Zoo Krefeld: Kleiner Tambo hilft trauriger Affendame Oya

Zoo Krefeld: Kleiner Tambo hilft trauriger Affendame Oya

Nach drei Totgeburten führt die Affendame nun ein glückliches Leben als Tante der Jungtiere im Gorillagarten.

Krefeld. Tambo wird ordentlich durchgekitzelt. Das macht nicht nur dem zweieinhalbjährigen Gorilla viel Spaß, sondern auch Oya. Die Affendame, die vor drei Jahren regelrecht depressiv war, ist aufgeblüht. Nach drei Totgeburten wird sie keine eigenen Kinder mehr haben. Aber als Tante genießt die 27-Jährige im Gorillagarten des Zoos das Spielen mit dem Sohn einer anderen.

Die ersten Annäherungsversuche von Tambo waren noch zaghaft. Das ist unter Gorillas auch ganz normal. „Die Jungtiere dürfen in den ersten Monaten ihres Lebens keinen Kontakt zu den anderen in der Gruppe haben“, berichtet Zoopressesprecherin Petra Schwinn. So soll unter anderem die Bindung zur Mutter gefestigt werden. Und Muna (26), Tambos Mutter, hat dafür gesorgt, dass niemand die unsichtbaren Grenzen übertrat.

Doch jetzt ist Tambo in einem Alter, in dem sie sozusagen zur Laissez-Faire-Erziehung übergegangen ist. Und er hat sich Oya als Lieblings-Spielkameradin ausgeguckt. „Er hat ihr gar keine große Wahl gelassen“, erzählt Schwinn. Zunächst streckte Tambo nur die Hände nach Oya aus oder krabbelte zögerlich zu ihr. Das ist typisch für die Momente, in denen die Affenmamas ihre Kleinen zum ersten Mal absetzen. Mittlerweile ist sein Umgang mit ihr irgendwo zwischen liebevoll und wüst. Der Zweieinhalbjährige wirft sich Oya in den Weg, hält sich an ihrem Bein fest, springt auf ihrem Rücken herum. „Und man merkt, wie sie es genießt, mit ihm zu spielen“, sagt Schwinn.

Das ist eine glückliche Wendung für eine sehr lange unglückliche Gorilladame. Bereits in der Gruppe mit Silberrücken Massa im Affenhaus hatte Oya eine Totgeburt erlebt und gelitten. Weil Massa dann steril war, zog Oya 2012 aus ihrer alten Gruppe zur neuen Gruppe, die im Gorillagarten mit Silberrücken Kidogo zusammengestellt wurde. Oya brauchte ein gutes halbes Jahr, um sich von diesem Umzug zu erholen. „Als klar wurde, dass sie tragend war, hatten alle die große Hoffnung, dass ihr das auch psychisch hilft“, erinnert sich Schwinn. Doch im neuen Zuhause folgten zwei Totgeburten aufeinander.

Bei der Suche nach den Ursachen wurden auch Human-Gynäkologen zurate gezogen. Körperliche Ursachen waren allerdings nicht zu finden. „Es war einfach nur so, dass sie die Jungtiere übertrug“, so Schwinn. Die Geburt begann, es gab Wehen, die aber wieder stoppten und etwa zwei Wochen später kamen die Jungen tot zur Welt.

Der Krefelder Zoo tauschte sich mit Tierärzten aus ganz Deutschland aus, ob beispielsweise eine frühere Einleitung der Geburt möglich wäre. „Doch das Problem ist, dass der Paarungstermin nicht auch der Zeugungstermin sein muss. Die Affen paaren sich auch danach noch weiter“, erläutert Schwinn, „es besteht also die Gefahr, die Jungtiere zu früh zu holen.“ Diese große Unsicherheit habe schließlich zu dem Entschluss geführt, Oya „ganz klassisch die Pille zu verabreichen“.

Spannend ist nun noch die Frage, wie der Jüngste in der Gorilla-Familie, Pepe (sieben Monate), in Zukunft mit Oya und den anderen umgehen wird. Noch ist sein Bezug zur Mutter eng. Wobei er die Pfleger schon mit einer erstaunlich agilen Art überrascht. „Seine Mama Miliki ist aber auch gelassener als Tambos Mama Muna. Sie lässt ihn einfach gewähren“, sagt Schwinn.

Lange werde es aber voraussichtlich nicht mehr dauern, bis er seine ersten Spielchen mit seinem Halbbruder treiben wird. „Pepe himmelt Tambo an. Man sieht ihm an, dass er gerne schon viel mehr machen würde.“ Zum Beispiel auch mit seinem Vater Kidogo (15) spielen. Es bleibt interessant, wie Miliki dann reagieren wird.

Muna lässt das Spiel zwischen ihrem Sohn Tambo und seinem Erzeuger nur zu, wenn die Initiative von dem Kleinen ausgeht. Weswegen Kidogo nur durch ganz vorsichtige Gesten, wie eine wie zufällig ausgestreckte Hand, seine Bereitschaft zum Spielen zeigen kann. Tambo ist dann begeistert. „Der liebt seinen Vater, findet den großen Koloss faszinierend“, erzählt Schwinn. „Und Papa ist dabei so sanft, wie es für Silberrücken typisch ist.“ Sie seien unter den Säugetieren „bestimmt die geduldigsten Väter“.

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