Krefeld: Der Hafen will die Region stärker über Schienen anbinden

Wirtschaft : Der Hafen will die Region stärker über Schienen anbinden

Die finanziell gut aufgestellte Gesellschaft setzt mit dem neuen Geschäftsführer Christoph Carnol auf die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit. Straße, Schiene und Wasser sollen intelligent miteinander verknüpft werden.

Mehr Güter von der Straße auf die Schiene oder das Wasser holen, das ist eines der erklärten Ziele der Verantwortlichen des Rheinhafens Krefeld. „Wir wollen die Region wieder verstärkt an unser Schienennetz anbinden, nicht nur die Unternehmen in unserem Hafengebiet, sondern auch die in den vielen Gewerbe- und Industriegebieten am Niederrhein, die bahntechnisch direkt oder indirekt angebunden sind oder noch angebunden werden können“, kündigt Christoph Carnol an, der vor vier Monaten die Nachfolge von Sascha Odermatt als Sprecher der Geschäftsführung gemeinsam mit seiner Kollegin Elisabeth Lehnen übernahm.

Und damit will sich die städtische Gesellschaft nicht nur wirtschaftlich breiter aufstellen, sondern auch verstärkt die Aspekte Ökologie und Nachhaltigkeit in den Blick nehmen. „Der Lastwagen an sich wird weiter existieren, es wird weiter Verteilzentren geben und es ist klar, Globalisierung und Gütertransport werden weiter zunehmen,“, sagt der 53-Jährige. „Aber die Frage ist, wie kann man Straße, Schiene und Wasser intelligent miteinander verknüpfen. Das ist auch unsere Sache, das optimal zu steuern.“

Für die Zukunft sieht Carnol den Krefelder Hafen gut gerüstet: als sogenannter trimodaler Standort, also mit Zugang zu eben diesen drei Verkehrsträgern Straße, Schiene, Wasser. „Es gibt wenig Häfen, wo das schon so optimal gelebt wird“, urteilt der Geschäftsführer. Vor allem eine weitere Säule neben dem Hafen- und Eisenbahnbetrieb sorgt dabei laut Carnol und Lehnen für Stabilität: die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe. Die Immobiliensparte mit ihren Erlösen aus den Erbpachtverträgen ist im Gegensatz zum Transport und Warenumschlag von Stückgut, Schüttgut, von Schrott und Getreide, von Chemie und vielem mehr nicht abhängig von Branchen und ihren Konjunkturent­wicklungen.

Und so gehen die Bilanzzahlen für 2019 von einem Gewinn auf dem Niveau der Vorjahre aus – als er bei rund 1,3 Millionen Euro lag. Die umgeschlagenen Mengen sind sogar noch weiter gestiegen (siehe Kasten). Das 2019 ausgegeben Ziel innerhalb von fünf Jahren beim Geschäftsergebnis die Zwei-Millionen-Euro-Marke zu knacken, gelte auch weiterhin, heißt es von den Geschäftsführern. Gleichzeitig möchten die beiden in Infrastruktur, Equipment, Digitalisierung und Personal investieren. Und dabei fällt bei den beiden Hafen-Verantwortlichen immer wieder das Stichwort Nachhaltigkeit.

Das betrifft zum Beispiel die eigenen Lokomotiven im Regionalbetrieb. „Die Diesellok ist zwar weiterhin alternativlos. Aber wir sind in Gesprächen. Sobald die richtige Technik, die wohl in Richtung Hybridbetrieb geht, auf dem Markt ist, möchten wir gerne Alternativen nutzen“, stellt Carnol in Aussicht. Einerseits gebe es bei den Kunden, ob bei Konzernen oder im Mittelstand, „immer mehr Umdenken in Sachen Nachhaltigkeit – und dabei schauen die Unternehmen auch auf die Lieferanten und Dienstleister wie uns“. Aber das sei nicht der eigentliche Grund für die eigenen Pläne, betont der 53-Jährige. „Wir machen das nicht, weil es jemand fordert, sondern weil wir überzeugt sind, dass das der richtige Weg ist.“ So sitzen Krefelder Hafenvertreter unter anderem in Arbeitskreisen für Binnenschifffahrt, in denen die Verwendung hybridbetriebener Binnenschiffe Thema ist.

Ganz konkret sind im Rheinhafen bisher beispielsweise energieeffizientere Heizungsanlagen im Werkstattbereich eingesetzt oder der komplette Bahnhofsbereich auf LED-Lampen umgestellt worden, die sparsamer, langlebiger und heller sind – und durch Letzteres für die Rangierer mehr Arbeitssicherheit bringen und die vorgeschriebenen Waggonkontrollen erleichtern.

Zu den geplanten Investitionen in Sachen Digitalisierung gehört unter anderem, die hafen-eigenen Loks – offiziell Triebfahrzeuge genannt – aufzurüsten. Damit können die Triebfahrzeugführer, die auch in der Region unterwegs sind, in Echtzeit rückmelden, welche Fahraufträge erledigt sind und wann sie wieder einsetzbar wären.

Apropos Lokführer: Derzeit sind es laut Elisabeth Lehnen 15 – „plus Innendienst-Mitarbeiter, die über die entsprechende Qualifikation verfügen“. Und damit ist der Hafen „auf Plan“, wie sie es formuliert. Aber es sei ein unbeständiger Markt. „In der Branche gibt es deshalb Abwerbungsversuche.“ Im Wettbewerb um Fachkräfte wie diese, um Disponenten, Ingenieure, Bauplaner oder Gleisplaner wollen Carnol und Lehnen eine „Firmenkultur eines mittelständischen Unternehmens“ festigen und die Attraktivität als Arbeitgeber steigern: Für die derzeit 65 Mitarbeiter heißen die Schlagworte dabei unter anderem Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Homeoffice, Gesundheitsmanagement. Carnol: „Es gibt ja nur zwei Wege, entweder man lamentiert oder man nimmt die Geschicke in die eigene Hand.“