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Krefeld: Beim Ausbau der A57 droht Schleichverkehr in der Stadt

Autobahn 57 : A 57: Angst vor dem Schleichverkehr

Noch in diesem Sommer beginnt der Autobahn-Ausbau. Die Stadt hat dafür derzeit kein Verkehrskonzept.

Was macht eigentlich der Ausbau der Autobahn 57? Und wie bereitet sich die Stadt Krefeld auf den drohenden Ausweichverkehr vor, der sich während der langen Baustellenphase durch städtische Straßen quälen könnte, um Staus auf der Autobahn auszuweichen?

Die SPD-Fraktion hatte dazu schon Anfang des Jahres einen Antrag im Ausschuss für Stadtplanung eingebracht, der von der Stadtverwaltung ein Verkehrskonzept einfordert, das unter anderem entstehende Ausweich- und Baustellenverkehre steuern und Schleichverkehre ausschließt oder zumindest minimieren soll. Die CDU wollte jetzt im gleichen Ausschuss wissen, wie weit denn die Stadtverwaltung mit diesem Konzept vorangekommen ist. Die Antworten dazu blieben nach Ansicht von CDU und SPD allerdings noch vage. „Der Beigeordnete Visser kam ins Schwimmen“, erklärte ein CDU-Sprecher im Anschluss an die Sitzung.

Zumindest ein Punkt auf der Wunschliste der SPD könnte 2020 erfüllt werden: Auf der Ober- und Untergath soll es wieder Tempo 70 geben. Die SPD hatte zudem angeregt, Tempo 30 auf der Kölner Straße während der Baustellenphase zu prüfen.

Ende April hatte es den ersten Spatenstich zum sechsspurigen Ausbau der A 57 auf dem vier Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Kreuz Meerbusch und der Anschlusstelle Oppum gegeben. Danach folgten vorbereitende Arbeiten, vor allem durch die Verbreiterung der rechten Spur in Fahrtrichtung Moers. Seitdem sind keine Bauarbeiten mehr erkennbar.

Derzeit wird an zwei Versickerungsbecken gebaut

Tatsächlich wird derzeit an zwei Versickerungsbecken für das Regenwasser gebaut, erklärte ein Sprecher des Landesbetriebs Straßen NRW auf Anfrage. Außerdem müssten die Archäologen noch prüfen, ob in dem entsprechenden Abschnitt Funde im Boden schlummern. „Hoffentlich nicht“, so der Sprecher, denn das könnte zu Verzögerungen führen.

Sind die Vorarbeiten abgeschlossen, beginnt im Laufe des Sommers die eigentliche Verbreiterung der Autobahn um je eine Spur in beide Fahrtrichtungen. Die Arbeiten werden in Oppum in Fahrtrichtung Köln starten, parallel dazu erfolgt auch der Bau des neuen, sehr aufwändigen Lärmschutzes. Geplant ist die Errichtung neuer Lärmschutzwände von bis zu 7,5 Metern Höhe im Bereich Oppum und bis zu neun Metern Höhe im Gebiet Bösinghoven. Zusätzlich wird im gesamten Abschnitt Flüsterasphalt eingebaut.

Auch Umweltaspekte müssen berücksichtigt werden. Denn mit dem Abriss der Brücke an der K6 zwischen Fischeln und Meerbusch im nächsten Frühjahr fallen zeitweise wichtige Orientierungspunkte für ortsansässige Fledermäuse weg. Eine provisorische Brücke für Fußgänger und Radfahrer soll ihnen während der Bauzeit als Anhalt für ihren Flug über die Fahrbahn dienen. Zudem werden seitlich der A57 Überflughilfen installiert. Diese Zäune sollen den Tieren beim Bemessen ihrer Flugbahn über die Autobahn helfen. In Traar ist eine Ersatzmaßnahme vorgesehen, um den Verlust der Lebensräume für Pflanzen und Tiere auszugleichen.

„Unsere Zielsetzung ist es, den Abschnitt bis zum Jahreswechsel 2021/22 fertigstellen zu können“, sagt der Sprecher von Straßen NRW. Im Anschluss soll der Ausbau des Abschnitts „Krefeld“ zwischen Oppum und Gartenstadt erfolgen. Das Planfeststellungsverfahren dafür ist von Straßen NRW im vergangenen Februar bei der Bezirksregierung Detmold beantragt worden. Einwendungen konnten bis Mai erhoben werden.

Schon in der nächsten Woche wird sich der Krefelder Stadtrat erneut mit der A57 beschäftigen müssen. Denn die SPD hat mit Blick auf die insgesamt bis zu zehnjährige Bauphase beantragt, die Angebote zur Nutzung anderer Verkehrsinfrastruktur attraktiver zu machen – insbesondere für Berufspendler in Krefeld und am gesamten linken Niederrhein. „Da müssen wir was tun“, sagt SPD-Ratsherr Jürgen Hengst mit besonderem Blick auf den Schienenverkehr in die Landeshauptstadt Düsseldorf.

Jürgen Wettingfeld (CDU) fordert, dass sich die Stadt während der Bauphase auf den „Worst Case“ (also den schlimmsten Fall) einstellen müsse.