Krefeld: Das Marianum entwirft das Kinderheim der Zukunft

Jugendarbeit : Das Marianum entwirft das Kinderheim der Zukunft

Jugendliche sollen zu mehr Selbstständigkeit erzogen werden und es gibt ein neues Kinderparlament.

Moderne Kinderheime sind heutzutage Wohngruppen, die pädagogisch betreut werden. Im Marianum gehen die Verantwortlichen einen Schritt weiter. „Es wird nun eine derartige Gruppe mit fünf Jungen ab 16 Jahren zukunftsweisend umgestellt“, erklärt Geschäftsführer Harald Dahlke. „Sie erfahren in eigenen Appartements die letzten Schritte in die Selbstständigkeit, erhalten auch keine Über-Nacht-Betreuung mehr. Sie leben wie in der eigenen Wohnung.“ Dies trage zur sogenannten Verselbstständigung bei. Bei Mädchen gebe es dies schon länger, sagt Dahlke.

Die Frage, die sich die Verantwortlichen vor zwei Jahren im Kinderheim Marianum gestellt haben, lautete: „Welche Anforderungen stellt Jugendarbeit 2030?“ Es wurde bei Entscheidungsträgern nachgefragt, es wurde diskutiert und beschlossen — oder auch nicht, um dem Bedarf in der Zukunft gerecht zu werden. Die Ergebnisse stehen fest und wurden jetzt vorgestellt.

Was ebenfalls eingeführt wurde, ist das Kinderparlament. Dahlke: „Hier kann beispielsweise mitbestimmt werden, wie Spendengelder verwendet werden sollen. Die Achterbahn und das Schwimmbad müssen wir leider verschieben“, erklärt der Geschäftsführer und lächelt. „Aber wir planen ein großes bodentiefes Trampolin, einen Wasserspielplatz und eine Spielwiese. Eine Markise soll gegen Sonne und Nieselregen schützen.“

Genehmigt ist auch der Jugendfreizeitraum „die Höhle“. Dahlke: „Hier gibt es Dart, Billard und Kicker für Jungen ab 13 Jahren, die sich hier sozusagen zusammenrotten. Sie nennen sich selbst Wolf’s Hope.“

Ein umfangreiches Konzept ist auch für die Elternarbeit erstellt. „Obwohl Vater und Mutter getrennt von ihren Kindern leben, sollten sie mitarbeiten. Sie müssen für ihre Kinder zukunftsfähig gestärkt werden. Wenn die Bindung zwischen Eltern und Nachwuchs beibehalten wird, sind alle Seiten sehr dankbar. Vor allem die Kinder, die wieder nach Hause wollen.“

Was beispielsweise noch nicht umgesetzt werden konnte, sei die energetische Sanierung der Räume, teilweise in Bauten mit einem Entstehungszeitpunkt Ende der 70er Jahre.

Dahlke: „Das Marianum setzt sich seit 160 Jahren aktiv für die Belange der Kinder und Jugendlich in Krefeld und der Region ein. Es betreut bis zu 94 Kinder, die aus den verschiedensten Gründen nicht mehr oder vorübergehend nicht zu Hause wohnen können. Es gibt 90 Mitarbeiter. Die Einrichtung hat sich ständig weiterentwickelt und ihre Angebote laufend den Bedürfnissen der Kinder angepasst.“ Der Bedarf sei groß: „Wir könnten jederzeit eine neue Gruppe für Kinder aufmachen, die eine Zeitlang nicht zu Hause leben können.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung