Krefeld: Bernd Plenker - Ein Leben für den Umweltschutz

Fachbereichsleiter Bernd Plenker : Ein Leben für den Umweltschutz

Als Abfallberater hat Bernd Plenker bei der Stadt angefangen. Als Fachbereichsleiter ist er verabschiedet worden.

Der Ort für die Verabschiedung des Leiters des Fachbereichs Umwelt und Verbraucherschutz ist nicht grundlos gewählt worden. Bernd Plenker hat gemeinsam mit seinem Vorgänger Helmut Döpcke das Krefelder Umweltzentrum am Talring aufgebaut. „Der tollste Ort in Krefeld“, schwärmt Oberbürgermeister Frank Meyer in seiner Abschiedsrede. „Gerade für Kinder, die in der Stadt zwischen Beton groß werden und dort im anderen Teil die Natur kennenlernen.“ Hier findet nachhaltige Umweltbildung mit allen Sinnen statt.

Meyer vergleicht Plenker beruflich mit einem Marathonläufer, der aber auch in seiner Freizeit mit 3 Stunden und 30 Minuten Bestzeit seine Zielstrebigkeit und Geduld unter Beweis stellt. Über mehrere Nebenwege kommt er zur Stadtverwaltung. Da ist er schon 40. „Ein Spätberufener“, nennt Meyer den heute 65-Jährigen, den er in seiner eigenen Zivildienstzeit schon kennengelernt hat. Viele Jahre später, längst ist Meyer Verwaltungschef, bescheinigt er ihm bei seiner Verabschiedung, dass er in den fast 26 Jahren seiner Linie immer treu treu geblieben, immer sehr kenntnisreich und engagiert aufgetreten und lösungsorientiert gearbeitet habe.

Als Textilingenieur und Chemie-Lehrer mit 40 zur Stadt

1953 in Kempen geboren, zog er im Alter von einem Jahr mit seinen Eltern nach Krefeld. Er machte auf der Albert-Schweitzer-Schule seine Mittlere Reife, begann 1971 eine Lehre bei der Verseidag als Textildrucker. Parallel holt Plenker seine Fachhochschulreife an der Abendschule nach, die er 1974 erlangt. Nach dem Wehrdienst studiert er Textilchemie an der damaligen Fachhochschule Niederrhein, die er 1979 als Ingenieur abschließt. „Darauf erkennt er die Zeichen der Zeit“, sagt Meyer, denn statt in die untergehende Textilwirtschaft zurückzukehren, studiert er an der Uni Duisburg Chemie und Sport mit dem Ziel Lehramt für die Sekundarstufe 1. Er macht beide Staatsexamen - und kommt vom Regen in die Traufe. Er wird ausgerechnet Lehrer zur Zeit der Lehrerschwemme, weshalb es einen Einstellungsstopp gab.

Ein Jahr arbeitet er zwar noch im Rahmen einer Schwangerschaftsvertretung als Lehrer, danach (1987) findet er sein finanzielles Auskommen als Schwimmlehrer im Willicher Schwimmbad „De Bütt“. Das Glück im Unglück kommt im Namen Klar daher, unter diesem Namen brachte die Neusser Firma Dr. Stewner Ende der 1980er-Jahre ökologische Wasch- und Reinigungsmittel auf den Markt. Plenker arbeitet von 1988 bis 1989 als Ingenieur in der Entwicklung und im Vertrieb. 1990 kommt er dann erstmals mit Verwaltung in Berührung, zunächst jedoch im benachbarten Viersen. Als Verwaltungsangestellter baut er dort die Abfallberatung auf. Noch einmal verlässt er die Zielgerade, wie Meyer es nennt, und arbeitet von 1991 bis 1993 an einer Gesamtschule wieder als Lehrer. Gleichzeitig engagiert er sich politisch für die Grünen und sitzt in der Bezirksvertretung Hüls. Der damalige Umweltdezernent Hubert Pochwalla fragt ihn, ob er nicht auch in Krefeld eine Abfallberatung aufbauen könne. 1993, mit 40 Jahren, wird er somit zunächst als Gewerbeabfallberater beim damaligen Fuhrpark Mitarbeiter der Krefelder Stadtverwaltung.

Abfallbeseitigung war Anfang 1990 noch Neuland

Die Berücksichtigung ökologischer Ziele und die Abfallbeseitigung als öffentliche Aufgabe des Umweltschutzes – das alles ist Anfang der 90er Jahre noch Neuland. Die passende Ausbildung zum Umweltingenieur hat Plenker zwar nicht, diesen Studiengang gibt es ja auch erst seit 1991. Aber seine Neugier und Bereitschaft, mit neuen Herausforderungen umzugehen, treibt ihn auch ohne die passende Ausbildung an. Seine Verwobenheit mit der Geschichte der Stadt zahlt sich aus. Meyer zitiert Plenker mit dem Satz: „Zeigen Sie mir ein Luftbild aus Krefeld, und ich sage Ihnen, welche Altlasten da liegen.“ Und Meyer lässt keinen Zweifel daran, dass dem auch so ist. Nach Gründung der GSAK und Auflösung des Chemischen Untersuchungsamtes wird im Jahr 2000 der Fachbereich Umwelt gegründet. Von 2010 an ist Plenker Leiter der Abteilung Wasser und Altlasten, seit 2011 stellvertretender Fachbereichsleiter. Mit dem Weggang Döpckes zum neuen Kommunalbetrieb ist Plenker im Juli 2018 Leiter des Fachbereichs geworden. „Quasi schon auf der Zielgeraden“, sagt Meyer. Der erstmals bei einer Veranstaltung einen neuen Fachbereichsleiter begrüßt und gleichzeitig wieder verabschiedet.

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