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Krefeld - Das Schaulaufen der Krähen-Preisträger

Kabarett : Das Schaulaufen der Krähen-Preisträger

Bei der Gala im Stadtwaldhaus zeigen die drei Gewinner noch einmal ihr Können. Peter Fischer nimmt die Krähe mit nach München.

Die drei Nachwuchs-Preisträger des Kabarettpreises Krefelder Krähe standen seit dem zweiten Finalabend bereits fest und durften daher ohne Wettbewerbsdruck frei aufspielen. Das taten sie sichtlich losgelöst und boten dem Publikum im ausverkauften Stadtwaldhaus eine würdige Gala. Der Münchener Kabarettist Peter Fischer siegte mit Abstand und nahm die Krefelder Krähe und einen Scheck über 5000 Euro aus den Händen von Moderator Jochen Butz und dem neuen Krähenchef Peter Gronsfeld entgegen. Eine Jury aus Kulturschaffenden, Krähenensemble und Publikum hatte die Gewinner ermittelt. Das Duo Blömer/Tillak (3000 Euro) und Nikita Miller (2000 Euro) setzten sich auf den Plätzen zwei und drei durch.

Das Liebeslied „Annegret“ gibt
es als Zugabe

Butz kündigte die Preisträger an und nannte die Gründe der Jury für deren Entscheidung. Danach landete Musikkabarettist Peter Fischer auf Platz eins. Der Nachdenklichkeit auslösende Geschichtenerzähler stelle sich furchtlos den Fragen der Zeit – spitzzüngig, geschliffen im Wort, aber niemals bösartig. Der Künstler sei jung und unverbraucht und verfüge dennoch schon über eine unaufdringliche Bühnenpräsenz. Ein Multitalent, das mit Wort und Musik gekonnt spiele. Noch werde er als Geheimtipp gehandelt, obwohl er schon erste Kleinkunstpreise gewonnen hat, sagte Butz, und prophezeit ihm eine ähnliche Karriere wie seinen Vorgängern. Timo Wopp, Martin Zingsheim und Lumpenpack lassen grüßen. Fischer legt mit einem kleinen Gedicht über Krähenvögel in Krefeld los und fängt das Publikum spätestens damit ein, dass er es den Refrain zu einem Lied beisteuern lässt, das sich mit der Ironie als Thema unserer Zeit beschäftigt. „Springerstiefel made of China, Kinder, die auffällig dem Prediger ähneln und umweltbewusste Menschen, die vom Elektro-Auto überrollt werden“ sind Formulierungen, die gesellschaftskritisch überraschen und ins Mark treffen. Das Brexit-Votum hält er für die am wenigsten durchdachte Aktion seit langem. „England ohne Schottland ist wie Tee ohne Whiskey – das will doch keiner.“ Dass das Publikum ihn bereits ins Herz geschlossen hat, wird an der Forderung nach einer Zugabe deutlich, dem überaus witzigen Liebeslied „Annegret“ vom ersten Finalabend.

Das gut gelaunte Publikum jubelte nicht nur dem Sieger zu, sondern auch dem Duo Blömer/Tillak. Die Zweitplatzierten hätten durchaus auch die Krähe verdient gehabt, denn ihr Vortrag war eine sportlich-schauspielerische Bühnenshow der Extraklasse. An Professionalität, Bühnenpräsenz und Reife wirken sie, als seien sie schon seit langen Jahren unterwegs. Ihr harmonisches Pantomimenspiel ist einzigartig. Mit Gestik, Mimik und herzerfrischend-komischen Bewegungen kommunizieren sie mit einer Art Ganzkörper-Gebärdensprache. Da zeigt sich ihre Schauspielausbildung. Beide Künstler verstehen aber auch das geschliffene Wort. Wie Tillak als Engel den lebensmüden Blömer vom Erhängen abzuhalten versucht, ist hörenswert. Wie sie das Thema Klimawandel und Schülerdemos sozialkritisch aufarbeiten, nicht minder. Die Jury urteilte: Sie sind eine Art szenische Clowns und passen in keine Schublade. Sie sind weltoffen, üben nicht einfach Politikerschelte oder produzieren billige Schenkelklopfer, sondern regen das Publikum zum Nachdenken an.

Über Platz drei freute sich Nikita Miller. Der Deutsche mit kasachischen Wurzeln erzählt Geschichten aus der Sicht des Migranten, der die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Deutschen und Russen schonungslos offenlegt. Laut Jury ist er in einem neuen Comedy-Genre unterwegs – provokant, polemisch und gesellschaftskritisch zugleich. Seine Gags kommen wie aus der Hüfte geschossen. Die drei Preisträger zeigten die große Bandbreite, die heute unter den Begriffen Kabarett und Comedy zuhause ist.