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Krefeld: Den Rettern der DLRG wurde unerwartet gekündigt

Ehemalige Kaserne : Den Rettern der Krefelder DLRG wurde unerwartet gekündigt

Die Verantwortlichen suchen kurzfristig eine neue Fahrzeughalle. Bisher gibt es nur Notlösungen.

Der Putz bröckelt, an verschiedenen Stellen haben sich Sprayer verewigt, grüner Bewuchs an den Wänden der langgezogenen Gebäude lässt es so wirken, als würde sich die Natur etwas zurückholen wollen — blendet man die nähere Umgebung mit Discounter-Möbelmarkt und Co aus, könnte das ehemalige Kasernengelände an der Emil-Schäfer-Straße als Hollywood-Kulisse für eine Endzeitvision durchgehen.

Ein ganz so düsteres Bild malt Bruno Schoeppe, stellvertretender Bezirksleiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Bezirk Krefeld nicht. Aber er macht deutlich: Die Lage ist ernst. Seit über 30 Jahren nutzt die DLRG mehrere Hallen auf dem ehemaligen Kasernengelände, das zuvor von der britischen Armee genutzt wurde. Im Dezember sei unerwartet die Kündigung von der Stadt gekommen, sagt Schoeppe. Die Kündigungsfrist laufe Ende Februar aus. Schon zuvor wurde über Monate händeringend nach einer neuen Halle für Fahrzeuge, Boote und Material gesucht. Bisher gebe es aber leider nur Zwischenlösungen zur Unterbringung.

Ideal wäre ein Standort in der Nähe zum Rhein

Der Wunsch ist ein passendes Gebäude zu finden, das für Fahrzeuge und Material aller Ortsgruppen Platz bietet (Bockum, Krefeld, Linn, Uerdingen und der Bezirk Krefeld). Fünf Boote und fünf Fahrzeuge müssen laut Schoeppe untergebracht werden. Dazu kommen noch zahlreiche Einsatz-, Sanitäts- und Ausbildungsmaterialien. 200 bis 250 Quadratmeter wären dafür nötig, schätzt der 70-Jährige, der seit rund 40 Jahren in der DLRG aktiv ist. Ideal wäre ein Standort in Nähe zu Rhein und Elfrather See. Schoeppe, der unter anderem als Taucheinsatzführer für die Krefelder DLRG im tätig ist, hoffe dabei auch auf mögliche Unterstützung von Industrie, Stadt oder anderen. Denn: Die neue Halle muss bezahlbar sein. Die als ehrenamtlicher Verein agierende DLRG finanziere sich nur aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen.

Dass die alten Hallen der britischen Armee nicht der ideale Ort für DLRG-Einsatzfahrzeuge und -Boote sind, sei schon länger ein Thema. Die Bauwerke seien in einem schlechten Zustand, „so gut wie nichts“ sei in den letzten Jahren instand gesetzt worden.

Bei einem Besuch steht noch ein Jeep der Marke Land Rover in einer der insgesamt drei Hallen, die von der DLRG bisher genutzt wurden. Hinter dem Jeep ist ein Anhänger zu sehen. Darauf das Hauptarbeitsgerät der Krefelder Retter – das Motorboot „Rheinadler“. Mit mehr als 220 Pferdestärken sind die Ehrenamtler damit auf dem Rhein unterwegs, begleiten unterschiedliche Wasser-Veranstaltungen der dort ansässigen Vereine oder werden zu Noteinsätzen gerufen, etwa wenn es „Person im Rhein“ heißt.

Insgesamt gibt es bei der DLRG im Bezirk in den vier Ortsgruppen 81 aktive Lebensretter. Dabei geht es nicht nur um Wasserrettung und Absicherung auf dem Elfrather See, in Schwimmvereinen oder dem Rhein - in den Ortsgruppen werden jährlich über 1000 Nichtschwimmer zu Schwimmern ausgebildet und Jugendarbeit, sagt Schoeppe. Zudem werde in Schulen und Kindergärten über die Gefahren im und am Wasser aufgeklärt.

Aber auch zu Land sind die DLRG-Retter in Krefeld im Einsatz: Sanitäter und Ersthelfer helfen bei zahlreichen Veranstaltungen von Sport-Events wie Spielen der Krefeld Pinguine in der Yalya-Arena oder dem Triathlon am Elfrather See bis zu Stadtteilfesten wie Uerdinger Herbstfest oder Fischeln Open. Dazu kommen Einsätze im Katastrophenschutz mit dem Wasserrettungszug des Landes NRW und die örtliche Gefahrenabwehr. Schoeppe erinnert sich dabei an einige Hochwassereinsätze — etwa in Köln, Bonn-Beul oder beim Oderbruch im Großraum Magdeburg.

Der Standort Kaserne ist nun Geschichte. Der Rheinadler und die anderen Bootsgespanne brauchen neue Plätze. Sie und noch mehr Einsatzmaterialien sind teilweise bereits an anderen Orten im Stadtgebiet untergebracht worden. Zum Beispiel haben die Stadtwerke nach Vermittlung durch Oberbürgermeister Frank Meyer ausgeholfen, erklärt Schoeppe. Auf einem Gelände der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN) in Linn konnten einige Fahrzeuge und Boote vorübergehend untergestellt werden.

Wer eine passende Halle für die Ehrenamtler der DLRG in Krefeld kennt, kann sich per E-Mail an info@bez-krefeld.dlrg.de melden.