Kinder leiden unter Armut

Kinder leiden unter Armut

300 Mitarbeiter kümmern sich um Familien. Immer mehr brauchen immer länger Hilfe.

Krefeld. Mehr als 9000 Kinder unter 18 Jahren sind in Krefeld von Armut betroffen. Nach einer Statistik der Arbeitsagentur leben in Krefeld 22,5 Prozent der Kinder unter 15 Jahren in Familien, die Hartz IV beziehen. Das bestätigt bei der Vorlage des Jahresberichts für 2013 auch Dietmar Siegert, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes (KSB). Er schätzt die entsprechende Quote der unter 18-Jährigen auf rund 25 Prozent.

„Es gibt immer mehr Familien in Krefeld, die einen konstant hohen Unterstützungsbedarf haben“, stellt Birgit August, Vorsitzende des KSB, fest. Die Intensität und der Zeitaufwand für das Fachpersonal seien in den letzten Jahren immer größer geworden. In den vergangenen fünf Jahren habe sich die Zahl der derzeit rund 100 hauptamtlichen und der 200 ehrenamtlichen Mitarbeiter im Kinderschutzbund nahezu verdoppelt.

Unverändert hoch ist auch der Anteil der Alleinerziehenden, die Transferleistungen erhalten. Knapp 50 Prozent dieser Haushalte sind darauf angewiesen. Der KSB betreut täglich 480 Kinder in zwei Kindertagesstätten (Kitas) Betreuungsgruppen, Projekten und als Träger von Ganztagesangeboten an vier Schulen.

Die Beratungsstelle Wendepunkt bei Misshandlung, sexuellem Missbrauch und Vernachlässigung wurde im vergangenen Jahr von 360 Menschen aufgesucht. Gewalt gegen Kinder sei mit der Einführung des gesetzlichen Rechts auf gewaltfreie Erziehung zwar zurückgegangen, stellt Siegert fest. Aber: „In rund zehn Prozent der Familien ist das immer noch ein Element der Erziehung.“ Allerdings toleriere die Gesellschaft solche Methoden immer weniger: „Der Klaps auf den Hinterkopf wird nicht mehr billigend in Kauf genommen.“

Kümmern will sich der KSB künftig um Probleme der Kinder, die jetzt mit Flüchtlingen in die Stadt kommen. Siegert: „Unsere Bereitschaft dafür ist grundsätzlich vorhanden. Wir könnten zum Beispiel ehrenamtlich im Sprachbereich helfen.“ Notwendig seien dafür allerdings noch zu schaffende Strukturen. Ein erster Schritt könnte der Flüchtlingsgipfel sein, der für den 12. Dezember vorgesehen ist.

Finanziert wird die Arbeit des KSB hauptsächlich aus Spenden, die bei rund 180 000 Euro pro Jahr liegen. Birgit August: „Das ist immer wieder ein zähes Ringen um die Spendengelder.“ Der Geschäftsführer betont, dass die Verwaltungskosten mit zehn Prozent sehr gering seien und die hauptamtlichen Mitarbeiter tarifgerecht entlohnt werden.

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