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Krefeld: Das Leben und das Denkmal von Ludwig Friedrich Seyffardt

Geschichte : Das Leben und das Denkmal von Ludwig Friedrich Seyffardt

1962 wurde sein Andenken vom Ostwall zur Leyentalstraße gebracht.

Das Denkmal für Ludwig Friedrich Seyffardt (1827—1901), einen Wohltäter der Stadt Krefeld, steht heute etwas versteckt vis-a-vis des Kaiser-Friedrich-Hains an der Leyentalstraße. Das gut sieben Tonnen schwere Denkmals wurde 1962 in drei Teile zerlegt und vom Ostwall an diese Stelle platziert. Jener nördliche Teil des Krefelder Walls, der auf die Nordstraße trifft, wurde während des großen Bombenangriffs 1943 großflächig zerstört. Nur noch Vorkriegsaufnahmen erinnern laut der Stadt an die einstige Herrlichkeit dieses Abschnittes. Mittig vor dem heutigen Polizei-Präsidium befand sich das Seyffardt-Denkmal als Überbleibsel einer prachtvollen Zeit.

Als junger Mann kam der gebürtige Aachener Seyffardt nach Krefeld, um eine Lehrzeit als Kaufmann zu absolvieren. Beeinflusst von der Idee des wirtschaftlichen Liberalismus schloss sich Seyffardt 1859 zunächst dem Deutschen Nationalverein an und wurde zu einem führenden Politiker der später gegründeten Nationalliberalen Partei. Als Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und zeitweilig auch als Abgeordneter des Norddeutschen Reichstages widmete er sich unter anderem der öffentlichen Armenpflege und setzte sich für die konfessionell nicht gebundene Simultanschule ein.

seyffardt-denkmal wird versetzt Foto: Stadtarchiv Krefeld

Am Kulturkampf und den Auseinandersetzungen um die Schulpolitik nahm er auch als Schriftsteller vielfältigen Anteil. Darüber hinaus trat er für verbesserte Bildungsmöglichkeiten von Frauen ein. Auf kommunaler Ebene war er Vorsitzender der Armenverwaltung und Krefelder Beigeordneter. Außerdem war er Mitglied und Förderer einer Vielzahl von Vereinen, die sich insbesondere für Bildungszwecke oder die Wohltätigkeit einsetzten.

Seyffardt zählt zu den höchstbesteuerten Krefeldern

Der Unternehmer zählte seinerzeit zu den höchstbesteuerten Bürgern in Krefeld. Seit 1857 war er Teilhaber der Samtfabrik vom Bruck, mit denen er verschwägert war. Er hatte sechs Kinder. Der reiselustige Seyffardt besuchte zahlreiche Länder wie Lappland und Marokko. Im Jahr 1900 veröffentlichte er sein Tagesbuch, dessen Aufzeichnungen 1841 einsetzen. Darin heißt es unter anderem über Krefeld im Jahr 1884: „Wie im vorigen Jahrzehnt der Stadt Crefeld eine Stadthalle nur dadurch verschafft werden konnte, dass Jentges, Heimendahl und ich mit je zehntausend Mark an der Spitze der Unterzeichner traten, so musste ich in diesem Jahr wieder mit zehntausend Mark eine Liste eröffnen, um die Restaurierung des Stadttheaters zu ermöglichen.“

In seinem Testament vermachte Ludwig Friedrich Seyffardt der Stadt Krefeld 150 000 Mark für Volksschul- und Fortbildungszwecke und 15 000 Mark für die Armenverwaltung. Darüber hinaus wurden die Stadtbibliothek, das Kaiser-Wilhelm-Museum sowie mehrere wohltätige und gemeinnützige Vereine mit kleineren Vermächtnissen bedacht.

Fast 57 Jahre habe das Seyffardt-Denkmal von Gustav Rutz am Nordende des Ostwalls gestanden, berichtete eine Zeitung im Jahr 1962. „Nun wird das Denkmal gegenüber dem Philadelphiahaus seinen Ehrenplatz erhalten“, las man damals. Mit einem kleinen Kranwagen rückte ein Trupp Männer an, den Obelisken von seinem angestammten Platz auf dem Ostwall zu nehmen.

Das Konterfei des Politikers Seyffardt hatte den Zweiten Weltkrieg überstanden. Der Verbleib der dazugehörigen Figurengruppe ist unklar, wahrscheinlich wurde diese für militärische Zwecke eingeschmolzen. Das Denkmal wurde auf Initiative Krefelder Volksschullehrer errichtet. Auf der Rückseite ist zu lesen: „Dem tatkräftigen Förderer der Wohltätigkeit und Volksbildung, dem treuen Vaterlandsfreunde (1827-1901). Errichtet im Jahre 1905 von seinen Mitbürgern und Freunden.“ Red