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Natur und Umwelt: Kiebitzen hilft auch das Schauspielern nicht

Natur und Umwelt : Kiebitzen hilft auch das Schauspielern nicht

Sie spielen kranker Vogel oder imitieren trampelnd Regentropfen, doch die Art ist bedroht.

Krefeld. Der Kiebitz ist mit seinem prägnanten Federbusch auf dem Kopf ein hübscher Vogel, und er ist klug. Er hat gute Strategien entwickelt, um sein Nest vor Gefahren zu schützen oder Regenwürmer zur Nahrungsaufnahme an die Bodenoberfläche zu locken. Das alles hilft ihm aber nicht. Der Feldvogel ist vom Aussterben bedroht. 2002 wurden in Krefeld noch 72 Brutpaare gezählt, 2015 waren es nur noch 18.

Früher war der Kiebitz weit verbreitet. Er braucht viel freie Fläche, um Feinde rechtzeitig zu entdecken.
Früher war der Kiebitz weit verbreitet. Er braucht viel freie Fläche, um Feinde rechtzeitig zu entdecken. Foto: Andreas Bischof

Doch es gibt ein Hilfsprogramm der Stadt. Damit seine Brutzeit so ruhig wie möglich verläuft, wurde ein Pakt mit den Landwirten geschlossen. „Wir haben für den Kiebitz fünf verschiedene Bereiche mit insgesamt etwa 20 Hektar Ackerfläche vorgesehen, die die Bauern zwischen dem 1. März und 1. Juni eigens für den brütenden Kiebitz nicht bearbeiten“, berichtet Theo Malschützky, der im Fachbereich Grünflächen auch für den Naturschutz zuständig ist. „Die Bauern bekommen eine angemessene Entschädigung dafür.“ Von diesen Flächen profitierten auch Feldhasen, Feldlerchen und Schafstelzen, sagt der Fachmann.

Gemeinsam mit der Ornithologin Veronika Huisman-Fiegen, die „ein besonders großes Herz für den Kiebitz“ hat, wie sie selbst sagt, guckt er regelmäßig durchs Fernglas nach dem Rechten.

Diesmal ist der Beobachtungspunkt am Feldrand an der Alten Kempener Landstraße. Zwei Kiebitz-Paare sind auch mit bloßem Auge in der Ferne als kleine dunkle Punkte auszumachen. „Der Vogel liebt Flächen, auf denen er weit gucken und Feinde schnell entdecken kann“, berichtet die Vogel-Liebhaberin. „95 Prozent aller Gelege-Verluste gehen aufs Konto von Füchsen.“

Fühlt sich der Kiebitz bedroht, wehrt er ab: „Er zeigt nicht, wo er gesessen hat, geht erstmal vom Gelege weg, fliegt an anderer Stelle auf und startet zum Gaukelflug, spielt also kranker Vogel und leichte Beute“, erklärt die Fachfrau. „So versucht er, den Feind vom Nest wegzulocken. Wenn das nicht gelingt, wird alles, was sich nähert, angegriffen.“

Was den Vögeln ebenfalls zu schaffen macht, ist das fehlende Nahrungsangebot durch die trockenen Frühjahre. „Schnecken und Regenwürmer sind nicht da. Der Kiebitz trampelt zwar mit den Füßen auf dem Boden, um Regentropfen vorzutäuschen, aber die Regenwürmer lassen sich nicht täuschen, kommen nicht hoch.“ Huisman-Fiegen: „Wenn jedoch Kulturen wie Erdbeeren beregnet werden, ist das für den Vogel mit Brut ein Festmahl.“ Die Kiebitze sind Nestflüchter. Die Jungen werden nicht gefüttert, sondern gehen mit den Eltern auf Nahrungssuche. Etwa vier Eier liegen in jedem Nest.