Interview Eine Porzellantasse ist alltäglicher Luxus

Krefeld · INTERVIEW Jan-Willem Kobes und Claus Weissenborn haben sich auf das „weiße Gold“ spezialisiert.

 Claus Weissenborn (l.) und Jan-Willem Kobes: Auf die richtige Tasse kommt es an.

Claus Weissenborn (l.) und Jan-Willem Kobes: Auf die richtige Tasse kommt es an.

Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Ein guter Kaffee und die richtige Zubereitung sind das A und O für Kaffeeliebhaber, die richtige Tasse dazu macht des Deutschen liebstes Heißgetränk jedoch erst perfekt. Nicht umsonst haben die meisten Menschen im Büro oder zu Hause eine Lieblingstasse aus der sie trinken. Die ist so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Für Jan-Willem Kobes und Claus Weissenborn muss sie auf alle Fälle aus Porzellan sein. Farbe, Dekor und Form hingegen sind Geschmackssache. Unsere Redaktion sprach für unsere „Kaffee und Kuchen-Ausgabe“ zu Ostern mit den beiden Krefelder Geschäftsinhabern von „Kobes – The fine dining avantgarde“ über das „weiße Gold“, das sie in einer früheren Kneipe an der Schwertstraße anbieten – und nicht nur zu Ostern.

Aus welchem Material sollte eine Kaffeetasse sein? Und wieso?

Jan-Willem Kobes: Aus Porzellan! Es ist das beste Material dafür, man kann es dünn verarbeiten oder dick und es ist sehr bruchfest. Daraus schmeckt der Kaffee einfach am besten.

Sind Porzellan-Tassen denn nicht sehr empfindlich und damit nicht alltagstauglich?

Claus Weissenborn: Porzellan wird viel höher gebrannt als Keramik und die Tasse wird gedreht und nicht gepresst, wie bei der billigeren Keramik. Dadurch sind Porzellantassen auch so bruchsicher. Die Besucher staunen, wenn wir zu Demonstrationszwecken schon mal eine Tasse von KPM (Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin) auf den Holztisch in unserem Verkaufsraum schlagen – und nichts passiert.

Kobes: Die deutschen Manufakturen haben einfach eine ganz andere Qualität als das, was woanders produziert wird.

Dürfen Porzellan-Tassen dann auch in die Spülmaschine?

Weissenborn: Natürlich, die Tasse gehört in die Spülmaschine. Heutzutage sind alle Dekore, selbst Goldränder, spülmaschinenfest, weil sie mit viel höherer Temperatur gebrannt werden wie noch vor 40 Jahren. Es sollte aber immer Reinigungspulver benutzt werden, am besten das Billigste, anstelle der aggressiven teuren Tabs. Denn die machen jedes Porzellan, aber auch Gläser und Besteck kaputt. Die heutigen Maschinen arbeiten nur noch mit wenig Wasser und die Chemiebomben sind viel zu stark. Dieser Tipp stammt übrigens nicht von uns, sondern von den Porzellan-Manufakturen selber.

Porzellan-Tassen sind kostspielig.Wo fängt der Preis an, wo hört er auf?

Kobes: Der Preis für eine Tasse mit Untertasse fängt bei 20 bis 30 Euro an, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Meißen und Royal Copenhagen bieten individuell Hand bemalte Tassen an, wo der Kunde sich seine Wunschpflanze oder Blume frei aussuchen kann. Entsprechend ist der Preis.

Ist das nicht purer Luxus?

Kobes: Ja, ein schönes Porzellan ist Luxus, aber für jeden Tag. Daraus sollte man trinken und es genießen. Das muss auf den Tisch, nicht in die Vitrine.

Weissenborn: Eine Tasse (beispielsweise von KPM „Kurland“ in Weiß) wird mit 863 Handgriffen in 29 Arbeitsschritten hergestellt, 25 Manufakturisten arbeiten insgesamt 14 Arbeitstage an einer einzigen Tasse, zehn Qualitätskontrollen per Hand erfolgen in der Zeit. Das hat seinen Preis. Auf unserer Internetseite ist im Shop unter KPM ein Film über die Herstellung einer Meister-Tasse zu sehen . . . Und man kann ja erst einmal klein anfangen, mit zwei Gedecken. Der Vorteil bei hochwertiger Ware ist, dass nicht jedes Jahr ein neues Design das alte ablöst und man über Jahre so nachkaufen kann.

Wie sieht die perfekte Kaffeetasse aus?

Kobes: Sie ist aus hochwertigem Porzellan, langlebig, hält den Kaffee sehr lange warm und sie macht das Getränk trotz hoher Zubereitungstemperatur dennoch trinkbar.

Was sind die sogenannten Klassiker bei Ihnen?

Weissenborn: Die Serie Kurland von KPM, die ist 230 Jahre alt geworden – und seither unverändert in ihrer Form. Ess- und Trinkgewohnheiten haben sich im Laufe der fast zweieinhalb Jahrhunderte geändert und so sind neue Teile wie ein Coffee to go-Becher und größere Tassen für die heute beliebten Getränke Milchkaffee und Cappuccino hinzugekommen. Auch die Speiseteller sind mit der Zeit größer geworden. Galten sie früher mit 25 Zentimetern als groß, haben sie heute 27 bis 28 Zentimeter.

Die Tasse gibt es seit über 400 Jahren. Gibt es da noch Neues?

Kobes: Neu sind tatsächlich in dieser Saison die Coffee-to-go-Becher von Dibbern, natürlich aus Porzellan. Dieser Trend, Kaffee mitzunehmen auf seinem Weg zur Arbeit, ist aus den Staaten zu uns ’rüber geschwappt. Aber statt Plastik- oder Papp-Wegwerf-Becher ist Nachhaltigkeit mit Porzellan-Bechern möglich.

Weissenborn: Neu ist auch, dass die Kaffeetassen immer größer werden. Für Café Creme und Filterkaffee reicht ja die übliche Größe von 0,18 bis 0,22 Liter. Für alle Kaffee-Variationen, die mit viel heißer Milch wie bei Café au Lait oder Milchkaffee zubereitet werden, ist eine Tassengröße von 0,25 bis 0,35 Liter optimal. Da inzwischen immer mehr Kaffeetrinker ihren eigenen Kaffeevollautomaten zu Hause haben, kann sich jeder diese Spezialitäten selber zubereiten. Dementsprechend steigt auch die Nachfrage nach solchen Tassen. Die klassische Kaffeekanne, wie es sie noch vor 20, 30 Jahren gab, benutzt hingegen kein Mensch mehr.

Und wie sieht es bei den Dekoren aus?

Weissenborn: Im Dekorbereich gibt es keine Grenzen. Wenn dem Kunden das angebotene Dekor oder die Farbe einer Serie nicht gefällt, werden eben nach seinem individuellen Wunsch die Tasse und das Gedeck gefertigt. Das ist das Besondere der Manufakturen. Viele meinen, dort müssten mindestens 1000 Leute arbeiten, doch wenn überhaupt sind es 60 bis 80. Es ist eben keine Massenware, und die hat ihren Preis. Dafür ist sie sehr langlebig, etwas Außergewöhnliches, und die Sinne trinken mit. Das ist eben auch Trink- und Tischkultur.

Wer sagt eigentlich, dass man aus Kaffeetassen nur Kaffee trinken darf?

Kobes: Niemand (und beide lachen)! Von Fürstenberg haben wir zum Beispiel hauchdünne Champagner-Becher mit schwarz-weißem geometrischen Dekor von außen und goldener Innenseite. Damit können wir zeigen, was Porzellan alles kann. Nicht nur zu Ostern.

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