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Krefeld: Ein Frosch im Rhein

Sport : Ein Frosch im Rhein

Über 5000 Kilometer legt der Uerdinger Wolfgang Pasch jedes Jahr mit seinem Kanu auf deutschen Flüssen zurück.

120 000 gefahrene Kilometer: Diese Strecke, die auf den ersten Blick der Kilometerstand eines Autos sein könnte, hat der Krefelder Wolfgang Pasch in den letzten Jahren ganz ohne Motor zurückgelegt. Mit seinem grünen Kanu „Frosch“ ist er gleich mehrmals die Woche auf dem Rhein unterwegs und hat mittlerweile eine Gesamtstrecke von drei Weltumrundungen erpaddelt. Mindestens 5 000 Kilometern jährlich hat Pasch dafür seit über einem Jahrzehnt auf dem Wasser zurückgelegt. Neben dem Rhein war er schon auf Flüssen in ganz Deutschland unterwegs: Elbe, Saar, Spree, Maas, Oder, Mosel und viele mehr. Pasch sagt: „In erster Linie mache ich das für meine Gesundheit. Dazu kommt die Entspannung auf dem Wasser und nicht zu vergessen die Natur. Ich brauche die Zeit für mich alleine. Einfach Mal den Kopf frei bekommen. Besonders gerne fahre ich im Regen.“

Irgendwann gab es auch mal
eine Kanu-Pause für die Liebe

An den Anfang seiner Faszination für den Kanu-Sport kann sich der Uerdinger noch genau erinnern. Pasch: „Ende der 1950-er Jahre habe ich bei einem Freund in der Druckerei ausgeholfen. Die Familie war im Kanu-Club und hat mich mitgenommen und unterstützt. Damals waren Kanus sehr teuer. Alleine hätte ich mir das nicht leisten können. Das erste Kanu war noch ein Faltboot.“ Pasch ist sofort begeistert. Obwohl er wenige Jahre später das Boot seiner Ehefrau zuliebe für längere Zeit an den Nagel hängt, lässt ihn die Lust am Kanu-Fahren nie wieder los. Als ihn dann 1990 ein Tennisfreund wieder auf den Wassersport anspricht, ist das Feuer wieder entflammt. Pasch überlegt nicht lange, beginnt wieder mit dem Kanu-Fahren, wird wenig später Mitglied beim SC Bayer 05 Uerdingen. Nach dem Ruhestand legt der Uerdinger dann richtig los. Gleich mehrmals die Woche fährt er seitdem seine Lieblingsstrecke vom kölnischen Langel nach Krefeld. Pasch sagt: „Als ich noch berufstätig war, war an so ein Hobby nicht zu denken. Jetzt geht es früh morgens an der Rheinfähre aufs Wasser. Mittags bin ich dann zum Essen wieder zu Hause.“

Für Wasserschutzpolizei und Schifffahrt ist er Stammgast

Wichtige Unterstützung bei seiner Sportleidenschaft gibt es von der Familie. Die bringt ihn mit dem Boot zum Streckenstart und sammelt ihn später wieder ein. „Ohne meine Frau und meine Tochter ist das nicht machbar“, so Pasch. In seinem Rekordjahr 2015 kommt der Uerdinger auf 11 111 gefahrene Kilometer – und ist damit einer der fleißigsten Paddler in Deutschland. Zusammen mit seinem „Frosch“ ist er mittlerweile Stammgast auf dem Rhein und den Binnenschiffern wohlbekannt. Pasch sagt: „Die Wasserpolizei kennt mich schon, winkt immer. Außerdem sieht man oft die gleichen Schiffe.“ Mit den vielen anderen Schiffen kommt Pasch in der Regel gut aus, gefährlich wird es für den Routinier selten. „Was schon mal passieren kann ist, dass es Ärger gibt, wenn von hinten jemand kommt und ich nicht schnell genug Platz mache. Dann wird der ein oder andere schon einmal etwas lauter.“

Nach seinem 80. Geburtstag im August will er nächste Saison etwas kürzer treten. „Damals bin ich bei jedem Wetter gefahren. Die Knochen sind auch nicht mehr die frischsten“, sagt der Rentner. Das heißt aber nicht, dass Pasch mehr Zeit auf der Couch verbringt. Künftig will er öfter Schwimmen gehen und im Winter Ski fahren. Pasch: „Ich liebe das Wasser, egal ob Schwimmen oder im Boot. Ich bin eben ein Wassermensch.“ Außerdem nimmt der ehemalige Tischtennisspieler regelmäßig das Sportabzeichen ab, hält sich mit Gartenarbeit fit. Aber ein paar hundert Kilometer wird der Rhein bald wieder Heimat für den Frosch und seinen Fahrer.