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Krefeld: Aus Freundschaft wurde Liebe

Gnadenhochzeit : Aus Freundschaft wurde lange Liebe

Gnadenhochzeit: Vor 70 Jahren heirateten Anneliese und Karl-Heinz Beckers.

Es ist Vieles ganz genauso wie vor 70 Jahren: Die Braut trägt wieder ein dunkles Kleid mit weißen Tupfen. Die Hochzeitsgesellschaft ist – Corona macht`s jetzt nötig – wieder ziemlich klein und die Zuneigung der Eheleute zueinander groß. Anneliese und Karl-Heinz Beckers feiern Gnadenhochzeit und schauen mit einem erstaunten Blick auf ihre Grüne Hochzeit zurück: „Man merkt nicht, wie die Zeit vergeht“, sagen sie.

Sie waren Teenager, als sie sich kennen lernten; Anneliese 14, Karl-Heinz 16 Jahre alt. „Wir hatten jeder eine Zelle im Bunker am Albrechtsplatz, denn freie Wohnungen gab es damals kaum“, berichtet die Ehefrau. „Wir waren Kriegskinder, ausgebombt und evakuiert. Ich kam mit meiner Familie aus Österreich zurück, er aus Thüringen. Ich lernte den Jungen über meinen Bruder kennen, sie waren befreundet.“

Karl-Heinz hatte schnell ein Auge auf das Mädchen geworfen. „Ich fand sie sehr, sehr hübsch.“ Das Trio hatte sich gesucht und gefunden. „Ab und zu durften wir ins Kino, doch wir sind meistens nicht hingegangen, haben lieber die zwei Reichsmark dafür vernascht oder für Kleidung gespart. Den Inhalt des Filmes mussten wir uns erzählen lassen, falls der Vater nachfragen würde.“

Stattdessen gingen die Drei im Stadtwald spazieren und später in Fischeln tanzen. „Eigentlich waren wir dafür noch zu jung. Wenn die Kontrolle kam, sind wir verschwunden“, erinnern sich die beiden an ihre erste Zeit.

Es wurde schnell ernst. „Wir haben geschmust und bald kam der Heiratsantrag von Karl-Heinz. Es war sehr romantisch. Allerdings musste ich bei meinem strengen Papa fragen“, berichtet sie und lächelt. 1950 war dann der große Tag der Hochzeit auf dem Standesamt. Das schwarz-weiße Hochzeitsbild des jungen glücklichen Paares hängt heute noch an der Wand.

Das Rezept für eine lange und gute Ehe haben die Beckers` parat: „Nicht stur sein, verzeihen und versöhnen können und viel sprechen.“ Oftmals helfe es auch, die Faust in der Tasche zu machen. „Natürlich haben wir auch gestritten, aber die Versöhnung war stets nahe.“ Sie erklären, sich alles selbst erarbeitet zu haben. „Das schweißt zusammen. Dafür sind wir dankbar.“

Dabei war der Start ins Eheleben damals nicht einfach. Sie bewohnten zuerst ein Zimmer bei den Eltern, dann zwei Zimmer an der Hubertusstraße und durften dort, als Tochter Angelika geboren war, ein Speicherzimmer zusätzlich benutzen. 1965 bezogen sie die Wohnung an der Weggenhofstraße, die jetzt noch ihre Heimat und ihr Eigentum ist. „Wir hatten endlich ein Reich für uns alleine.“ Sie arbeitete im Einzelhandel, er war Sandformer.

In der Freizeit wanderten sie früher über den Hülser Berg, durch den Forstwald oder gingen in Holthausens Kull schwimmen. Später kamen dann Urlaube in halb Europa dazu. Beide lieben Kärnten sehr. „Wir haben die ganzen Jahre wundervoll gelebt und lassen uns nicht unterkriegen; bis heute nicht, auch wenn uns die eine oder andere Krankheit trifft“, berichten sie.

Sie sind ziemlich fit und haben ein Leben außerhalb der vier Wände am Elfrather See. Dort treffen sie sich mit zwei Paaren; früher waren es acht. „Jetzt haben wir täglich Urlaub am Badesee“, berichtet Anneliese Beckers und schmunzelt. „Mit Liegestuhl, Kaffee, Kuchen und der Tageszeitung verbringen wir dort schöne Tage. Wir sind immer an der frischen Luft und erfreuen uns an den kleinen Dingen in der Natur.“

Bei einer derart positiven Einstellung ist es klar: „Wir werden die Kronjuwelen-Hochzeit auch noch erreichen und richtig groß feiern.“ Dann sind sie 75 Jahre verheiratet.