Krefeld: CDU setzt sich für Zirkus mit Wildtieren ein

Wildtiere im Zirkus : Krefelder CDU will Zirkus mit Tieren retten

Politik reagiert auf gescheitertes Auftrittsverbot für Zirkus Charles Knie. Der kommt nun erst 2020 nach Krefeld.

Die Mitglieder der Krefelder CDU dürften demnächst wohl gemeinsam in den Zirkus gehen. Denn die Partei macht sich „für den Erhalt und die Stärkung der heimischen Zirkuskultur“ stark. Das hat jüngst der Kreisparteitag auf Antrag des Stadtbezirksverbands Süd beschlossen. Aber wie soll dieses „Starkmachen“ konkret aussehen? Sollen Zirkusunternehmen nach Krefeld eingeladen werden? Soll der Rat eine Resolution pro Zirkus verabschieden? Plant die CDU gar den gemeinsamen Zirkusbesuch? Und was sagen die anderen Parteien dazu?

„Vor allem geht es uns darum, zu verhindern, dass sich die Stadt Krefeld neuerlich in Gerichtsverfahren verstricken lässt, nur um zu vermeiden, dass in Krefeld ein Zirkus auftritt.“ Das sagt der Stadtbezirksvorsitzende der CDU Süd, Ratsherr Daniel Wingender, auf Anfrage unserer Zeitung. Hintergrund: Das Düsseldorfer Verwaltungsgericht hat Anfang April zugunsten des Zirkus‘ Charles Knie entschied. Dieser hatte gegen die Stadt Krefeld geklagt, die einen Auftritt mit Wildtieren verbieten wollte. Das Gericht entschied zu Gunsten von Knie, wertete das Recht auf freie Berufsausübung der Zirkusangestellten höher als das Tierwohl. Da der Tierschutz in Deutschland Bundessache sei, hätten einzelne Kommunen keine Handhabe, einen Auftritt zu verbieten.

Die Stadt Krefeld legte zunächst Berufung gegen das Urteil vor dem  Oberverwaltungsgericht Münster ein, hat diese jedoch mittlerweile zurückgenommen. „Es wurde dem Zirkus Charles Knie ein Zeitraum für ein Gastspiel in Krefeld im Jahr 2019 angeboten“, informiert Stadtsprecher Timo Bauermeister. Man habe sich dann auf ein Gastspiel im nächsten Jahr geeinigt. Die aktuelle Tournee-Planung ließ es nicht mehr zu, die Zelte so kurzfristig auf dem Sprödentalplatz aufzuschlagen. Auf seiner Homepage zeigt das Unternehmen bewegte Bilder von Tigern, Löwen, Kamelen und Pferden, die 2020 wohl auch in Krefeld zu sehen sein werden. „Wir freuen uns sehr, dann auf dem Sprödentalplatz gastieren zu können“, sagt Zirkussprecher Thorsten Brandstätter.

Krefeld muss laut CDU keinen
Zirkus speziell einladen

„Die Idee, unsere Mitglieder beim nächsten Gastspiel eines Tierzirkusses in Krefeld zu einem Besuch aufzurufen und gemeinsam dort hinzugehen, gefällt mir hervorragend“, sagt der Stadtbezirksvorsitzende der CDU Süd, Ratsherr Daniel Wingender. Es gebe leider in diesen Tagen eine Tendenz, alles zu verbieten, „was einer kleinen, selbst erklärten Elite gegen den Strich geht“, auch wenn es bei einem Großteil der normalen Bevölkerung auf große Zustimmung stoße. Die Zirkuszelte seien ja voll – auch und gerade dann, wenn Tiere mit dabei sind. Für moralische Selbstüberhöhung gegenüber den Besuchern gebe es keinerlei Anlass. Denn ein strenges Tierschutzgesetz stelle sicher, dass Zirkustiere artgerecht gehalten und ihre gute Behandlung fortlaufend überwacht würden. „Es ist nicht Sache der Politik, einen Zirkus einzuladen – der kommt schon ganz von alleine, wenn wir ihm signalisieren, dass er in Krefeld willkommen ist“, so Wingender.

„Wildtiere gehören in den Zirkus, sofern sie dort vernünftig gehalten werden“, sagt auch Joachim C. Heitmann. Daher sei die Krefelder FDP immer gegen den Vorstoß der Grünen gewesen, Zirkus-Unternehmen mit solchen Tieren in Krefeld zu verbieten. Das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf, so der Fraktionschef, habe gezeigt, dass es nicht die Aufgabe der Stadt sei, über den Tierschutz zu befinden. Ein Zirkus sei „eine Bereicherung“ für den Sprödentalplatz. Das CDU-Wort „heimische Zirkuskultur“ ist aus Sicht von Heitmann allerdings etwas dick aufgetragen.

Die Sozialdemokraten sehen das völlig anders. Dazu Ratsherr Hans Butzen: „Die SPD-Fraktion stand und steht Wildtieren in Zirkussen aus Gründen des Tierschutzes kritisch gegenüber und hat diese Position auch stets in den städtischen Gremien vertreten. Das Verwaltungsgericht hat jedoch entschieden, dass ein sogenanntes Wildtierverbot unzulässig ist, so dass die Frage für uns abschließend beantwortet ist.“

Thorsten Hansen (Grüne) betont: „Wir haben nichts gegen den Zirkus, wohl aber gegen Auftritte mit Wildtieren.“ Diese müssten oft in viel zu kleinen Käfigen und Gehegen und unter den häufigen Transporten leiden, sagt die Fraktionsvorsitzende Heidi Matthias. Um am Tierschutzgesetz in Deutschland etwas zu ändern, „wäre eine Initiative auf Bundesebene notwendig“, ergänzt ihr Kollege Hansen. Bei den derzeitige Mehrheiten im Bundestag habe sie aber keine Aussicht auf Erfolg – „aber das kann sich ja ändern“.

Andreas Drabben (UWG) möchte wissen: „Was wird überhaupt mit Tiernummern bezweckt, bzw. was soll vermittelt werden? Der mutige Raubtier-Dompteur? Die wagemutigen, akrobatischen Reiter? Geht es da wirklich um die Tiere?“ Die UWG Krefeld sei der Meinung, dass man Kindern den Respekt und die Schönheit von Tieren eher im Zoo näher bringen könne. „Das einzig Schöne am Zirkus ist, das es live und analog ist, das finden wir in der modernen Zeit dann doch erhaltenswert.“ Eine Kommune habe hier aber wenig Spielraum: „Hier muss der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen anpassen.“

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