mit Berechtigungsschein der Einrichtung „Offenes Ohr“ der Kirchengemeinde St. Nikolaus kostenlos zur Verfügung, berichtet sie weiter.

„Der Bedarf wird immer größer“, erklärt die Leiterin. „Es gibt viele Menschen, die nicht so viel Geld haben. Der Trend geht aber auch dahin, dass viele aus Umweltschutz-Gründen sagen, dass sie nicht immer etwas Neues kaufen müssen. Unsere Sachen sind oft neuwertig und schick.“

Kinderkleidung sei in den vergangenen Wochen sehr gefragt gewesen. „Die Kitas, die oftmals selbst einen Basar für Kinderkleidung organisieren, konnten ihn in Pandemie-Zeiten nicht durchführen.“ Grundsätzlich sei „alles da“, sie seien gut durchsortiert. Kleidung für Damen, Herren und Kinder in vielen Größen und modische Accessoires gehen über den Ladentisch.

Das Angebot der Kleiderstube entsteht nach wie vor aus Sachspenden, die dort während der Öffnungszeiten abgegeben werden können. „Was einem selbst vielleicht nicht mehr passt oder nicht mehr gefällt, kann für andere genau das richtige Angebot sein.“ Mittlerweile kamen zum Verkaufsraum Lagerstätten dazu. So kann Winter- und Sommerkleidung, je nach Bedarf, gewechselt und verwahrt werden.

Die Einnahmen der „Kleiderstube“ fließen ausschließlich in die Arbeit des Seniorenclubs „Em Cavenn“. Dort kommen sie den Senioren – in normalen Zeiten – für gesellige Nachmittage oder gemeinsame Ausflüge zugute. Heß: „Ich rechne mit den Mitarbeitern der Caritas ab, die die Geschäftsführung des Seniorenclubs innehaben.“

„Von Anfang an und bis heute gehören Marianne Trunke und Ursula Ingenpass zum Kreis der Ehrenamtlichen“, berichtet Marie-Theres Heß. „Schnell fanden sie mit Unterstützung der Wohnstätte eine Bleibe. In einem ehemaligen Friseursalon, in der Nähe des Seniorenheims, befindet sich nun der kleine Secondhand-Laden.“

Der Anfang sei trotz der großen Unterstützung nicht leicht gewesen, sagt Heß. Das Ladenlokal liege ein wenig versteckt. Doch durch gute Mundpropaganda habe sich die Einrichtung herumgesprochen. „Jetzt sind wir bekannt. Die Leute kommen sogar aus Meerbusch.“