Ferien-Camps Kirschkamperhof geht neue Wege

Krefeld · Ohne Corona würden Hunderte von Kindern Urlaub auf dem Erlebnis-Bauernhof in Traar machen. Anstelle dessen gibt es nun erstmals Familien-Urlaub und ein digitales Feriencamp.

 Sophie Zehner (Mitte) mit den Gastfamilien. Im Sandkasten wird gemeinsam mit Matthias Schumacher, Abbe und Hanna Schumacher sowie Clara, Elena Heine, Johannes Heine und Lina (von links) gespielt.

Sophie Zehner (Mitte) mit den Gastfamilien. Im Sandkasten wird gemeinsam mit Matthias Schumacher, Abbe und Hanna Schumacher sowie Clara, Elena Heine, Johannes Heine und Lina (von links) gespielt.

Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Das große Hoffest in diesem Jahr muss wegen der Covid-19-Pandemie ebenso ausfallen wie die verschiedenen Camps, die der Kirschkamperhof in den Ferien für 100 Kinder und Jugendliche anbietet wie auch für Konfirmanden und Schulklassen. Auf dem aus dem Jahr 1850 stammenden und 1975 umgebauten Bauernhof an der Luiter Straße in Traar finden seit 1972 Camps statt. Bis zu 5000 Kinder zwischen neun und 17 Jahre verbringen hier jedes Jahr ihre Ferienzeit miteinander. Doch in diesem Jahr ist vieles anders. „Krisen bieten auch Chancen“, hatte Simon Schild vergangene Woche am Telefon gesagt und die Redaktion eingeladen, sich das neue Programm des Vereins vor Ort anzuschauen. Erstmals öffnet der Hof in diesem Sommer seine Pforten für Familien, die ihren Urlaub gemeinsam in der Natur und der Gemeinschaft verbringen möchten. Und auch die Camp-Teilnehmer aus den vergangenen Jahren können mithilfe der digitalen Technik für vier Tage lang Camp-Feeling intensiv erleben.

Ein einladendes „Hallo“ ist
von allen Seiten zu hören

Laute, fröhliche Kinderstimmen sind in diesen Tagen nur vereinzelt beim Besuch zu hören, nicht in großen Gruppen. Drei Familien machen für eine Woche lang derzeit Urlaub auf dem Bauernhof, der nicht nur auf sieben Hektar zahlreiche Freizeitaktivitäten und Pferde, Mini-Schweine, ungarische Zackel-Schafe und Hühner bietet, sondern auch Orientierung im christlichen Glauben. Der Kirschkamperhof ist Mitglied in der Evangelischen Jugend im Rheinland und arbeitet ökumenisch und interkonfessionell. „In der alltäglichen Arbeit leiten uns als Team Werte wie Verantwortung, Gerechtigkeit, christliche Spiritualität, Schönheit und Gemeinschaft. Sie schulen unseren Umgang miteinander“, steht auf der Internetseite. Und wer die Schwelle zum Grundstück überschreitet, spürt das von der ersten Minute an.

Ein einladendes Hallo ist von allen Seiten zu hören. Neben den derzeit drei Gastfamilien, zehn sind aus Infektionsschutzgründen gleichzeitig möglich, leben auch zwölf FSJler (Freiwilliges soziales Jahr) für insgesamt zwölf Monate auf dem Hof. „Es gibt zwei Wohngemeinschaften, die der Jungs und die der Mädels“, erzählt Johannes Baumann, der kaufmännische Leiter. 31 Jahre ist er und seit einem Jahr hier beschäftigt. Seine beiden Geschwister haben hier in der Vergangenheit als Camp-Betreuer ehrenamtlich gearbeitet. „Von daher kenne ich den Kirschkamperhof von früher auch privat“, erzählt er auf einer Holzbank sitzend zwischen dem neuen Pferdestall und der Reitkoppel.

Vom 27. bis 31. Juli gibt es online ein vielfältiges Programm

Während des Lockdowns war täglich ein Team von vier Leuten im Einsatz, abwechselnd, um sich vor möglicher Ansteckung und damit auch einer 14-tägigen Isolation zu schützen. „Sie habe viel geschafft in den vergangenen Monaten“, erzählt Baumann. Bereits im Winter, vor Corona und wenn die Belegung gering ist, wird repariert und Neues gebaut. So ist ein neuer 50 Meter langer gepflasterter Weg entlang der Pferdekoppel entstanden, die Umrandung des großen Baumhauses erneuert worden und ein neuer Pferdestall entstanden. „Es hat sich vieles hier verändert“, so Baumann.

Nicht verändert – trotz Corona – hat sich die Kreativität und Freude an der Begegnung. Um die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie abzumildern, haben sich Leiter Simon Schild und Alexandra Thevessen, die pädagogische Leitung, den Familienurlaub als Alternative ausgedacht. Bereits zum Ende des vergangenen Jahres ist für die ehrenamtlichen Camp-Betreuer, 155 von etwa 300 sind im Verein aktiv, eine Community-App an den Start gegangen. Darin bleibt der Austausch untereinander – erst recht in diesem Sommer ohne die Camps – lebendig. „Und darin ist größtenteils auch das Programm für das virtuelle Sommercamp erarbeitet worden – mit unglaublich viel Energie“, erzählt Thevessen. Wenn die Kinder und Jugendlichen in diesem Jahr eben nicht auf dem Hof Urlaub machen können und viele „Wiederkehrer“ sich nicht persönlich wiedersehen können, dann kommt der Hof mitsamt Camp-Betreuer eben zu ihnen.

Vier Tage lang, vom 27. bis 31. Juli, gibt es online ein vielfältiges Programm, mit den Story-Times (der Zeit um 12 Uhr, in der Geschichten vom und über das Leben erzählt und gemeinsam gesungen wird), mit Videos vom Hof, die bereits alle im Kasten sind, mit Chatrooms zu bestimmten Themen, Spielen und vielem mehr. „Von morgens bis abends, mit einer Unterbrechung zum Nachmittag, damit die Kinder auch rausgehen und nicht nur vom dem PC sitzen“, beschreibt Baumann. Anmeldungen sind noch möglich.

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