Kritik an der Situation Drogenszene am Hauptbahnhof: „Situation ist herausfordernd“

Krefeld · Die Mitglieder der „Szene“ liefern sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Ordnungskräften, die trotzdem viele Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten konnten. Benachbartes Parkhaus ist abgeriegelt.

Eine alltägliche Situation für den TC Seidenstadt. Am Eingangsbereich campieren obdachlose Menschen.

Eine alltägliche Situation für den TC Seidenstadt. Am Eingangsbereich campieren obdachlose Menschen.

Foto: TC Seidenstadt

Rund um den Krefelder Hauptbahnhof gibt es weiterhin massive Probleme mit obdachlosen Menschen, die sich tagsüber und nachts in Hauseingängen aufhalten, Müll und Spritzenreste zurücklassen. Einer der Leidtragenden ist der TC Seidenstadt, der seine Räume im Hauptbahnhof hat. Rund ein halbes Jahr ist vergangenen, seit Jutta Pastor aus dem Vereinsvorstand dramatische Zustände geschildert hat. Geändert hat sich ihrer Meinung nach aber nur wenig – und das, obwohl man im regelmäßigen Austausch mit den Ordnungsbehörden stehe.

Vor wenigen Tagen sei die Situation eskaliert, sagt Pastor. Erneut wurden die Eingänge zum TC Seidenstadt von Menschen belagert. Manche davon seien nicht mehr ansprechbar gewesen, ein Mann habe regungslos in seinem Rollstuhl gesessen. Anrufe bei Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) und Polizei aber brachten nicht den gewünschten Erfolg. „Beim KOD sagte man, dass die Mitarbeiter mindestens eine halbe Stunde bräuchten, ehe sie am Hauptbahnhof seien, weshalb ich bei der Polizei anrufen sollte.“ Dort wiederum sei Pastor gesagt worden, dass der KOD zuständig sei und dass sie für den Mann im Rollstuhl ja den Rettungsdienst anrufen könne. Pastor hat schließlich selbst dafür gesorgt, dass die Eingänge wieder frei wurden. Das gelte im Übrigen auch für den Seiteneingang, der als Fluchtweg gekennzeichnet sei, aber oft durch die Habseligkeiten der Menschen blockiert werde. Die Situation findet Pastor „ungeheuerlich“.

Die Vereinsverantwortliche hat ein grundsätzliches Problem rund um den Hauptbahnhof ausgemacht: „Fährt der KOD auf dem Bahnhofsvorplatz oder dem Willy-Brandt-Platz vor, laufen die Menschen ins Bahnhofsinnere, wo der KOD nicht mehr zuständig ist.“ Das Sicherheitspersonal der Bahn aber sei nur selten zu sehen. Ein Katz-und-Maus-Spiel also – mit dem bislang besseren Ende für die obdachlosen Menschen?

 Zwischen Baucontainern und Hauptbahnhof-Gebäude bilden sich häufig Gruppen mit Mitgliedern der „Szene“ – zum Ärger von Anrainern und Pendlern.

Zwischen Baucontainern und Hauptbahnhof-Gebäude bilden sich häufig Gruppen mit Mitgliedern der „Szene“ – zum Ärger von Anrainern und Pendlern.

Foto: Dirk Jochmann

Die Stadt bewertet die Situation rund um den Hauptbahnhof als „herausfordernd“. Es sei ein Anliegen aller Beteiligten, die Situation dort nachhaltig und kontinuierlich zu verbessern. „Dazu sind verstärkte Präventions- und gegebenenfalls auch Sanktionsmaßnahmen, soziale Angebote und eine intensive Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure notwendig“, erklärt Stadtsprecher Sebastian Peters. Der KOD bestreife den Bereich um den Hauptbahnhof als Schwerpunkt mehrmals täglich. Zudem sei eine mobile Wache eingerichtet worden.

Dass die geschilderten Zustände längst nicht nur den TC Seidenstadt betreffen, ist auch innerhalb der Verwaltung bekannt.

Parkhaus am Hauptbahnhof
ist inzwischen abgeriegelt

Schon im Oktober vergangenen Jahres hatte sie auf die Innen- und Außenbereiche des angrenzenden Parkhauses, das vor allem von Hotel- und Kinogästen genutzt wird, verwiesen. Dort hat die zuständige Katema Gebäudemanagement Verwaltungs-GmbH inzwischen Maßnahmen ergriffen, „um das Parkhaus kundenfreundlicher zu gestalten“, erklärt Geschäftsführerin Katja Köser vorsichtig. Heißt im Klartext: Die Sicherheitsmaßnahmen wurden verstärkt. Wer ohne Auto ins Parkhaus will, benötigt ein Parkticket. Nur mit dem lassen sich die Türen öffnen. Benutzer des Parkhauses finden entsprechende Hinweise an allen Ein- und Ausgängen und können außerdem lesen, dass es sich um eine Testphase handelt. Die bezieht sich aber nur auf die Funktionalität des Einlasssystems, das seit einem Stromausfall, der in Folge des Haltestellenumbaus aufgetreten sei, nicht immer reibungslos funktioniert habe. „Das neue System mit den Rolltoren wird dauerhaft im Einsatz bleiben“, macht Köser deutlich. Schon länger sei das Parkhaus gerne als eine Art Durchgang genutzt worden – auch von Jugendlichen, die teils Shisha-rauchend auf den Parkdecks gefunden worden seien.

Obdachlose hätten es sich ebenfalls im Parkhaus gemütlich gemacht. „Wir sind schon vor einiger Zeit mit dem Büro des Oberbürgermeisters in Kontakt getreten und hoffen diesbezüglich immer wieder auf Unterstützung“, sagt Köser. Der KOD laufe vermehrt in der Gegend Streife. Und auch die Zusammenarbeit mit der Polizei, die an der Hansastraße sitzt, funktioniere gut. Den Beamten ist die Problematik rund um den Hauptbahnhof bekannt. „Wir gehen gemeinsam mit dem KOD und der Bundespolizei im Rahmen unserer gesetzlichen Möglichkeiten dagegen vor“, erklärt Polizeipressesprecher Bernd Klein. Originär sei der KOD für Ordnungsstörungen zuständig, die Polizei unterstütze nur. Klein und Peters betonen die gute und enge Zusammenarbeit mit allen Verantwortlichen – auch mit denen der Deutschen Bahn. Die sagt, sie habe ihre Präsenz am Hauptbahnhof zuletzt erhöht. „Mitarbeiter der DB Sicherheit bestreifen den Bahnhof inzwischen noch häufiger“, erklärt ein Bahnsprecher. Zudem werde das Areal inzwischen täglich gereinigt. Zur Steigerung der Sicherheit sei der Hauptbahnhof darüber hinaus seit vergangenem Jahr mit moderner Videotechnik ausgestattet – gefördert vom Land Nordrhein-Westfalen.

Die Diakonie Krefeld und Viersen, die an Gleis 1 mit der Bahnhofsmission eine Anlaufstelle für obdachlose Menschen anbietet, will im Hauptbahnhof ebenfalls verstärkt wirken. In Zukunft sollen die Mitarbeiter der Bahnhofsmission noch präsenter und als Ansprechpartner für alle Menschen wahrgenommen werden, erklärt Diakonie-Sprecher Karsten Ludwig. Über die Neuausrichtung will die Diakonie in Kürze noch detaillierter informieren. » S. 16

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