Krefeld: Dr. Pop begeistert mit seinem Programm Besucher im Südbahnhof

Popmusik : Für jede Lebenssituation den passenden Hit

Musik als Therapie, verpackt in Stand-up-Comedy: Das Konzept des Künstlers Dr. Pop ist im Südbahnhof glänzend angekommen.

Einen Doktortitel in Popmusik hat nicht jeder. Und schon gar nicht verfallen derartige Musikexperten auf die Idee, ein komödiantisches Solo-Live-Programm zu starten und das Publikum musikalisch zu therapieren.

Markus Henrik aus Bochum-Wattenscheid macht dies mit großem Erfolg, indem er ausgesprochen amüsant Wissen vermittelt und für jede Lebenssituation den passenden Hit auf seinem Sample-Pad parat hat, gleich, ob Hip-Hop, Rock, Pop, Schlager oder Klassik.

Am Freitag eroberte er in kürzester Zeit das sachkundige Publikum, das aus der ganzen Region zum Südbahnhof angereist war. In seinem Programm „Hitverdächtig“ entschlüsselt Dr. Pop nicht nur die Musik, sondern auch die Geheimnisse unserer Hörgewohnheiten. Diese ungewöhnliche Art der Musikvermittlung traf ins Herz des Publikums.

Der Funke sprang von Beginn der Musik-Comedy-Stand-up-Show über. Nicht zuletzt, weil der Comedian sofort Zugang zu seinen Zuhörern fand, sie zum Mitmachen animierte und gute Laune verbreitete. So entpuppte sich Besucher Christopher als studierter Musikjournalist und kongenialer Stichwortgeber. Auch bei den anderen ausgewählten Kandidaten aus dem Publikum bewies Dr. Pop ein gutes Händchen. So ging er auf die verschiedenen Generationen ein und fragte gerade volljährig Besucherinnen, ob sie mit den Backstreet Boys etwas anfangen können. „Gott sei Dank“, sage er und atmete erleichtert auf, nachdem diese genickt hatten. So musste er seine musikalischen Streifzüge durch mehrere Jahrzehnte nicht erklären.

Erstaunlich war, dass er auf seinem Sample-Pad mit vielen bunten Tasten hunderte von Songs gespeichert hat. Wie er sich merken kann, hinter welchen Tasten sich welcher Titel verbirgt, wurde er gefragt – zumal er gestanden hatte, farbenblind zu sein. „Ich merke mir das nach dem System eines Schachbretts.“

So führte er die Zuhörer durch die abwechslungsreichen Genres der Musik von Klassik wie Beethovens Neunte über Rock und Schlager bis zum Gangster-Rap. Die Gäste lernten viel über Musikhistorie und, dass jede Generation ihren Schmusesänger hat, wie Luis Fonsis (Despacito) oder Julio Iglesias, der seine Lieder geweint habe. Und er animierte das Publikum zum Mitweinen.

Ein Refrain muss im Pop
nach 29 Sekunden erfolgen

Mitgenommen wurde auch, dass die Musik beim Pop übereinandergeschichtet wird, etwa beim Song Come On der australischen Songwriterin Sia, und warum ein Refrain spätestens nach 29 Sekunden erfolgen muss. Und dass die Beatles in England unter Hochkultur laufen, vergleichbar zu Beethoven in Deutschland.

Dann spielte er vor, wie sich Donovans Catch the Wind heute — mit Beats angereichert — anhören würde. Seine Erkenntnisse sind oft verblüffend wie auch von Humor geprägt. So habe er gelernt, dass sich Termiten doppelt so schnell durch das Holz bohren, wenn sie Heavy Metal hören. Und dass Ed Sheerans Hit „Mmmh“ geklaut ist und der Melodie von „Mer losse d‘r Dom in Kölle“ folgt. Und „Under Pressure“ von Queen empfahl er als geeignete Unterstützung beim Toilettenbesuch. Einen Volltreffer landet er mit einem Einspieler von Tieren, die sich zur Musik bewegen.

Dr. Pop ist bei seinen Ausflügen in die Popmusik kein Schönredner und verhehlt keineswegs seine Meinung zu musikalischen Neigungen und Inhalten sowie zur Musikindustrie. Speziell die Textinhalte vieler Interpreten bedenkt er mit beißendem Spott. Zum Beispiel Trashstar Michael Wendler (Wenn die Feuermelder brennen) und Krefelds Schlagerexport Andrea Berg (Du hast mich tausend Mal belogen — aber ich würde mich wieder darauf einlassen).

Bei Andreas Gabalier platzt ihm sogar der Kragen: Dieser sei „ein homophober, reaktionärer Volltrottel“. Da lobe er sich Herbert Grönemeyer — ein Antityp zu Gabalier.

Für völlig geistfrei hält er den Gangster-Rap (Meine Mutter ist mir bekannt, denn sie ist mit mir verwandt). Dass er nicht nur elektronisch musizieren kann, beweist er mit Einlagen an Klavier und Gitarre und verabschiedet sich unter Riesenapplaus:

„Ich war zum ersten Mal in Krefeld, aber ich komme bestimmt wieder.“