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Krefeld: Die Alltags-Helfer aus dem Café

Engagement : Die Alltags-Helfer aus dem Café

Das Café Chance unterstützt schwer erreichbare Jugendliche bei der Bewältigung des Lebens und ihrer Probleme.

Sie leben außerhalb der Familien, schlafen bei Freunden, sind mal hier und mal dort anzutreffen, haben wenig bis gar kein Geld, keine Arbeit und kein eigenes Dach über dem Kopf. Dennoch sollen sie nicht durchs Raster fallen. Sie sollen nicht irgendwann auf der Straße landen, sondern über eine Art Steigbügel den Weg ins normale Leben finden.

Die Rede ist von den sogenannten „schwer erreichbaren Jugendlichen“, die im Café Chance an der Ritterstraße und an der Rheinstraße eine Anlaufstelle finden können. Dort können die 18 bis 25-Jährigen ihre Probleme besprechen, Beratung erfahren und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Ein Jugendzentrum und eine Beratungsstelle in einem. Hilfe finden, das Leben in den Griff zu bekommen. Das ist jedoch für manchen leichter gesagt als getan. Die Nachfrage des Angebots für die jungen Erwachsenen in Krefeld steigt. Die Cafés sind eine Kooperation des Jobcenters, das die Maßnahme ausgeschrieben hat, finanziert und die Teilnehmer an die Einrichtung heranführt. Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland mit seinem Berufsbildungswerk Niederrhein (CJD BBW) hat den Zuschlag erhalten und betreibt die beiden Krefelder Cafés nun als eines seiner Projekte.

Regelmäßige Treffen sind für die Sozialarbeiter die Basis für Erfolg

„Wir wollten für diese Personen einen niederschwelligen Einstieg schaffen“, sagt Eric Cebula, Teamleiter für Fallmanagement im Bereich U 25 des Jobcenters: „Wir haben es als Behörde nicht leicht, an einige dieser Jugendliche heranzukommen. Es gibt da viele Vorurteile.“ Der erste Eindruck zählt. Das weiß auch Lars Lauerwald, der als Servicekraft im Café Chance Südstadt an der Ritterstraße arbeitet. Er bereitet das Essen zu, sorgt für die Sauberkeit in den Räumlichkeiten, aber noch vieles mehr: „Er ist der Dreh- und Angelpunkt, die gute Seele, die erste Person, auf den die Jugendlichen treffen. Ein Menschenfreund“, sagt Sozialpädagogin Tatjana Berner, die mit ihrer Kollegin Corinna Olk die jungen Menschen berät und darin unterstützt, den Alltag zu meistern. Die Chemie muss gleich stimmen, denn es ist ohnehin nicht einfach, zu manchen Teilnehmern eine Beziehung aufzubauen.

Ein erster Schritt ist gemacht, wenn die jungen Männer und Frauen überhaupt erst einmal an die Mitarbeiter „andocken“. Verlässlichkeit ist ein hohes Gut. Regelmäßige Treffen sind für die Sozialarbeiter die Basis für einen späteren Erfolg. „Man lernt in unserer Arbeit, dass die Dinge Zeit brauchen“, sagt Tatjana Berner: „Wenn es jemand schafft, seine persönlichen Angelegenheiten besser zu sortieren oder seine existenziellen Nöte zu bearbeiten, dann ist das für uns schon ein Erfolg.“ Es gehe oft um ein Bewusstsein für die eigenen Schwierigkeiten. Man müsse eben kleinschrittig denken, fügt Corinna Olk an: „Es geht darum, Vertrauen aufzubauen und regelmäßigen Kontakt. Wir nehmen die Jugendlichen so, wie sie sind.“

Durch die Corona-Pandemie ist die Arbeit zunehmend erschwert. Die Abstände, die Kontaktbeschränkung. Essen gibt es jetzt zum Mitnehmen an der Tür. Das Café, der Ort der Zusammenkunft, ist aktuell offiziell geschlossen. Kein Tischfußball, kein Billard, keine Dusche, keine Waschmaschine wie vor der Pandemie. Berner und Olk müssen dennoch weiter in Kontakt bleiben mit den Teilnehmern. Einzelgespräche werden nun vereinbart. Hausbesuche stehen an oder Spaziergänge. Dazu wird kommuniziert in den Chats der sozialen Netzwerke.

Eines ist klar: Durch das veränderte Leben in der Pandemie kommen auch vermehrt Themen wie Einsamkeit auf die Tagesordnung, zum Beispiel psychische Belastungen, aber auch eine gewisse Corona-Müdigkeit. Andere Teilnehmer zeigen sich renitent gegen die Maskenpflicht und Vorschriften und kassierten schon Bußgelder, die sie gar nicht bezahlen können. Berner und Olk schreiben viele Berichte, sie dokumentieren alles für das Jobcenter.

Ob Schuldnerberatung, Jugendgerichte, Psychotherapeuten oder Vermieter – die Sozialpädagoginnen im Café Chance greifen immer auch auf ihr breites Helfer-Netzwerk zurück, um mitzuhelfen, den Alltag der Teilnehmer zu erleichtern. „Wir sind mit der Arbeit beider Cafés zufrieden. Das Drumherum ist durch Corona natürlich derzeit erschwert“, fasst Eric Cebula vom Jobcenter die ersten Monate zusammen.