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Krefeld: Die Vision eines Supermarktes in Traar

Traar : 14 Millionen Euro für Supermarkt in Traar

Heiner Kempken will am Standort am Festplatz Traar investieren. Sein Angebot an die Stadt hat er abgegeben.

Heiner Kempken ist vorbereitet. Der Betreiber von sieben Edeka-Einkaufsmärkten in Krefeld mit insgesamt 335 Mitarbeitern und 35 Auszubildenden möchte am Festplatz Traar einen neuen modernen, 1600 Quadratmeter großen Supermarkt bauen und betreiben. Mit 28 000 Artikeln im Sortiment. Rund 14 Millionen Euro würde er dafür investieren, wenn er den Zuschlag von der Stadt Krefeld kriegt.

Die hatte im vergangenen Herbst ein offenes Bieterverfahren für die im Bebauungsplan Nr. 721 geplante und erwünschte Nahversorgung durchgeführt. Der Abgabetermin bei der Stadt dafür war der 6. Dezember 2019. Durch die ausgebrochene Corona-Pandemie steht aber derzeit vieles still und die zuständigen politischen Gremien haben Zwangspause.

Die Stadt gibt zahlreiche Details im Bebauungsplan vor

Bei Heiner Kempken steht das Telefon im Moment nicht still. Als Gesprächspartner ist er derzeit bei Presse, Fernsehen und Rundfunk gefragt. Und ja, auch in seinem Geschäften ist das Toilettenpapier ruckzuck ausverkauft. „Allein 100 000 Kunden haben wir vor zwei Wochen zu Beginn der verschärften Maßnahmen allein in unseren Läden gezählt“, berichtet er. Dennoch nimmt er sich anderthalb Stunden Zeit, um unserer Redaktion die Pläne für den neuen Supermarkt in Traar vorzustellen. Die Stadt will das 8000 Quadratmeter große Grundstück für die Ansiedlung des Nahversorgers verkaufen und gibt im Rahmen des Bebauungsplans zahlreiche Details vor. Das Krefelder Architektenbüro Schwittmann + Bertrams hat die Konzeptplanung erarbeitet.

„Der anderthalbgeschossige Neubau muss sich in die ökologisch hochwertige Landschaft einfügen“, zitiert Kempken aus der Ausschreibung. Überwiegend mit dunklen Keramikziegeln verkleidet, öffnet sich auf dem Papier das Gebäude an der Eingangsseite zur Moerser Landstraße hin mit einem gläsernen Turm und einer Glasfront. Die anderen Wände sollen ebenso mit Gräsern und Kräutern begrünt werden wie 80 Prozent des Daches. Ein Imker habe sich schon angemeldet für den neuen Standort.

Weil es ein Eingriff in eine ökologisch wertvolle Landschaft sei, verlangt die Stadt das Anlegen einer Streuobst-Wiese, das Pflanzen von einheimischen Sträuchern als 80 Zentimeter hohe Hecke um das Gelände und das Setzen von heimischen Laubbäumen auf dem für 85 Autos ausgelegten Parkplatz, inklusive sechs Stellplätze für Personen mit Handicap. „Auch Ladestellplätze für Kunden mit Elektrofahrzeugen sind vorgesehen“, erzählt Kempken. Damit will die Stadt schon maßgebliche Vorgaben des künftigen Klimaschutzkonzeptes für Krefeld umsetzen.

Bei der politischen Diskussion um den Standort in den vergangenen Jahren ist immer wieder auf mögliche Verkehrsbehinderungen durch den zusätzlichen Autoverkehr hingewiesen worden. „Um Konfliktpotential hinsichtlich der gegenüber liegenden Straßeneinmündung, der Lage der Bushaltestelle und des Besucherandrangs der nahen Eisdiele vorwiegend im Sommer zu vermeiden, wurde die nördlich liegende Option der Einfahrt gewählt“, erklärt Kempken die Planung. Die Kosten für den gesamten Straßenausbau hat er zu übernehmen.

Auch eine zusätzliche Anbindung der Eisdiele an das neue Gebäude ist für ihn laut Konzept vorstellbar. Ebenso wie die Ausweitung des Wochenmarktes auf den neuen Parkplatz des Supermarktes. „Dadurch könnte der Markt für die Traarer attraktiver werden.“ An dem Standort will er auch durch eine zusätzliche Halle für das Beladen der Fahrzeuge den Lieferservice für Senioren in Krefeld weiter ausbauen. Derzeit bekommen 80 bis 90 Haushalte ihren Einkauf direkt nach Hause gebracht. Doch die Kapazität ist begrenzt.

Energetisch setzt Kempken auf moderne Technik. „Es entsteht ein Gebäude, das im Regelbetrieb keine Heizwärmeerzeugung erfordert, also die Zuführung von fossiler Verbrennungswärme überflüssig werden lässt. Der Wärmehaushalt soll mit Wärmerückgewinnung der technischen Betriebseinrichtungen gespeist werden.“

Auch für seinen bisherigen Supermarkt an der Moerser Landstraße 345 in Traar hätte er weiterhin Verwendung. Mit 640 Quadratmetern Fläche sei er zu klein für das heutige, von den Kunden gewünschte Vollsortiment. Kempken kann sich dort aber einen Getränkefachmarkt vorstellen. „Dadurch wären die Geschäfte und Dienstleister zwischen dem neuen und dem alten Standort auch weiterhin gut frequentiert“, wirbt Kempken für das Vorhaben.

Anderthalb Jahre bräuchte er vom Zuschlag der Stadt ab, um seine Pläne in die Tat umzusetzen. Ein Beschluss zu dem Grundstücksgeschäft ist bislang für den jeweils nicht-öffentlichen Teil im Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften am 28. April und den Hauptausschuss am 7. Mai vorgesehen. „Ob die Gremien zu diesem Zeitpunkt ordnungsgemäß wieder tagen können oder die Entscheidung auf einem alternativen Weg herbeigeführt werden wird, ist derzeit noch nicht bekannt“, sagt Stadtsprecher Dirk Senger auf Nachfrage.