Kliniken buhlen um ausländische Patienten

Kliniken buhlen um ausländische Patienten

Helios und Alexianer punkten im Ausland mit Diagnostik, kurzen Wartezeiten und Festpreisen für Behandlungen.

Krefeld. Krefeld ist vermehrt das Ziel wohlhabender Russen oder Araber. Sie kommen nicht zum Einkaufen zur „Größten Straßenmodenschau der Welt“ oder zu einer hochkarätigen Ausstellung in die von Mies von der Rohe gebauten Häuser Lange und Esters, sondern um sich hier auf den Operationstisch zu legen. Ebenso wie zahlreiche Niederländer und Engländer, die das medizinische Angebot im Helios Klinikum und im Krankenhaus Maria Hilf zu schätzen wissen.

Das deutsche Gesundheitssystem bietet dieser wachsenden Patientengruppe etwas, was sie in ihrer Heimat häufig vermissen: Hohe medizinische Standards, kurze Wartezeiten und bezahlbare, günstige Preise. Während in den USA als einstiges Lieblingsziel wohlhabender, kranker Araber eine Prostatakrebs-Operation bis zu 44 000 Euro kostet, sind in Deutschland etwa 15 000 Euro fällig. Auch niederländische Krankenkassen wissen diese für alle Patienten gültigen Abrechnungssätze (Fallpauschaulen-System) zu schätzen. Mehrere Versicherungsträger haben mit den Krefelder Kliniken entsprechende Versorgungsverträge abgeschlossen.

„Holländische Patienten werden gezielt in das Krankenhaus Maria-Hilf überwiesen, vor allem wegen der Wirbelsäulenchirurgie“, sagt Pressesprecher Frank Jezierski. In Kooperation mit dem im Facharztzentrum (FAZ) Krefeld ansässigen Wirbelsäulenzentrum könne das Krankenhaus am Dießemer Bruch eine besondere Expertise vorweisen.

Darüber hinaus kämen vereinzelt Patienten sowohl aus Russland als auch aus dem Nahen Osten zum Check oder zur Behandlung in die Klinik für Chirurgie oder Urologie. Auf das Krankenhaus aufmerksam geworden sind sie auf verschiedenen Wegen. Vor zwei Jahren hat sich das Krefelder Haus erstmals an einem Stand des Landes NRW in Dubai auf der Gesundheitsmesse „Arab Health“ vorgestellt.

„Doch in erster Linie zählen die persönlichen Kontakte unserer Mediziner“, erklärt Jezierski. Dazu gehören aus der Inneren Medizin Dr. Andreas Leischker, der im saudi-arabischen Riad gearbeitet hat oder in der KinderUrologie das Engagement von Professor Dr. Susanne Krege im Nahen Osten. Sie korrigiert angeborene Fehlbildungen im Urogenitalbereich. Jezierski: „Insgesamt behandeln wir im Jahr derzeit 20 bis 30 Patienten aus dem Ausland.“

Auch das Helios-Klinikum behandelt internationale Patienten. „Die Zahl der internationalen Patienten, die 2011 in Krefeld behandelt wurden, ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen“, sagt Unternehmenssprecherin Marina Dorsch. Vor allem wegen orthopädischer, kardiologischer und neurochirurgischer Behandlungen reisen Patienten aus den Niederlanden ebenso wie aus Russland oder den arabischen Ländern zum Lutherplatz. Wie viele das im Jahr sind, will Helios allerdings nicht verraten. Konzernweit übernimmt die extra für diese Aufgabe in Krefeld eingerichtete Anlaufstelle „Helios healtcare international“ die Vermittlung und Organisation.

Auf Initiative von Henning Michel ist die Zusammenarbeit mit hiesigen Hotels zustande gekommen. Der Manager des Mercure Parkhotel Krefelder Hof hatte vor einem Jahr die Idee dazu aus München mitgebracht. Seither bietet sein Haus ein „Gesundheitspaket“ für Angehörige von Patienten an sowie eine Festpreisgarantie für Patienten selbst, die bereits am Sonntag vor dem Behandlungsbeginn anreisen.

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