Linn: Kinder fangen den Krawatten-Dieb

Linn: Kinder fangen den Krawatten-Dieb

Außergewöhnliches soziales Projekt von Hochschulstudenten mit Mädchen und Jungen aus dem Marianum auf der Burg Linn.

Krefeld. Am Samstag ist es bitterkalt, bei trübem Wetter und schneidendem Wind lassen sich nur wenige Spaziergänger rund um die Burg Linn blicken. Eine bunte Truppe aus Kindern des Kinderheims Marianum und Studenten der Hochschule Niederrhein bleiben jedoch völlig unbeeindruckt: Dick eingepackt folgen sie einer Schnitzeljagd rund um Burg und Museumsscheune, um am Ende einen goldenen Schatz zu erbeuten.

In zehn chemisch-physikalischen Stationen müssen die fünf Kindergruppen immer neue Rätsel knacken. „Wir sind die beste Gruppe, wir waren gerade die Schnellsten“, sagt die zehnjährige Mara vom „Fireseeker“-Team stolz. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen Johanna und Helena hat sie den gefährlichen Krawattendieb entlarvt. Ein toller Erfolg, doch viel Zeit zur Freude bleibt nicht, schon geht es weiter zur nächsten Station. Dort wird ein schlimmer Erpresserbrief genauer unter die Lupe genommen.

„Man könnte natürlich einfach die Handschriften vergleichen, aber darum geht es hier eigentlich nicht“, sagt Daniel Langner, der die Station betreut. „Alle Proben sind mit schwarzem Filzstift geschrieben, der auf den ersten Blick gleich aussieht. Erst wenn man einen Tropfen Wasser darauf gibt, erkennt man, dass die Farbzusammensetzung der einzelnen Schreibwerkzeuge unterschiedlich ist. Unser Erpresser hat nämlich einen auf Blautönen basierenden Stift benutzt. Andere sehen eher lila oder rot aus, wenn sie zerlaufen.“

Mara (10), hat mit ihren Mitstreitern den Krawattendieb entlarvt.

Experimente dieser Art sind für die jungen Teilnehmer einerseits unterhaltsam, aber auch lehrreich und natürlich ungefährlich. Teamwork und Kreativität sind gefragt, weshalb die Teams aus jeweils drei Kindern unterschiedlichen Alters zusammengesetzt sind, damit alle gleich gute Chancen haben.

Stephanie Rech, Projektleiterin und angehende Chemieingenieurin

„Eigentlich sind wir den naturwissenschaftlichen Schwerpunkt gewöhnt, da war die Umstellung auf kindgerechte Versuche erst mal eine Herausforderung“, sagt Projektleiterin Stephanie Rech, die wie ihre Kommilitonen nicht etwa Sozialpädagogik studiert, sondern eine angehende Chemieingenieurin der Hochschule Niederrhein ist. „Wir studieren dual und arbeiten fast alle im Chempark, deswegen möchten wir bei den Stationen eine Verbindung zu Krefeld als Chemiestandort und seiner Historie schaffen. Da passt ein Krawattendieb natürlich gut.“

In drei Monaten Vorarbeit akquirierten die 14 Studenten in Eigenregie Gelder zur Umsetzung, planten die einzelnen Stationen und überzeugten den Leiter des Marianum. „Unser Professor hat uns darauf gebracht, für das Fach Führungslehre ein soziales Projekt zu organisieren. Wir wollten etwas Sinnvolles auf die Beine stellen.“, sagt André Gülz.

Die Kinder vergleichen die Schriftproben, suchen nach der geheimen Wasserleitung und machen Unsichtbares sichtbar. Den goldenen Schatz gibt es am Ende wirklich. Projektleiter Lucas Kneißl hält lächelnd eine goldene Münze auf dem Handteller: „Wir haben Cent-Münzen mit einer Messing-Legierung beschichtet.“