Krefeld 2025: Wenn das Lieblingsshirt duftet

Krefeld 2025: Wenn das Lieblingsshirt duftet

Kleidung, die Schmutz abweist, Strom erzeugt oder Medikamente speichert — laut dem Deutschen Textilforschungszentrum Nord-West wird das künftig möglich sein.

Krefeld 2025. Der Traum ist so alt wie die Geschichte der Mode: Am Ende des Tages ist die Kleidung immer noch frisch, sauber und knitterfrei. Ein Wunsch, der heute zum Leidwesen der Träger nur mäßig erreichbar scheint. Doch es wird daran gearbeitet. Im Jahr 2025 könne durchaus Mode alltäglich sein, die den Schmutz gar nicht erst aufnimmt, unerwünschten Geruch gar nicht erst aufkommen lässt und sogar den Lieblingsduft verströmt, sagt Professor Dr. Jochen Gutmann vom Deutschen Textilforschungszentrum Nord-West (DTNW).

Das in Krefeld ansässige Institut forscht in vielerlei Hinsicht an der Verbesserung von Textilien, auch physikalisch, chemisch und biotechnologisch. „Motor sind meist die technischen Textilien“, erklärt Gutmann. Also Stoffe, die technisch-industriell eingesetzt werden wie etwa für Autositze oder Schutzkleidung. „Die Bekleidungsindustrie wird da eher Trittbrettfahrer sein.“ Sprich: Die Mode profitiert von den Entwicklungen der Industrie.

Beispiel Photovoltaik: Das DTNW hat eher für technische Anwendungen sogenannte flexible, textil-basierte Dünnschicht-Solarzellen entwickelt. Eine Chance auch für die Mode. „In punkto Elektronik sind bisher eher Geräte wie etwa ein MP3-Player in gewöhnliche Kleidung eingenäht worden. Das ist nicht wirklich innovativ“, findet Arbeitsgruppenleiter Dr. Torsten Textor. „Wir machen dagegen ein Textil, das selbst eine Solarzelle ist.“ Damit könnte dann zum Beispiel mit der Jacke das Handy aufgeladen werden. „Oder ein Lawinenwarngerät.“

Apropos Elektronik: Die könnte auch im Hinblick auf die alternde Gesellschaft eine Rolle in der Bekleidung spielen, etwa mit integrierten Sensoren, die die Körperfunktionen überwachen. Für die Medizin spielen auch derart behandelte Textilien eine Rolle, die Substanzen speichern können. Cyclodextrine zum Beispiel, aus Stärke gewonnen, können dauerhaft auf Textilien verankert werden. Damit lassen sich etwa pflegende oder medizinische Substanzen gleichmäßig an die Haut abgeben, gezielt an einer Wunde platzieren oder eben auch Duftstoffe speichern, die beim Tragen freigesetzt werden.

„Textilien werden immer mehr zusätzliche Funktionen übernehmen“, ist sich Gutmann sicher und erhält Schützenhilfe von Ute Detering, Professorin an der Hochschule Niederrhein: „Wir haben eine alternde Gesellschaft. Daran wird sich die Mode anpassen“, ist sie überzeugt. Insofern werde auch die Funktionalität wichtiger werden. „Die Ansprüche an Kleidung steigen.“

Übrigens auch, was die Nachhaltigkeit angeht. Dem entspreche die Produktion von Baumwolle zum Beispiel mit dem Einsatz von Pestiziden oder ihrem Flächenverbrauch derzeit ganz und gar nicht, erläutert Gutmann. Er geht davon aus, dass in Zukunft alternative nachwachsende Rohstoffe eine große Rolle spielen werden, sprich: Zellstoff oder Hanf. Aus Zellstoff werden Viskose-Fasern hergestellt.

Nachhaltigkeit werde aber auch in der Ausrüstung der Textilien, also in der Weiterbehandlung des Materials, wichtiger werden. Das fängt dabei an, belastete, textile Abwässer aufzuarbeiten und daraus Biogas zur Energieproduktion zu gewinnen. Das DTNW forscht außerdem an Modifikationen von Textilien mit sogenannten Biopolymeren, um den Tragekomfort von Bekleidungstextilien durch die Ausrüstung mit nachwachsenden Rohstoffen zu erhöhen. Die könnten etwa dafür sorgen, dass das Textil besser den Schweiß aufnimmt oder Bakterien und damit Gerüche keine Chance haben.

Und damit zurück zum ältesten Traum der Modegeschichte: Torsten Textor forscht mit seiner Arbeitsgruppe im Bereich der sogenannten Nanotechnologie. „Damit machen wir uns zunutze, dass sich die Eigenschaften eines Materials dramatisch verändern, wenn es auf wenige Nanometer reduziert wird.“ Und damit lassen sich etwa Schichten erzeugen, die vor zu starker Sonneneinstrahlung schützen, aber eben auch schmutzabweisende Textilien mit dem sogenannten Lotuseffekt. Fleckige Shirts sollten dann kein Kopfzerbrechen mehr bereiten . . .

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