Talentwettbewerb: Krähe für „Das Lumpenpack“

Talentwettbewerb: Krähe für „Das Lumpenpack“

Die Sieger des beliebten Talentwettbewerbs wurden im Stadtwaldhaus geehrt.

Krefeld. Im Stadtwaldhaus wurden am Samstagabend mit dem brillanten Auftritt der Newcomer „Das Lumpenpack“ künftige Stars der Kabarettszene geboren. Diese Meinung teilten sich einhellig Experten wie auch das Publikum, das das Duo am Ende mit stehenden Ovationen feierte. Die begehrte „Krefelder Krähe“ wurde von „Krähenvater“ Jochen Butz und seinem Nachfolger Stefan Erlenwein an Max Kennel aus Landau und Jonas Meyer aus Bamberg überreicht, versüßt um das Preisgeld von 5000 Euro.

Das kongeniale Duo überzeugte mit spitzbübischem Charme und enormer Spielfreude und riss das Publikum mit einem musikalischen Potpourri aus geistreicher Unterhaltung mit. Neben ihrem großartigen Talent verfügen sie über alle Zutaten, die man für diesen Job braucht.

Da ist einmal die nötige Portion Frechheit, wie sie speziell jungen Menschen zu eigen ist. Hinzu kommt ein untrügliches Gespür dafür, was beim Publikum ankommt. Ein Beispiel dafür ist die Kenntnis des Krefelder Lokalkolorits, die man sich zunächst einmal aneignen muss.

Vor allem überraschende Gedankensprünge sorgen für Heiterkeit. Dass es überhaupt ein Leben vor 12 Uhr mittags gibt, sei eine Idee der Kaffeeindustrie, scherzen die beiden. Und machen sich im nächsten Augenblick Gedanken darüber, ob ihr Beruf sie nicht zu Medienhuren macht. Topaktuell sinnieren sie darüber, wie wohl die Zugrückfahrt am folgenden Tag mit einem großen Rabenvogel im Gepäck von den Fahrgästen aufgenommen werde.

Nicht verheimlichen wollen die beiden ihre Poetry-Slam-Vergangenheit, die in einem glänzenden Solo von Gitarrist Max Kennel gipfelte. Sein schlagfertiger Partner Jonas Meyer konterte mit grotesk-komischen Vierzeilern. Beispiel:

„Es war einmal ‘ne Schlange, die teilte sich entzwei. Der Grund dazu ein Aufruf: Es öffnet Kasse drei.“

Der tosende Applaus für die Sieger des Wettbewerbs übertönte etwas die Leistung des Zweitplatzierten „Lorman“ Lorenz Böhme aus Aachen (3000 Euro) und der dritten Preisträgerin „De Frau Kühne“ alias Ingrid Kühne aus Xanten (2000 Euro). Lorman überzeugte mit klassischem Politikkabarett und bissigem Wortwitz. Kühne brillierte selbstironisch mit dem Modell Großfamilie, der sie humorvoll den Spiegel der Beschränktheit vorhielt.

Wieder einmal haben die „Krähen“ mit der Auswahl der Wettbewerber ihr „gutes Näschen“ für Nachwuchstalente bewiesen. Dem Siegerpaar darf man getrost die gleiche steile Karriere zutrauen wie den früheren Preisträgern der Krähe. Und sich schon darauf freuen, wenn sie im nächsten Jahr in Krefeld wieder zu Gast sind.

Mehr von Westdeutsche Zeitung