Kinder erkunden spielerisch den Wald.

Schule : Grundschüler entdecken den Wald

Spielerisch sind die Kinder Tieren und Pflanzen auf der Spur. Und das ist gar nicht so einfach.

Ein Stachelschwein? Kann es wirklich sein, dass es im Stadtwald Stachelschweine gibt? Oder auf dem Hülser Berg? Fragend schaut Malte seinen Freund Jarno an, aber auch der zuckt nur mit den Schultern. Die beiden Viertklässler der Grundschule am Buscher Holzweg treten noch einmal näher an den Tisch, den Mitarbeiter der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Stadtwald aufgebaut haben. Eine Holzlatte liegt auf dem Tisch, darauf sind kleine, quadratische Fellproben unterschiedlicher Tiere befestigt. Noch einmal genau hinsehen, noch einmal fühlen. Zu welchem Tier gehört nur dieses dunkle, harte, tatsächlich ein wenig stachelige Fell? Gut, dass Ernst-Peter Loppe hilft. „Es ist von einem Wildschwein“, verrät das Mitglied der Schutzgemeinschaft. „Aaaaaah“, antworten die Jungs.

Die Kinder durchlaufen
elf verschiedene Stationen

Malte und Jarno sind nicht die einzigen Kinder, die das Fell des Wildschweins am Mittwoch nicht auf Anhieb erkennen. Auch andere sammeln bei dieser Disziplin der „Jugendwaldspiele“ nicht gerade viele Punkte. „Und genau aus diesem Grund veranstalten wir die Aktion in diesem Jahr schon zum neunten Mal“, erklärt Karl Weckes, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Krefeld. „Wir möchten Kinder an die Natur heranführen, ihnen die Pflanzen und Tiere des Waldes nahe bringen“, so Weckes weiter. „Und das möglichst auf kindgerechte Weise, die den Mädchen und Jungen auch Spaß macht.“

Ähnlich wie bei den Bundesjugendspielen durchlaufen die Kinder mehrerer Grundschulen auf dem Parkplatz der Rennbahn und im Stadtwald verschiedene Stationen und testen dort ihr Wissen über den Wald. Aber auch Koordination, Beweglichkeit, Kraft und Schnelligkeit sind gefragt. Etwa beim Werfen von Baumscheiben in einen Korb oder beim Aufstapeln von Ästen. Konzentrieren müssen sich die Grundschüler beim Zählen von Baumringen. „Daran kann man erkennen, wie alt ein Baum ist“, sagt Aurora schon vor dem Zählen. „Jedes Jahr gibt es einen neuen Ring.“ Doof nur, dass so Baumringe teilweise ganz schön dünn sein können. „Da muss man genau hinsehen“, sagt Aurora und zählt zur Sicherheit lieber noch einmal nach.

Am Donnerstag
geht die Aktion weiter

„Der Tag ist total cool“, sagt Luis, der wie Malte und Jarno in die vierte Klasse der Grundschule am Buscher Holzweg geht. Vor allem die sportlichen Disziplinen machen dem Neunjährigen richtig Spaß. „Holz von einem Stapel abräumen und an anderer Stelle wieder aufstapeln ist echt anstrengend“, sagt er. „Aber sehr cool.“ Gut findet er auch die Begegnung mit lebenden Tieren – Falkner haben einen Uhu und einen Steinadler mit in den Stadtwald gebracht. Luis’ Freund Henry findet es besonders toll, Baumarbeiten zu bestimmen. „Die Birke kann man besonders gut erkennen“, sagt der Neunjährige. Und woran? „Ist doch klar“, sagt Henry. „An der weißen Rinde.“

Karl Weckes und seine Helfer sind begeistert vom Ehrgeiz, den die Grundschüler mitbringen, und davon, wie viel Freude den Kindern die Waldrallye offenbar macht. „Aber seien wir ehrlich, das Wissen über heimische Tiere und Pflanzen ist bei einigen Kindern nicht besonders groß.“ Beim Erkennen von Waldfrüchten beobachtet er etwa Wissenslücken. Ernst-Peter Loppe überraschte das nicht. „Oft sind es nur noch die Großeltern, die Kastanien sammeln und mit ihren Enkeln basteln“, sagt er. „Manche Kinder kommen mit Kastanien oft überhaupt nicht mehr in Berührung und können damit gar nichts mehr anfangen.“ Neun Grundschulen machen dieses Jahr mit bei den Waldjugendspielen, am Donnerstag geht die Aktion weiter.

Insgesamt durchlaufen 656 Teilnehmer aus 30 dritten und vierten Klassen die Stationen. Die teilnehmerstärkste Schule mit 123 Kindern ist die Schule am Horkesgath, ebenfalls mit dabei sind die Buchenschule, die GGS am Buscher Holzweg, die Edith-Stein-Schule, die Heinrichschule, die Grundschule Königshof, die Montessori-Grundschule, die Schule am Stadtpark Fischeln und die Grundschule an der Vulkanstraße.

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