Krefeld: Einblick in die größte Grabung der Stadtgeschichte

Archäologie : Einblick in die größte Grabung der Stadtgeschichte

Am Kastell in Gellep haben Archäologen 90 000 Fundstücke geborgen. In einer Ausstellung werden Relikte aus der Eisenzeit und der Bataver-Schlacht gezeigt.

Vitrinen mit alten Münzen, Skeletten und verrosteten Helmen reihen sich im Archäologischen Museum Krefeld aneinander. Dazwischen steht Stadtarchäologe Hans-Peter Schletter. Er nennt die etwa 1000 Funde einen „ersten Arbeitsnachweis“. Die Aussage zeigt, dass diese Sammlung einen Ausschnitt eines riesigen Projekts abbildet. Es geht um die größte Grabung in der Stadtgeschichte.

Ab April 2017 hat Schletter zehn Monate mit bis zu 40 Leuten rund um das nördliche Dorf am römischen Kastell in Krefeld-Gellep gegraben. Auf dem 3,7 Hektar großen Areal sicherte das Team 90 000 Funde aus der Zeit 800 vor Christus bis 500 nach Christus.

Die ersten Entdeckungen und Erkenntnisse sind nun in der Ausstellung „Abenteuer Großgrabung – Gräberfeld, Bataverschlacht und Römersiedlung“ zu sehen. Der Titel lässt die Themen freilich erahnen.

Gleich am Eingang sehen die Besucher die ältesten Fundstücke: dunkle Urnen aus der Eisenzeit. Diese belegen, dass das Gebiet schon deutlich vor den Römern (800 bis 450 vor Christus) für Beisetzungen genutzt wurde. Anhand der Urnen lässt sich manches über die damalige Gesellschaft ableiten. „Die Menschen haben in Einzelgehöften gelebt“, sagt Schletter: „Siedlungen, über die Identifikation stattfinden konnte, gab es nicht.“ Daher waren die Gräberfelder ein zentraler Punkt für die Menschen.

Die Ausstellungsmacher geben sich Mühe, den Gästen entsprechende Einordnung zu bieten, damit sie neben zerbrochenen Krügen und verrostetem Metall tatsächlich historische Geschichten erleben. Auf einer Karte steht etwa, dass Münzen, die die Archäologen fanden, unter anderem in Lyon, Rom und London geprägt wurden.

15 Skelette von Pferden haben
die Archäologen gefunden

Auch Zeichnungen und Schaubilder bieten eine gute Übersicht. Die Forscher haben bei ihrer Arbeit ein „Vicus“, also eine kleinere römische Zivilsiedlung angeschlossen an ein Militärlager, untersucht. Straßenverläufe sowie Fundamente lassen sich nachzeichnen. Damit sich Laien das vorstellen können, hängt die Entdeckung als bunte Illustration an der Wand. „Dort sehen wir unter anderem die typischen, langezogenen Streifenhäuser“, sagt Eric Sponville, der als Doktorand an dem Projekt beteiligt ist. „Vorne zur Straße waren die Läden und Werkstätten und hinten der Wohnbereich.“ Schlüssel, Werkzeug und Pferdegeschirr haben die Forscher in diesem Bereich geborgen.

Besonders erschütternd ist das Skelett eines auf den Rücken gedrehten Pferdekörpers. Es ist ein Relikt der brutalen Bataverschlacht, die im Jahr 69 auf dem Gebiet nahe des Rheins stattfand. Damals lieferten sich die germanischen Bataver und die Römer eine blutige Schlacht bei Gelduba, dem heutigen Gellep. „Alleine bei dieser Grabung haben wir 15 Skelette von Pferden gefunden“, sagt Schletter. Die Fundorte erlauben Rückschlüsse auf die genauen Orte des Kampfs. Überreste von Menschen sind seltener. Diese seien verbrannt oder bestattet worden, sagt Schletter. Die Bataverschlacht ist Teil eines bemerkenswerten Jahres in der römischen Geschichte, dem Vier-Kaiser-Jahr: Vier Männer erhoben Anspruch auf die Nachfolge Neros, es gab Kämpfe im ganzen Reich.

Archäologe Schletter ist besonders stolz auf eine Entdeckung, die in Deutschland wohl einzigartig ist: Die Spuren von zwei Trophaea, zwei Sieges-Denkmälern der Römer.

Schletter hofft, dass es in Zukunft noch mehr Spektakuläres zu zeigen gibt. Aus der Grabung sollen noch weitere Ausstellungen hervorgehen. Die Restaurierung und Erforschung aller Funde werde sicher noch Jahre dauern.

Mehr von Westdeutsche Zeitung