Krefeld: Anstoss hilft seit 20 Jahren

Hilfe für Langzeitarbeitslose : „Anstoss“ hilft seit 20 Jahren

Die Beschäftigungsinitiative integriert unter anderem Langzeitarbeitslose in ihre zwei Unternehmen.

Oftmals reicht schon ein kleiner Schubser, um einem Menschen zu helfen und ihn nach vorne zu bringen. Das wissen die Mitglieder der Krefelder Emmaus-Gemeinschaft. Aus dieser Vereinigung ging vor 20 Jahren „Anstoss“ hervor. Das Jubiläum wird im September gefeiert. „Wir möchten Menschen, die Probleme haben, durch eine praxisnahe Mitarbeit bei uns die Möglichkeit geben, sich sowohl Strukturen am Arbeitsplatz aufzubauen, als auch fachliche Kompetenzen anzueignen“, berichtet Anstoss-Vorsitzender Alfred Kuhn. „Wir sind eine Beschäftigungsinitiative mit zwei Tätigkeitsfeldern: Einem professionellen Meisterbetrieb im Garten- und Landschaftsbau und einem Fahrradrecycling mit angeschlossenem Zweiradverkauf.“

Die Tage bekommen durch Gartenarbeit wieder eine Struktur

Da ist beispielsweise Hans (54). „Der Obdachlose kam in unseren Tagestreff, um eine Mahlzeit zu bekommen. Dort bauen wir auch Gemüse an“, erzählt der Vorsitzende. „Schnell hat er bei der Gartenarbeit mitgemacht. Sein Tag hat Struktur bekommen und er einen Ein-Euro-Job. Wir halfen ihm dann, eine Wohnung zu finden, begleiteten ihn zur Schuldnerberatung. Dann wurde er im Jobcenter registriert. Heute hilft er bei der Pflege des Außengeländes des Kinderbauernhofes Mallewupp.“

Um Menschen, die eine schwere Vergangenheit mit Drogen, Kriminalität oder Geldproblemen haben, in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen, gibt es die beiden Betriebe. „Wir arbeiten mit Fachkräften, festen und ehrenamtlichen Mitarbeitern“, berichtet Markus Lechner, Geschäftsführer von Anstoss. „Gemeinsam mit unserem Sozialpädagogen möchten wir Menschen, die aus welchem Grund auch immer arbeitslos geworden sind, dabei unterstützen, ein neues Bewusstsein für ihre Fähigkeiten zu entwickeln, eigenverantwortliches Handeln zu lernen, ihre Teamfähigkeit zu entwickeln oder auszubauen und schließlich ihren beruflichen Werdegang selbst in die Hand zu nehmen.“ Leider schaffen nur wenige den Sprung. „Wir haben fünf bis zehn Prozent Vermittlungsquote.“

Lechner selbst ist Garten- und Landschaftsbaumeister und mit seinem Team im Garten der Alten Kirche tätig. „Wir verlegen hier neue Wege“, berichtet er. „Die Leute, die hier tätig sind, wurden von uns früher gefördert und sind jetzt Mitarbeiter.“

Die Fahrradwerkstatt ist das zweite Standbein und Tätigkeitsfeld für Langzeitarbeitslose. „Wir holen oder bekommen alte Räder und reparieren sie unter dem Motto: Aus zwei kaputten mache ein laufendes. Die verkaufen wir und nutzen dieses Geld, ebenso wie das des Garten- und Landschaftsbaus für Projekte von Anstoss“, erklärt Kuhn. „Wir sind offen für alle Mitmenschen jeder Herkunft und für Menschen mit Handicap. Wir bieten Schülern, jungen Leuten in der Berufsfindungsphase und Studierenden eine Möglichkeit zum Praktikum.“

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