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Klimaschutz im Trend: Krefelder Grüne wachsen wie nie zuvor

UMWELTSCHUTZ-THEMEN PUNKTEN : Klimaschutz im Trend: Krefelder Grüne wachsen wie nie zuvor

40 neue Mitglieder sind allein in den vergangenen sechs Monaten in die Partei eingetreten. Das ist rund ein Fünftel der nun 210 Mitglieder. Bei CDU, SPD und FDP stagnieren die Zahlen.

Björn Petri ist frischer Bündnis-Grüner. Der 39-Jährige, gebürtig aus Hamm in Westfalen, wohnhaft in Hüls und Projektleiter in der Software-Entwicklung, ist Anfang Oktober 2018 Mitglied der Krefelder Partei geworden. Allein in diesem Jahr haben 40 Männer und Frauen das gleiche getan. Damit liegt der Krefelder Kreisverband bei 120 Mitgliedern. Im Durchschnitt sind sie 51 Jahre alt. Der Trend bei den Bündnis-Grünen ist ein bundesweites Phänomen. 2018 sind rund 10 000 Menschen beigetreten: Erstmals kommt die Partei auf mehr als 75 000 Mitglieder.

Das anhaltende Wachstum erklärt der Kreisverbandsvorsitzende Karsten Ludwig (26) vor allem damit, dass „das Thema Klimaschutz in der öffentlichen Meinung vor allem im letzten halben Jahr wichtig geworden ist“. Die Menschen hätten Lust, „auch etwas zu machen, und wir als Grüne werden als glaubwürdig wahrgenommen“. Bis in die Krefelder Stadtbezirke hinein wollten „die Leute etwas tun“. Als Gründe, die er von Neumitgliedern gehört habe, zitiert Ludwig zum Beispiel den Satz „Ich kann vor meinen Kindern nicht verantworten, dass ich nix getan habe.“

Neumitglied Björn Petri hat zwar keine Kinder. Aber auch sein Argument ist, dass „mir die grünen Themen Umwelt- und Klimaschutz am Herzen liegen“. Es werde viel über die Politik gemeckert. „Ich wollte nicht meckern, sondern machen“, sagt der Hülser. „Wir müssen das Problem des Klimawandels jetzt lösen. Es ist jahrzehntelang verschlafen worden.“ Bekannte und Familie hätten erst gedacht, es sei eine Spinnerei. „Sie haben gefragt: Was willst du denn da? Jetzt, da sie sehen, dass es mir ernst ist, habe ich viel Rückendeckung“, sagt der 39-Jährige, der sich vorgenommen hat, auch bei der Kommunalwahl für den Stadtrat zu kandidieren. „Ich will etwas bewegen. Ich kann mir sogar später Landtag oder Bundestag vorstellen.“

Für die Partei in Krefeld bedeutet die Aufwärtsbewegung – lediglich fünf Mitglieder traten im ersten Halbjahr 2019 aus – auch, dass Strukturen „enorm wachsen“, sagt der Kreisverbandsvorsitzende Ludwig. Die Aufgaben können nun auf mehr Schultern verteilt werden. „So konnten wir auch vor einem Dreivierteljahr ein neues Kennlernformat stemmen“, erläutert. Jeden zweiten Donnerstag im Monat treffen sich dabei neue und „alte“ Mitglieder. Auch Neumitgliederbeauftragte gibt es jetzt, „die total ausgelastet sind“. Ludwig rechnet vor der Kommunalwahl noch einmal mit einem Schub. Wobei man bei den Grünen nicht Parteimitglied sein muss, um für sie für den Stadtrat zu kandidieren. „Wir hatten schon mehrfach Ratsmitglieder, die in der Zeit keine Grünen waren – aus Verbänden, Vereinen, der Bürgerschaft.“

Ganz anders sehen die Zahlen derzeit bei CDU, SPD und FDP aus. Die CDU hat allerdings grundsätzlich eine breite Basis. Rund 1200 Mitglieder sind es in Krefeld aktuell. Im ersten halben Jahr sank die Zahl leicht bei 25 Eintritten, aber auch 26 Austritten und neun verstorbenen Mitgliedern. „In den 1970ern und 1980ern sind viele unserer Mitglieder eingetreten und haben nun ein gewisses Alter erreicht“, sagt der Krefelder CDU-Geschäftsführer Georg Alfes dazu. Das Durchschnittsalter liegt bei 63 Jahren. Unter 35 Jahren gibt es knapp 100 CDU-Mitglieder in der Stadt. Der Wechsel von der Jugendorganisation der Christdemokraten, der Jungen Union, zur CDU wird in der Regel mit 35 Jahren vollzogen, wird noch ein Amt bekleidet, maximal mit 37 Jahren. Vorher können die JU-Mitglieder aber auch gleichzeitig in der CDU sein.

Die SPD hatte am 1. Januar 958 Mitglieder (20 Prozent im Alter 50 bis 59, 20 Prozent 60 bis 69 Jahre alt, die meisten anderen jünger). In neuesten Statistik mit Stand vom 1. Mai sind es nun 939 Mitglieder, also 19 weniger. „Das ist ein allgemeiner Trend, den wir über die Jahre haben“, sagt der Krefelder SPD-Parteivorsitzende Ralph-Harry Klaer. Es gebe sich wiederholende Zyklen. „Seit zehn Jahren gibt es einen moderaten Abwärtstrend. Aber wenn öffentliche Abstimmungen bevorstehen, gibt es wieder Eintritte. Das zieht immer Leute rein.“ Damit rechnet er jetzt auch. Denn bis zum 14. September können alle SPD-Mitglieder über den Parteivorsitz auf Bundesebene entscheiden, bevor der Parteitag im Dezember die Doppelspitze küren wird.

Bei der FDP hat sich in den vergangenen sechs Monaten nicht viel getan. „Wir haben keine große Fluktuation, haben nicht von der Europawahl profitiert“, sagt Florian Philipp Ott, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Liberalen in Krefeld. Derzeit sind 181 Krefelder Mitglied der FDP in der Stadt. Im ersten halben Jahr des laufenden Jahres traten neun Männer und Frauen ein, sieben traten aus beziehungsweise zogen weg oder starben. Zu den Gründen der Ein- und Austritte meint Ott: „Dazu etwas zu sagen, das wäre Kaffeesatzleserei.“ Zwischen 2013 und 2017, als die FDP nicht im Bundestag saß, habe es die schlechtesten Zahlen gegeben. „Da lagen wir in Krefeld mal so bei 165. Kurz vor der Bundestagswahl 2017 sind sie aber wieder hochgegangen.“