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Krefeld: Ein Ankerpunkt für das bunte Stahldorf

Jugendarbeit : Ein Ankerpunkt für das bunte Stahldorf

Das Jugendzentrum "Stahlnetz" nimmt am 21. September nach über zwei Jahren Pause wieder die Arbeit auf.

Der Holzboden knarzt ein wenig, ansonsten ist vom hohen Alter des Hauses nicht viel zu sehen und spüren in den Räumen des Jugendzentrums Stahlnetz in Stahldorf. Eine helle, moderne Inneneinrichtung empfängt den Besucher. Ab dem 21. September sollen hier wieder Kinder und Jugendliche ihre Freizeit an der Oberschlesienstraße verbringen können. Nach über zweieinhalbjähriger Pause.

„Wir sind sehr froh, dass das Haus wieder öffnen kann“, sagt Sonja Pommeranz, Leiterin des Fachbereiches Jugendhilfe. Oberbürgermeister Frank Meyer bezeichnete den Wiederbeginn der Arbeit im Fischelner Südwesten als „notwendig für Kinder und Jugendliche. Es gibt hier Bedarf.“ Mit einer feierlichen Eröffnung am Freitagabend, 18. September, geht es los. Drei Tage später beginnt der Regelbetrieb. Das Stahlnetz wird die 21. Jugendeinrichtung in Krefeld sein. „Krefeld kann stolz sein, dass wir ein solches Angebot über das gesamte Stadtgebiet haben“, sagte Pommeranz. Das Gebiet im Osten des Stahlwerks weist einen hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund auf. Zudem kommen auf viele Familien drei oder mehr Kinder.

Der Stadtteil liegt auch beim Thema Sozialhilfe über dem Durchschnitt der Stadt. Viele Kinder sprechen hier zwei Sprachen. Es gibt viele interkulturelle Begegnungen, aber auch Vorurteile und religiös geprägte Abgrenzungen, wie es in einem Schreiben der Verwaltung heißt. Längst nicht alle Einwohner empfänden das Miteinander als angenehm.

„Der Bedarf an offener Kinder- und Jugendarbeit ist hoch“, wird darin festgehalten. Sonja Pommeranz betont daher: „Wir wollen ein verlässlicher Ankerpunkt sein.“ Meyer sprach über Stahldorf von einem „unterschätzten Stadtteil.“ Die Leute würden aber zusammenhalten: „Es gibt viele Menschen hier, die sich kümmern wollen.“ Der Verwaltungschef hob die Kooperation von Stadt und Ehrenamtlern für das Stahlnetz lobend hervor, um eine enge Bindung zu den Menschen im Stadtteil zu halten: „Die Stadt schwebt nicht wie ein Raumschiff über allem.“

Die Kommune hat das Jugendzentrum zum 1. Januar 2018 aus der Trägerschaft des Fördervereins für Kinder und Jugendarbeit Stahldorf übernommen, der die Einrichtung seit 2005 betrieben hatte. In den vergangenen sechs Monaten standen erhebliche Sanierungsarbeiten auf dem Programm. 330 Quadratmeter auf zwei Stockwerken wurden umgestaltet.

Aus einer kunterbunten Inneneinrichtung ist ein helles und dezentes weiß geworden. Auch an Elektrik, Fliesen, Fußboden und den Türen wurde Hand angelegt. Auch eine neue Küche wurde eingerichtet. Die baldigen Besucher sollen außerdem noch ihre Wünsche und Ideen einfließen lassen können, damit sie die neuen Räume annehmen, sich im „Stahlnetz“ wohlfühlen und gerne wiederkommen.

Darauf setzt auch Lara Kalina, die Leiterin der Einrichtung. Wie schnell und wie gut das Jugendzentrum angenommen wird, kann noch niemand einschätzen. Kalina rechnet mit etwa 50 bis 60 Kindern und Jugendlichen. „Wir wollen den Stadtteil und die Kinder erst einmal kennenlernen.“ Ob sie in ihrem kleinen Team auch Dolmetscher brauchen werde, „müsse man dann sehen.“ Eventuell werde sie Honorarkräfte finden, falls die Kinder der deutschen Sprache nicht mächtig seien.

Vor allem Heranwachsende und Jugendliche zwischen zwölf und 21 Jahren werden künftig hier erwartet. Aber auch Kinder ab sechs Jahre sollen betreut werden können. Das Angebot an die Besucher soll deshalb möglichst vielfältig sein. Sport, Bewegung, Entspannung, Kreativangebote. Auch die hauseigene kleine Bücherei mit Kinder- und Jugendliteratur steht den Besuchern zur Verfügung. Doch auch Eltern sind willkommen, sie können hier Beratung suchen.

Da bietet es sich an, dass eine Gruppe der Hochschule Niederrhein in den Herbstferien das Projekt „Vielfalt und Diversität“ auflegt. Der bunte Stadtteil Stahldorf will davon profitieren.