Krefeld: Auch Hausmüll und Bauschutt landet in der Gelben Tonne

Müllentsorgung : Viel Restmüll in der Gelben Tonne

Die Zahl der Fehlbefüllungen ist stark angestiegen. Schon 400 Abfallbehälter sind deshalb eingezogen worden.

Holger Funke von der Gesellschaft für Stadtreinigung und Abfallwirtschaft Krefeld (GSAK) schlägt Alarm: „Die Zahl der Fehlbefüllungen von Gelben Tonnen ist in den vergangenen zwölf Monaten in Krefeld dramatisch nach oben gegangen.“ Für etliche Kunden des Entsorgers hat das schon Konsequenzen gehabt: 400 Gelbe Tonnen sind von der GSAK eingezogen worden.

Seit zweieinhalb Jahren ist die Stadtwerke-Tochter für die Abfuhr der Gelben Tonne und des Gelben Sacks in Krefeld zuständig. 40 000 Müllgefäße (Inhalt: 120, 240 oder 1100 Liter) hat sie ausgegeben, 3000 mehr als das Vorgänger-Unternehmen. Alle 14 Tage wird geleert. Während dabei in der Anfangsphase die Zahl der Fehlbefüllungen gering gewesen sei, sei sie zuletzt deutlich angestiegen, berichtet Funke.

„Mülldetektive“ kommen
nicht zum Einsatz

Doch wie stellen die GSAK-Mitarbeiter überhaupt fest, dass in der Gelben Tonne Dinge entsorgt werden, die dort nicht hinein gehören? Werden dazu Mülldetektive eingesetzt, wie sie in Kürze auch der Kommunalbetrieb Krefeld auf die Straße bringt, um illegale Müllentsorgung zu bekämpfen? „Müllsheriffs haben wir nicht im Einsatz“, sagt Fuhrparkleiter Funke. Vielmehr setze man auf die Erfahrung der Mitarbeiter.

Diese sind mit vier Fahrzeugen im Stadtgebiet unterwegs, leeren jeweils rund 1000 Tonnen am Tag. Die Behälter sind überwiegend sehr leicht, da darin ja nur Verpackungen aus Metall, Kunststoff und Verbundstoffen entsorgt werden sollen. „Wenn eine Tonne dann besonders schwer ist, ist das für unsere Mitarbeiter sehr auffällig und sie werfen einen Blick hinein“, berichtet Holger Funke. Was finden sie dann in den Tonnen? Bauschutt, Holz und Hausmüll werden auf diesem Weg besonders oft illegal entsorgt.

Wie reagiert die GSAK? Die Tonne wird nicht entleert und bekommt einen roten Aufkleber verpasst. Mit der Bitte um „Nachsortierung“ und um Rücksprache. Insgesamt dreimal wird dieses Vorgehen, falls notwendig, wiederholt. „Nach dem dritten Mal kommt dann eine Mitteilung, dass die Tonne beim nächsten Mal für ein halbes Jahr eingezogen wird“, berichtet Funke. Und genau dies ist mittlerweile schon 400-mal passiert.

Wie aber kann der betroffene Krefelder ohne Tonne seinen Recycling-Müll entsorgen? „Den Gelben Sack können sie weiter nutzen“, sagt der Fuhrparkleiter.  Wer auch diesen zur Entworgung von Bauschutt und Co. missbraucht, bekommt ebenfalls einen roten Aufkleber verpasst. Nützt dies alles nichts, könne der Kunde im letzten Schritt von der Abfuhr sämtlicher Gefäße ausgeschlossen werden. Darüber wird dann auch der Kommulabetrieb informiert. „Tatsächlich haben wir derzeit einen Fall, in dem jemand kurz davor steht.“ Dieser „Supergau“ habe bisher aber noch nicht stattgefunden, so Funke. Fehlbefüllungen gebe es quer durch die Stadt – mit einem erkennbaren Schwerpunkt im Zentrum.

Alles in allem ist der GSAK-Mann aber mit der Wertstoff-Sortierung der Krefelder noch zufrieden: „Die Grundqualität ist nicht so schlecht.“ Manche Fehlbefüllungen seien auch auf Unkenntnis zurückzuführen. Der Klassiker in diesem Zusammenhang ist das Bobbycar. Dieses sei zwar aus Kunststoff, aber natürlich keine Verpackung. Und gehört deshalb nicht in die gelbe Tonne.

Anfragen verunsicherter Haus- oder Wohnungsbesitzer gibt es immer wieder. Darf zum Beispiel der Kunststoff-Topf, den man beim Kauf von Pflanzen für den eigenen Garten übrig behält, in der gelben Tonne entsorgt werden? „Ja, das darf man“, sagt Funke. Denn hier handele es sich ja um eine Verpackung.

Dieses Wertstoffmüll-ABC zu beherrschen, ist nicht immer ganz einfach, Nachfragen bei der GSAK sind deshalb verständlich. Ob die Gesellschaft auch in Zukunft weiter für die Gelbe Tonne in Krefeld zuständig sein wird, ist derzeit offen: Aktuell läuft die deutschlandweite Ausschreibung für einen dreijährigen Zeitraum ab 1. Januar 2020. Auch die Stadtwerke-Tochter muss bis Ende Juli ein Angebot abgeben und hofft auf den Zuschlag. „Hier geht es auch um die Mitarbeiter, um die Arbeitsplätze“, betont Holger Funke. Entscheidend sei der Preis. Mit einem Ergebnis sei Ende August zu rechnen.