Krefeld: Denkmal an der Neusser Straße ist digital erfasst worden

Altes Stadtbad Neusser Straße : Ab sofort gibt’s 3D-Touren durchs alte Stadtbad

Der Verein Freischwimmer hat mit Hilfe von Karsten Schnölzer den Ist-Zustand des Denkmals digital erfasst. Doch auch ganz analoge Projekte werden derzeit umgesetzt.

Wenn Katrin Mevißen und Marcel Beging von den Krefelder „Freischwimmern“ Ideen zur Belebung und neuen Nutzung des alten Stadtbads an der Neusser Straße erläutern, kann man als Vertreter der Presse schnell ein wenig den Überblick verlieren. In dem 160 Mitglieder zählenden Verein arbeiten schließlich viele kreative Köpfe zusammen, entsprechend vielseitig sind die Vorstellungen davon, was auf dem riesigen Gelände passieren könnte. Zur Entwicklung von noch mehr Ideen können ab sofort 3D-Touren durch die schier endlosen Gänge und Hallen des seit fast 20 Jahren leer stehenden Denkmals unternommen werden.

Mehr als 7000 Scan-Punkte wurden benötigt

Für den neuen Projektpartner Karsten Schnölzer von der Moerser Firma Solidground Media – Freischwimmer-Fotofachmann Rainer Moll hatte den Kontakt herstellt – stellte das Stadtbad eine ganz neue Herausforderung dar. Auf dreidimensionale Darstellungen von Gebäuden wie das Grafschafter Museum im Moerser Schloss ist er zwar spezialisiert, doch Dimensionen wie an der Neusser Straße hatte er nicht erwartet. „Ich bin hier schon 1000-mal vorbei gegangen und ahnte nicht, wie groß das Stadtbad ist.“ Über 7000 Scan-Punkte benötigte er für die 3D-Darstellung der verwinkelten 8000 Quadratmeter – im Moerser Schloss waren es nur 400.

„Insgesamt habe ich hier im September eineinhalb Tage mit den Aufnahmen verbracht“, berichtet Schnölzer. Die Kamera auf einem Stativ war dabei mit einem iPad verbunden – „zeitweise befürchtete ich schon, das Tablet stürzt mir wegen der Datenmengen während der Aufnahmen ab“. Etage für Etage, Gang für Gang und Raum für Raum wurde so der Ist-Zustand des Stadtbads digital festgehalten. Bis hinunter in die finstersten Katakomben des Hauses führten seine Wege.

Ab der kommenden Woche wollen die Freischwimmer das Ergebnis auch auf ihrer Homepage (www.freischwimmer-krefeld.de) sichtbar machen: Eine erste virtuelle Tour führt dann vom Büro an der Neusser Straße bis hinauf ins ehemalige Kaiserbad.

Im Nichtschwimmerbecken
leben Big Mama und Rocky

Weitere 3D-Touren bis hin zu lustigen „Schnitzeljagden“ werden aber vorerst nur die Besucher des Stadtbads erleben können. Denn wie Marcel Beging betont, sollen die virtuellen Begehungen nicht den realen Besuch des Stadtbads ersetzen. „Man versteht den Ort nur vor Ort“, heben er und seine Vorstandskollegin Katrin Mevißen hervor.

Für diese realen Besuche sind in den vergangenen Monaten vor allem der Innenhof des ehemaligen Freibadgeländes sowie eine frühere Werkstatt vorbereitet worden. Es wurde verputzt und gepinselt, wild wucherndes Grün entfernt und altes Pflaster freigelegt. In der „Mach-Werk-Stadt“ sollen die Krefelder künftig einen Kaffee trinken oder eine frische Pizza aus dem schon installierten Ofen essen können.

Bei schönem Wetter geht es hinaus an den „Strand der Kraft“, wie das frühere Freibadgelände genannt wird. Im Nichtschwimmerbecken schwimmt derzeit schon ein rundes Dutzend Koi-Karpfen (die größten heißen Big Mama und Rocky). Der benachbarte Schwimmerbereich soll nach einem Umbau des Areals im nächsten Jahr eine Seebühne bekommen. Beides wird umzäunt – und dann können sogar Konzerte und Firmenevents dort stattfinden.

Dies alles kostet natürlich Geld. Von der Decke der Werkstatt hängen deshalb „Preisschilder“, die verraten, was mit Hilfe von Sponsoren und mit sehr viel Eigenleistung der Mitglieder in der nächsten Zeit noch alles umgesetzt werden soll. Die Seebühne ist da mit 10 000 Euro angegeben, das barrierefreie Klo soll dagegen „nur“ 4600 Euro kosten.

Am Samstag ab 19 Uhr wird die neue Mach-Werk-Stadt, die von der Rückseite an der Gerberstraße aus zu erreichen ist, mit einer kleinen internen Feier eröffnet. Es wird Live-Musik, Bier und Glühwein geben. Auch ist Premiere eines Architekturfilms über die 1890 entstandene Badeanstalt. Er wird auf großen Leinwänden gezeigt – je nach Wetterlage drinnen oder draußen.