Krefeld: Aus ehemaligem Bunker werden Wohnungen

Fischeln : Nur noch drei Wohnungen zu haben

Richtfest am Marienhof in Fischeln: Der ehemalige Bunker soll im Oktober 2020 bezugsfertig sein.

Neun Schläge brauchte Architekt Hendrik Hambloch am Freitagmorgen, um den Nagel mit dem Hammer in den Balken auf dem Dach des Marienhofs zu treiben. Neun Schläge – neun Liter Bier für die Gäste. So will es der Brauch.

Zu späterer Stunde wäre der Bauherr damit wohl nicht weit gekommen, um die Besucher zu verköstigen. Etwa 80 Interessenten aus Verwaltung, Kommunalpolitik, Nachbarschaft und künftigen Eigentümern waren zum Richtfest des Wohnprojektes mitten in Fischeln gekommen. Zweifellos: Das viel beachtete Projekt steht auch nach dem Abschluss des Dachgerüstes weiter unter interessierter Beobachtung. „Beurteilen Sie selbst, ob sich das einfügt“, sagte Mitinvestor Heinz Klinkhammer zur Begrüßung und sprach damit auf das sensible Umfeld mit Spielplatz, Wohnen in der Nachbarschaft und Marienplatz an.

Ein Jahr vor dem geplanten Bezug der 32 Wohnungen im Marienhof sind die meisten Wohnungen des Gebäudes entweder schon verkauft oder bereits reserviert. Bereits im Sommer hatte sich dieser Trend mit einer Quote von 70 Prozent verkaufter Wohnungen gezeigt. Nun sind nur noch drei frei, erklärt Hendrik Hambloch. Und Klinkhammer ergänzt: „Ich denke, dass auch die noch vor Weihnachten verkauft sind.“ Auch drei Büroeinheiten gibt es. „Wir befinden uns mit Interessenten in Gesprächen“, sagt Hambloch.

Das Planungsbüro Hambloch hatte bereits im Herbst 2016 ein Revitalisierungskonzept für den Fischelner Bunker erarbeitet, der bis dahin als einer von 2000 Schutzbunkern bundesweit auch ein Mahnmal für den 2. Weltkrieg war. Obwohl das massive historische Relikt vor dem Start der Bauarbeiten im vergangenen Jahr von der Natur überwuchert war, wünschten sich viele an dieser zentralen Stelle von Fischeln eine andere Nutzung – insbesondere als zentraler Wohnort. Der Bunker war einst konzipiert, um 3000 Menschen aufzunehmen. Tatsächlich sollen dort bei Bombenangriffen auf Krefeld bis zu 5000 Menschen Schutz gefunden haben. Manche Besucher erinnerten sich auch am Freitag während des Richtfestes an ihre Eltern, die dort Schutz gefunden hatten.

Eigentumswohnungen zwischen 65 und 155 Quadratmetern

Nun entsteht im Ortskern am Marienplatz ein architektonisch anspruchsvolles Wohnhaus mit barrierefreien Eigentumswohnungen zwischen 65 und 155 Quadratmetern sowie Büros in einer Größe von 70 bis 300 Quadratmetern – allerdings nicht, ohne den Blick auf die Vergangenheit komplett zu verstellen und auch einen Kult zu nutzen, Altes mit Neuem zu verbinden: An der Frontseite des Gebäudes zum Marienplatz wird in der Mitte der verklinkerten Fassade der alte Bunker sichtbar bleiben. Die anderen drei Außenwände sind in die Planung für die Wohnungen integriert worden und sorgen für einen Loft-Charakter. Ein längliches Atrium zieht sich durch alle Etagen entlang der ursprünglichen Außenmauer zum Marienplatz.

Der massive Bunkercharakter, der schon bei den Erdarbeiten eine große Anforderung gewesen sei,  war auch am Freitag für Hendrik Hambloch Anlass, um auf die Besonderheiten bei den Planungen hinzuweisen:  „Das ist schon ein sehr spezielles Projekt. Es ist im Nachhinein nicht mehr möglich, etwas zu verändern.“ Die zwei Meter dicken Wände seien stumme, aber robuste Zeitzeugen: „Da kann man im Nachgang nichts mehr verändern.“