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Krefeld: Der lange Kampf für schöne Schaufenster

Einzelhandel in Uerdingen : Der lange Kampf für schöne Schaufenster

Seit 2016 versucht Karl-Heinz Eiberg die Uerdinger Fußgängerzone lebendig zu gestalten und Leerstände zu verhindern. Mit dem Trend vergangener Jahre zeigt er sich zufrieden.

Karl-Heinz Eiberg hält an einem Schaufenster. Er blickt in eine Sammlung bunter Herzen. Kleine Werke von Künstlern, die hinter den Scheiben an der Niederstraße in der Uerdinger Fußgängerzone zu sehen sind. Oder gegenüber: Dort wirbt nun der Uerdinger Ruderclub für sich mit Paddeln und Plakaten.

Das ist auch sein Verdienst. Der Rentner ist seit vier Jahren mit seiner Aktion „Uerdinger Schaufenster“ dabei, die Leerstände entlang der Einkaufsmeile aufzuhübschen, die Straßenzüge wieder optisch zu beleben. „Ich bin sicher, dass man Uerdingen richtig schön machen kann“, sagt er.

Sein Zwischenfazit: „Mit dem Trend der letzten drei Jahre bin ich zufrieden. Da, wo wir die Optik gepflegt haben, kam der Erfolg“, findet er. Die Vermietung oder der Verkauf seien dann besser gelaufen, wenn auch erst nach sechs bis 18 Monaten. Als er vor vier Jahren begann, gab es etwa 20 Leerstände entlang der Uerdinger Flaniermeilen. Jetzt seien es noch zwölf. Es ist ein langer Kampf. So sieht es auch Eiberg. Vor allem an der Oberstraße standen viele Läden viele Jahre leer.

Eiberg kämpft vor allem gegen Bilder und Eindrücke des Abstiegs und Niedergangs, führt an diesem Morgen durch Ober- und Niederstraße. Vor allem Erstere hat Probleme mit Händlern und leeren Räumlichkeiten, nicht erst seit Corona. Dort ist an diesem Morgen wesentlich weniger Laufkundschaft unterwegs als 100 Meter weiter an der Niederstraße. An einem verlassenen Schaufenster an der Alten Krefelder Straße wischt Eiberg erst einmal Spinnweben und Schmutz von einer Kante. „Es ist für mich das schönste Erlebnis, wenn wir das beseitigen können.“ Er meint den Leerstand.

Im April 2016, vor vier Jahren, hatte Karl-Heinz Eiberg angefangen, sich um die Problematik zu kümmern. Er schrieb die Eigentümer und Vermieter an. 30 Briefe verschickte er. Zwei Antworten kamen zurück. „In Uerdingen sind es oft ältere Menschen, die oberhalb der Läden wohnen und nicht mehr wollen, dass unten vermietet wird“, sagt er: „Und Döner-Buden oder Shisha-Bars will ja auch nicht jeder hier haben.“

Seine Aktion ist ein Projekt des Verfügungsfonds im Stadtumbau Uerdingen. Unterstützt wird sie auch aus Mitteln der Städtebauförderung. Für manche Sanierungen gab es schon Landesgelder an das Quartier. Bei seinen Kosten bekommt auch er etwas Hilfe, gerade für das Büro- und Dekorationsmaterial, das er verwendet. Eiberg ist nicht allein. Seine Frau wie auch seine Schwiegersöhne und befreundete Handwerker griffen ihm schon unter die Arme. Und da sind natürlich mehr als 40 Künstler, die die leeren Schaufenster geschmückt haben – nicht nur mit Herzen. Andernorts sieht man auch mal Musikinstrumente wie Gitarren und Keyboards oder Mikrofone hinter der Scheibe.

Reine Fassade. Was aussieht wie ein Geschäft, ist nur eine Verschönerung. 15 Objekte sind in der Zeit schon dekoriert worden. Alle zwei Monate wird die Ausgestaltung gewechselt. So  sind immer Bewegung und Veränderung zu sehen.

Eiberg will den Einzelhändlern Hoffnung geben

„Wer will schon in einer heruntergekommenen Stadt leben?“, fragt er. Das Umfeld der Geschäfte sei enorm wichtig. Er, der im Jahr 1979 aus Hannover nach Krefeld kam, weiß offensichtlich, wovon er spricht: Er ist elf Jahre lang selbst Einzelhändler gewesen. Krefeld habe ihm damals beim Auftakt in der Stadt viel gegeben. Jetzt wolle er zurückzahlen. „Mein Ansinnen ist es, den Einzelkämpfern zu helfen, ihnen Hoffnung geben. Sie sind nicht alleine.“

Die Einzelkämpfer, das sind für ihn die Einzelhändler und Unternehmer, die in ihrer Nachbarschaft teils leere Schaufenster vorfinden. Es sieht nicht einladend aus. Kauflaune kommt da nicht unbedingt auf. Gegen solche Eindrücke kämpft Eiberg, jetzt auch vor allem in der Corona-Zeit mit all den wirtschaftlichen Folgen: „Die Leute wollen durch das Bild der Stadt ja nicht noch mehr deprimiert werden.“

Als er vor mittlerweile über 40 Jahren nach Krefeld kam und dann im Einzelhandel arbeitete, da waren Ladenschließungen nach seiner Angabe eher die Ausnahme: „Das waren noch goldene Zeiten“, sagt er. Aber das ist lange her. Doch Eiberg blickt nach vorne: „Da wird noch viel Arbeit auf uns zukommen.“