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Krankenhausriese kauft das St. Josefshospital in Krefeld

Medizinische Versorgung in Krefeld : Krankenhausriese kauft das St. Josefshospital

Helios dehnt seine Aktivitäten in Krefeld und Duisburg aus. Malteser geben Krankenhäuser in andere Hände.

Das St. Josefshospital in Uerdingen kommt in neue Hände. Das Krankenhaus, das bisher von den Maltesern betrieben wurde, geht  an einen der größten Klinikversorger Europas  – an Helios. Eine entsprechende Vereinbarung wurde am Donnerstag von der Malteser gemeinnnützige GmbH und der Helios Kliniken GmbH unterzeichnet. Über den Kaufpreis, so Helios-Sprecherin Marina Dorsch auf Nachfrage, sei Stillschweigen vereinbart worden.

Die beiden an der Vereinbarung Beteiligten geben sich zufrieden mit dem Geschäft. Die Malteser hatten sich im Herbst 2019 entschieden, sechs ihrer insgesamt acht Akutkrankenhäuser in neue Trägerschaft zu überführen. Hintergrund dieser Ausstiegsstrategie ist laut den Maltesern, dass sie aufgrund steigender Kosten und sinkender Vergütungen  mit ihren Strukturen und ihrer finanziellen Ausstattung eine hochwertige medizinische und pflegerische Versorgung „nicht an allen Standorten nachhaltig sicherstellen können“.

Hier kam dann wohl auch die vom Land Nordrhein-Westfalen zugesagte Finanzspritze zu spät beziehungsweise wurde wohl auch in den Kaufpreis zur Übernahme eingepreist: Ein durchaus erklecklicher Teil des aktuellen Sonderinvestitionsprogramms des Landes geht nämlich an das St. Josefshospital: knapp 1,5 Millionen Euro. Über dieses Geld dürfte sich nun der neue Träger, eben Helios,  freuen. Übrigens gehen auch ans Helios-Klinikum Krefeld knapp 10,7 Millionen Euro dieser Mittel. 620 000 Euro gehen an die Klinik Königshof und 3,5 Millionen Euro an das Krankenhaus Maria-Hilf.

Helios verkündete am Donnerstag nicht nur die Übernahme des St. Josefshospitals. Gleichzeitig wird auch das Malteser-Klinikum in Duisburg mit zwei Standorten und insgesamt 608 Betten und 1345 Mitarbeitern übernommen. Im Mai hatte sich Helios bereits das Malteser Krankenhaus „Seliger Gerhard“ in Bonn mit 400 Betten einverleibt.

St. Josef: 262 Betten,
392 Mitarbeiter, 9300 Patienten

„Dass wir drei Monate nach dem Erwerb des Krankenhauses in Bonn nun auch die Kliniken in Duisburg und Krefeld von den Maltesern übernehmen dürfen, verstehen wir als großen Vertrauensbeweis“, sagte der Helios-Vorsitzende Francesco De Meo. „Zusammen mit unseren bereits bestehenden Einrichtungen werden wir den Menschen in dieser Region künftig noch bessere, auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmte Versorgungsangebote unterbreiten können, bei denen ambulante und stationäre Behandlung Hand in Hand gehen.“ Man freue sich auf die Zusammenarbeit mit den neuen Kolleginnen und Kollegen.

Auch aus der Sicht desjenigen, dem die Krankenhäuser bislang gehörten, scheint alles in bester Ordnung. Helios-Generalbevollmächtigter Karl Prinz zu Löwenstein betont: „Die Malteser haben Helios auch beim Trägerwechsel des Krankenhauses in Bonn als zuverlässigen Gesprächspartner und engagierten Träger kennengelernt. Wir haben daher auch für die Standorte in Duisburg und Krefeld-Uerdingen das Gespräch mit Helios gesucht und können nun die Häuser mit den zugehörigen Einrichtungen in gute Hände überführen.“

Nur, was heißt das? Was bedeutet es für das St. Josefshospital mit seinen 392 Mitarbeitern? Und was bedeutet das für die Patienten? Allein 2019 wurden in dem 262-Betten-Krankenhaus nach Angaben des bisherigen Trägers 9300 Patienten behandelt. Der Hauptfokus des Hauses liegt in den Bereichen Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Allgemeine Chirurgie und Innere Medizin.

Allzu viel kann Helios-Sprecherin Marina Dorsch dazu noch nicht sagen. Sie betont, dass die Standorte in Krefeld und Duisburg auf beiden Seiten des Rheins „eine Achse bilden“. Damit seien „ideale Voraussetzungen für die Bildung eines starken Verbundes mit einem vollständigen Leistungsangebot auf höchstem medizinischen Niveau“ gegeben. Dorsch umreißt das Ziel: „Es ergibt sich die große Chance, bestehende Konkurrenzverhältnisse zugunsten der Bildung spezialisierter regionaler Zentren und medizinischer Leuchttürme aufzulösen und Patienten künftig eine noch bessere Medizin aus einer Hand anzubieten.“ Man sei überzeugt, „dass es Sinn macht, dass die Krefelder Anbieter stationärer Krankenhausversorgung enger zusammenrücken und sich darauf konzentrieren, ihre guten Leistungen weiter aufeinander abzustimmen“.

Übrigens: Das Engagement der Malteser im Geschäftsbereich „Wohnen und Pflegen“ bleibt vom Trägerwechsel der Akutkrankenhäuser unberührt. Die 15 Pflegeeinrichtungen, das Hospiz St. Raphael sowie die zwei ambulanten Pflegedienste in der Region werden ebenso wie alle weiteren Tätigkeiten des Malteser Hilfsdienstes oder der Malteser Werke unverändert fortgesetzt.