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Krefeld: Darum sollten die Krefelder zu den Pinguinen stehen

Kolumne Krefelder Frühstück : Darum sollten die Krefelder zu den Pinguinen stehen

Guten Morgen,

am Sonntag beenden die Krefeld Pinguine mit dem letzten Heimspiel die Saison. Der eine oder andere mag nun sagen: „Zum Glück“. Sportlich kann ich das nachvollziehen. Irgendwo zwischen dem Verein aus Köln und einer Stadt namens Schwenningen wird der KEV diese Spielzeit beenden. Abgeschlagen, ohne Chance auf die Play-offs. So hat es sich in den vergangenen Jahren etabliert: Weihnachten, Karneval, vorzeitiges Saison-Aus für die Pinguine. Dieses Mal kam noch eine finanzielle Krise hinzu. Trotzdem möchte ich nicht, dass Sie und ich gemeinsam über das Krefelder Eishockey jammern.

Obwohl die Ergebnisse auf dem Eis meist schlecht bis sehr schlecht waren, sollten die Krefelder zu ihrem Verein stehen. Er ist das, was man ein Aushängeschild nennt. Als ich eine Zeit in München gelebt habe, ist mir das zum ersten Mal klar geworden. Nun kennt der Münchner eigentlich nicht viel außer sich selbst, das Wochenende in den Alpen und natürlich sich selbst. Beim Namen Krefeld waren es bei Sportinteressierten immerhin die Pinguine.

Warum ich Ihnen das berichte? Weil ich Ihnen klar machen möchte, dass der KEV mehr ist als eine 1:5-Klatsche in Wolfsburg. Ich bin in dieser Saison trotz Tiefpunkten und tieferen Tiefpunkten – sportlich und finanziell – Fan geworden. Angefangen hat es damit, dass ich im Sommer bei den Profis mittrainieren dürfte: Praktikum on Ice. Ein tolles Erlebnis, obwohl der Beginn wenig erfolgsversprechend war. Folgen Sie mir in die Kabine der Pinguine, dort, wo Musik aus den Boxen hallt und der Schweiß von heute sich mit dem Schweiß von gestern mischt. Drei Männer mussten mir wechselweise helfen, die schwere Eishockey-Montur anzuziehen. Hilfe beim Ankleiden war zuvor ein Szenario, dass ich gut 50 Jahre später eingeplant habe. Der Aufwand war es wert, genau wie jeder Sturz auf dem Eis.

Erst beim Training, dann als Zuschauer beim Spiel erlebte ich einen faszinierenden Sport. Athletisch, rasant, hart. Sie sehen die Spieler, die den winzigen Puck mit Höchstgeschwindigkeit über das Eis führen. Sie hören das Scheppern nach dem Bodycheck an der Bande. Das ist Eishockey. Ein Spiel, bei dem ständig etwas passiert und dessen Verlauf so unglaublich schwer vorherzusagen ist. Das ist eine Wohltat für mich als Fußballfan, der selbst ein 1:0 von Augsburg gegen Paderborn 90 Minuten stoisch vor dem Fernseher erträgt. Eishockey ist die willkommene Alternative.

Aber müssen es ausgerechnet die Pinguine sein? Ja, in jedem Fall, trotz allem. Finanziell lief es noch schlechter als sportlich. Die Insolvenz des Vereins drohte, es gibt Sorgen, wie lange der Erstliga-Standort Krefeld noch existiert.

Die vermeintlich starken Männer, also Gesellschafter, mögliche Gesellschafter und das Management, begannen im vergangenen Jahr, über viel Geld und damit die Zukunft des Klubs zu verhandeln. Für Unterstützer, die nur von außen zuschauen können, ist so ein Poker unerträglich. Dennoch: Gerade in dieser Situation hat sich gezeigt, wie viele tolle Menschen es rund um den Verein gibt. Vom Fan auf dem Weg zur Halle bis zur KEV-Legende Christian Ehrhoff: Viele hatten angesprochen auf die Misere gleich ein starkes Plädoyer für Eishockey in Krefeld parat.

Gerade den Fans, deren Leidenschaft zum Spielball wurde, ist die Treue hoch anzurechnen. Immer wieder kämpften sie in der Halle oder mit dem Fanmarsch zur Westparkstraße für ihren Verein. Diese Beharrlichkeit finde ich klasse.

Wenn wir schon über die guten Typen beim KEV reden, kommen wir an einem Namen nicht vorbei: Kristian Peters-Lach, der Hallensprecher. Wenn Sie schon mal bei einem großen Sportevent waren, wissen Sie, wie diese Ansager normalerweise arbeiten. Sie rattern Spieltag für Spieltag dieselbe Choreografie durch: Sponsoren, Geburtstagsgrüße, Spielernamen, häufiges Brüllen des Vereinsnamens. Wenn Sie Peters-Lach zuhören, merken Sie, dass der Krefelder es anders macht. Mal spricht er vor dem Spiel über den Ärger der Fans. Mal spricht er über das, was die Gesellschaft abseits des Eis bewegt. Peters-Lach hat sich schon gegen Hass ausgesprochen oder für Rettungskräfte stark gemacht. Es ist gut, dass so etwas in der durchgetakteten Show „Profisport“ möglich ist.

In der nächsten Saison werde ich in jedem Fall wieder zu den Pinguinen fahren. Schon die Stimmung vor der Partie ist meist fantastisch. Wenn die Fans in der Kurve singen, „You’ll never walk alone“ läuft und die Halle dunkel wird, sind das emotionale Momente mitten in Krefeld. Klar, wenn es danach auch sportlich noch laufen würde, wäre das schöner. Dazu gehört natürlich das Träumen, Fans dürfen das. Immer, wenn vor dem Spiel das Video zum Vereinslied läuft, gibt es dort Bilder von der Meisterfeier 2003. Hach, was wäre das schön so was noch mal in Krefeld zu erleben.

Die Realität ist eine andere. Daher ist der realistische Wunsch bescheidender: Hauptsache die Pinguine bleiben in den nächsten Jahren erstklassig. Das wäre wichtig für die ganze Stadt. Genauso wichtig ist es, dass Sie, die Krefelder, Ihren Verein unterstützen. Ich freue mich, wenn wir uns in der Halle sehen. Nach Sonntag geht das leider erst in ein paar Monaten wieder.