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Comedy: Kleinkunst-Fest: Es hat sich ausgelacht

Comedy : Kleinkunst-Fest: Es hat sich ausgelacht

1200 Besucher kamen zum Lachblüten-Festival in den Botanischen Garten. Die Veranstalter sind zufrieden. Denn die Abende waren fast immer ausverkauft.

Bockum. Das Lachblüten-Festival unter freiem Himmel im Blütenmeer des Botanischen Gartens hat sich zu einem Magneten für fröhliche Menschen entwickelt. „Wir waren an allen neun Abenden mit durchschnittlich 140 Besuchern so gut wie ausverkauft“, freut sich Podio-Chef und Moderator Rüdiger Höfken. Sowohl die beiden Soloauftritte zur Wochenmitte als auch die Mix-Veranstaltungen mit jeweils drei Humoristen kamen beim Publikum bestens an. „Selbst die Künstler sind immer wieder vom familiären, mitgehenden Publikum begeistert“, berichtet Höfken.

Die WZ hatte schon zum Auftakt des Festivals berichtet, als auf der Bühne die Lichter ausgingen. An den restlichen Tagen blieben unliebsame Überraschungen aus. Auch am Samstag stimmte wieder die Mischung des Programms — diesmal mit drei Comedians aus südlichen Gefilden. Martin Frank feierte seine Krefeld- und NRW-Premiere als „junger Naiver“. Als technisch unbegabter Sohn eines Landwirts wuchs er in einem Dorf nahe von Passau mit den Lebensweisheiten seiner Oma auf, erzählt er: „Erst kommt das Rindviech — dann Du.“

Dass sich das auch beim Einsteigen in die Münchner U-Bahn bewahrheitete, überraschte den 25-Jährigen dann doch, wo sich das Landei mit den Gepflogenheiten der Großstadt schwertat. Zum Entsetzen seiner Eltern verschlug es den gelernten Standesbeamten und Kirchenorganisten an die dortige Schauspielschule. Außerdem ließ sich der musisch veranlagte Künstler in Operngesang ausbilden, was er im Botanischen Garten mit eindrucksvoller Stimme bewies. „Klassische Musik beruhigt“, verkündete er, sang auf Italienisch und schaffte es, dass das Publikum den Refrain auf Bayrisch mitsang. Es hatte an dem unverbrauchten talentierten Komiker sichtlich Spaß.

Mit Robert Mohor bereicherte ein echter Wiener Kabarettist, Autor und Schauspieler das Programm. Der in Österreich bekannte Komiker mit ungewöhnlicher Ausbildung als Offizier im Bundesheer verschrieb sich erst spät der Kunst. In Krefeld räumte er mit dem Vorurteil auf, der Wiener sei lustig. Der habe vielmehr einen spröden Charme und sei bösartig. „Ich mag Sie nicht, würde Ihnen das aber nie sagen“, teilt er dem Publikum mit. „Wir mögen am Liebsten Touristen, wenn’s nicht wiederkommen“, lässt er Wiener Schmäh walten.

Mohor formuliert scharf, spitz und immer etwas hintergründig. So beklagt er sich, er habe sich im Flug von Österreich nach Deutschland von einer Flugbegleiterin über den Gebrauch von Schwimmwesten belehren lassen müssen. „Ich habe auf dem ganzen Weg kein Meer gesehen“, ätzt er. Aber einen Fallschirm habe er an Bord nicht kaufen können, wo er doch an Flugangst leide — beziehungsweise Angst vorm Abstürzen habe.

Olaf Bossi aus Stuttgart unterhielt das Publikum mit Musikkabarett: frech, mit schwarzem Humor und viel Satire. Makaber zum Beispiel, wenn er Ursula von der Leyen eine Militär-Nachwuchswerbung am Computer empfiehlt, um den zielorientierten Abschuss per Knopfdruck zu erlernen — wo das Homeoffice doch im Trend liege.

Dabei kommt der 46-jährige deutsch-italienische Musiker und Songwriter mit heimlicher Liebe zum Schlager eher im Gewand des wohlerzogenen charmanten Schwiegersohns daher. „Schlager ist nichts anderes als Rosamunde Pilcher für die Ohren“, sagt er und intoniert einen Urlaubsschlager zum Mitklatschen.

Der Text ist Satire pur: Ein völlig misslungener Urlaub wird als der schönste aller Zeiten gefeiert. Zum Schluss sprach er mit einem nicht enden wollenden Schlaflied allen Eltern aus der Seele, die das Problem schlafloser Nächte kennen, weil ihr Kind nicht einschlafen will.