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Krefeld: Der Alternative Nobelpreis geht an Nasrin Sotoudeh

Engagement : Der Alternative Nobelpreis geht an Nasrin Sotoudeh

Amnesty International in Krefeld kämpft für Freilassung der Iranerin.

Für die Krefelder Gruppe von Amnesty International ist die Verleihung des Alternativen Nobelpreises an Nasrin Sotoudeh Bestätigung und Hoffnung zugleich. Seit zehn Jahren kämpft sie für die Freilassung der 57-jährigen iranischen Rechtsanwältin, die im berüchtigten Teheraner Evin Gefängnis eine 38-jährige Haftstrafe verbüßt.

Der Preis wird jedes Jahr an Menschen verliehen, die sich dafür einsetzen, die Welt besser zu machen. „Wir erkennen durch die Auszeichnung, dass die Öffentlichkeit aufmerksamer geworden ist auf die Vorgänge im Iran und anderen Ländern“, erklärt Jutta Koebernick von Amnesty International in Krefeld. „Vor allem Sotoudeh ist immer furchtlos an die Öffentlichkeit gegangen.“

Auf jeden Fall würden die Krefelder weiter für die Frau kämpfen, in der Hoffnung, dass es dazu führt, dass sie freigelassen wird. „Wir glauben aber kaum daran.“ Koebernick: „Wir haben Berichte von Nasrin Sotoudeh im TV gesehen und in der Zeitung gelesen. Seit ihrer ersten Verhaftung 2010 verfolgen wir ihr Schicksal, kämpfen für die Freilassung dieser unschuldigen politischen Gefangenen.“

Die Krefelder Amnesty-Gruppe führte seit 2012 zahlreiche Aktionen durch. Koebernick: „Wir haben auf dem Neumarkt oder der Hochstraße Petitionslisten an Infoständen ausgelegt, um damit im Iran um ihre Freilassung zu bitten. Manchmal unterzeichneten 50 bis 60 Menschen an einem Tag.“ Eine Million Unterschriften seien bis 2019 zusammengekommen.

Viel beachtete Ausstellung
in der Volkshochschule

Die pensionierte Lehrerin Koebernick hat zudem viele Briefe geschrieben. An deutsche Abgeordnete und Außenminister, an Anwaltsverbände in Deutschland und explizit in Krefeld.

Nasrin Sotoudeh, iranische Anwältin, wurde ausgezeichnet. Foto: dpa/Behrouz Mehri

Im Jahr 2013 fand die viel beachtete Ausstellung „Irans Herz schlägt“ in der Volkshochschule statt. In der Ausstellung wurden Lebensläufe und Porträts iranischer Menschenrechtsverteidigerinnen gezeigt; auch von Nasrin Sotoudeh. Die Anwältin setzte sich stets für die Einhaltung der Menschenrechte ein. Koebernick: „Sie verteidigte minderjährige, zum Tode verurteilte Häftlinge und politische Gefangene, kämpfte für Frauenrechte, indem sie beispielsweise der Kampagne der iranischen Frauenbewegung ,1 Million Signatures’ beitrat, öffentlich gegen den Kopftuchzwang und die Diskriminierung der Frauen auftrat.“

Als Begründung für ihre Verhaftung 2010 und das Urteil 2011 seien „Propaganda gegen den Staat“ und „Gefährdung der Sicherheit Irans“ angegeben worden, berichtet Koebernick weiter. Die Situation der Inhaftierten spitzte sich durch die Covid-Pandemie zu: Sotoudeh forderte die Regierung wiederholt auf, alle politischen Gefangenen zu entlassen, um sie so vor Infektionen in den Haftanstalten zu schützen, trat in einen unbefristeten Hungerstreik. Koebernick: „Starker Gewichtsverlust und zunehmende Herzprobleme führten dazu, dass sie im September in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Nach vier Tagen wurde sie wieder ins Gefängnis zurückverlegt mit der medizinischen Information, dass eine Behandlung ihrer Herzprobleme dringend erforderlich sei. Diese Behandlung erfolgte jedoch bislang nicht, und Sotoudeh beendete ihren Hungerstreik Ende September.“

Die Weltöffentlichkeit sei durch den Hungerstreik und durch die Verleihung des Alternativen Nobelpreises auf das Schicksal der Anwältin und die unmenschlichen Bedingungen der politischen Gefangenen in den iranischen Gefängnissen aufmerksam gemacht worden, sagt Koebernick. „Die Aktivisten von Amnesty International werden nicht nachlassen in ihren Forderungen nach Freilassung von Nasrin Sotoudeh.“