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Krefeld: Amazon will das Lkw-Problem entlasten

Lkw-Ärger in Gellep-Stratum : Amazon will bei Lkw-Problem unterstützen

Sanitärraum und Sonntags-Parkplatz sind im Gespräch. CDU-Ratsherr fordert „runden Tisch“.

Das Unternehmen Amazon im Hafen hat auf die Kritik der Anwohner an den wild parkenden Lkw-Fahrern in Gellep-Stratum reagiert. Auch der CDU-Ratsherr Ulrich Lohmar meldet sich zu Wort, nachdem die WZ über die immer noch anhaltenden Beschwerden von Bewohnern berichtet hat. Er fordert nun einen „runden Tisch“.

Amazon unterhält zwischen dem Heidbergsweg und der Bataverstraße ein Sortierzentrum: „Wir möchten ein guter Nachbar sein und haben schon viel unternommen und investiert. Wir haben den Hof angepasst, damit Lkw auf unserem Parkplatz warten können“, sagt Sprecherin Nadiya Lubnina. Für die Lastwagen-Fahrer seien sanitäre Anlagen in Aussicht: „Unser Gebäude verfügt über Lounge-Räume für Lkw-Fahrer mit Toiletten und kostenlosen warmen Getränken. Diese werden in den kommenden Wochen ausgebaut und mit Duschen ausgestattet.“ Insgesamt sollen es bereits 72 Stellplätze sein. Lastwagen könnten auf dem Hof warten, bis sie abgefertigt werden. Parkmöglichkeiten am Sonntag würden geprüft. Der Standortleiter stehe in ständigem Kontakt mit den Anwohnern und habe ein offenes Ohr für die Anliegen.

Ratsherr beschäftigt sich schon seit 2013 mit den Problemen

Ulrich Lohmar kennt den Ärger der Anwohner in Gellep-Stratum mit den wild parkenden Lastwagen. Der CDU-Ratsherr und Vorsitzende des Ortsverbandes Gellep-Stratum blickt dabei schon auf eine lange Entwicklung und Geschichte zurück. Seit 2013 befasst sich der 59-jährige Juwelier und Uhrmacher mit den Problemen in seinem Ratswahlkreis. „Der Hafen ist enorm expandiert. Die Infrastruktur ist aber leider nicht mitgewachsen“, sagt er. Nicht nur die Familie Kreutz-Drechsel am Castellweg, die jüngst gegenüber dieser Redaktion ihrem Ärger Luft machte, auch andere Anwohner seien unzufrieden mit dem aktuellen Zustand. Die Hinterlassenschaften der Lkw-Fahrer, die rund um den Krefelder Hafen übernachten oder längere Pausen einlegen, teils bei laufendem Motor, um die Kühlung aufrecht zu erhalten oder Strom zu produzieren. „Wir haben da große Probleme“, sagt der Christdemokrat, der den Zustand nicht mehr länger hinnehmen will. „Ich will jetzt einen ,runden Tisch’ mit Politik, Verwaltung, Hafen und Firmen. Das wäre ein gutes Signal für die Leute.“

Die Gelleper wüssten ja, so Lohmar, dass sie sich mit der Industrie anfreunden müssen, wenn sie in diesem südöstlichen Stadtteil Krefelds leben. Doch es sei einfach jetzt zu viel. „Für diese Menschen muss etwas gemacht werden. Überall stehen die Lastwagen herum. An das Thema müssen wir jetzt mal richtig ’ran.“

120 Einwohner lebten am Randgebiet des Rheinhafens mit seinen Zufahrtstraßen und Firmenarealen. Ein Parkplatz vor der Firma Siebert an der Fegeteschstraße sei schon von den Lkw beschädigt worden, wenn diese einen Ruheplatz suchten, meint der Ratsherr. „Der ist schon völlig kaputtgefahren“, sagt Lohmar. Im vergangenen Jahr wollte die CDU schon den Parkplatz für Pkw wieder herrichten lassen. Zudem wurde beantragt, eine Anliegerstraße für den Castellweg einzurichten nach dem Motto: Wenn die Lkw entladen sind, haben sie keinen Grund mehr, die Wege an den Wohnhäusern vorbei zu nutzen. Eine Verkehrsschau fand bereits statt. Die Schilder sollen bald folgen, so die Hoffnung. Während der Corona-Pandemie ruht jedoch erst einmal auch der große Politik-Betrieb. Neue Anträge gibt es derzeit nicht.

Das Problem: Der gesamte Lkw-Verkehr von der Autobahn 57 in den Hafen rollt durch die Ortschaft. Parkplätze für Lastwagen sind rar, nicht ausreichend für den Bedarf. Auch am Oppumer Großmarkt hat Ulrich Lohmar schon welche entdeckt. Bekannt sind wild parkende Lkw auch in Hüls und Fischeln. Lohmar zeigt aber auch Milde und Empathie für die Fernfahrer: „Das sind ganz arme Leute. Eine Übernachtung im Hotel wollen die sich von ihrem Lohn nicht leisten.“