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Krefeld: Anwohner gegen Kita vor der Haustür

hmn/Wildkräuter : 340 Unterschriften gegen geplante Kita in der Fischelner Wildkräuter-Siedlung

Eine Anwohnergemeinschaft rund um den Golddistelweg wehrt sich gegen den Neubau eines dreizügigen Kindergartens auf einer öffentlichen Wiese. Auch deshalb, weil die Spielstraßen zusätzlichen Verkehr womöglich nicht aufnehmen können.

In der so genannten Wildkräuter-Siedlung in Fischeln regt sich Widerstand gegen eine geplante Kita am Golddistelweg. Eine der Initiatorinnen ist Tatjana Henrich. Zusammen mit Conny Willems hat sie bislang 340 Unterschriften gesammelt, um „die letzte verbliebene Grünfläche“ in der Siedlung zu retten.

„Ich habe ein ganzes Jahr mit mir gerungen“, spricht Tatjana Henrich über ihren Zwiespalt, gegen ein Projekt zu sein, dass dabei hilft, Engpässe in der Kita-Landschaft zu reduzieren und jungen Eltern selbst in der Nachbarschaft und der Umgebung, die Möglichkeit zu geben, ihre Kinder betreuen lassen zu können. „Ich habe mir schon einige Kommentare anhören müssen. Aber ich bekomme auch viel Zuspruch“, sagt Tajana Henrich, die selbst Mutter ist. Ihre Söhne sind 12 und 14 Jahre alt. Doch sie hat nach eigener Angabe gute Gründe für ihre Kritik.

Beispielsweise diesen, dass die jungen Eltern damals selbst in der Hoffnung in der Siedlung gebaut hätten, um dort auch ihre Kinder in eine Kita vor der Haustür betreuen lassen zu können. „Vor genau 20 Jahren wurde beim Bau der Siedlung den neuen Doppelhaus-Eigentümern eine Kita auf der Grünfläche in der Mitte der Siedlung versprochen, dazu ist es aber nie gekommen.“ Auch Klaus Churt gehört zu diesen Eltern. 2001 ließ er sich in der Siedlung nieder. Mittlerweile sind seine Kinder erwachsen.

Doch die Protagonisten wollen nicht nachtreten. Sie wollen auch keine Fronten in der Siedlung aufbauen. „Natürlich geht es hier um einen Interessenkonflikt. Aber ich möchte argumentativ arbeiten“, sagt die Sprecherin der Anwohnergemeinschaft Wildkräutersiedlung. Und Klaus Churt spitzt zu, worum es ihm geht. „Die Stadt muss mir plausibel erklären, wie sie die verkehrliche Situation gestaltet, wenn der Kindergarten hier gebaut ist.“ Tatjana Henrich ergänzt: „Die Spielstraße hier ist nicht für eine Kita geeignet.“ Auch sie will deshalb gerne ein schlüssiges Verkehrskonzept sehen.

„Wenn hier 40 bis 50 SUVs kommen, wird es gefährlich“, sagt die Mutter und spricht nicht nur über ihre Kinder. Zahlreiche Mädchen und Jungen seien täglich auf den verkehrsberuhigten, engen Straßen unterwegs. „Schon jetzt ist die Parksituation sehr angespannt, wenn dann noch 50 anfahrende und wegfahrende Autos dazu kommen, droht dort auf engem Raum der Verkehrsinfarkt. Dadurch, dass es sich hier um Spielstraßen handelt, gibt es noch nicht einmal Bürgersteige, auf die Fußgänger ausweichen könnten, wenn Autos vorbeifahren.“ Und Conny Willems ergänzt: „Uns fällt jetzt schon auf, dass die Autos viel zu schnell fahren.“

Aber die Anwohner sehen auch die sozial-ökologische Bedeutung der Wiese, dem letzten Fleckchen Grün vor Ort. „Die Grünfläche ist die kleine grüne Lunge der Siedlung und beliebter Treffpunkt für alle Altersgruppen. Von der Infrastruktur gibt es zwar einen Spielplatz am Erftweg, dort dürfen aber nur die unter 15-Jährigen toben. Am Rand der Siedlung sind entweder Äcker, die gerade selbst zu Bauland werden oder welche, auf denen man kein Fußball spielen kann.“

Die Anwohner regen insgesamt an, eine große Kita mit sechs Zügen in dem Neubaugebiet jenseits der Wilicher Straße statt der geplanten dreizügigen in der Siedlung zu planen.