KFC: Wiesinger streitet um mehr als 100 000 Euro

Fußball : KFC und Ex-Trainer Wiesinger streiten um viel Geld

Der beurlaubte 45-Jährige klagt gegen den Fußball-Club. Es geht um mehr als 100 000 Euro.

Gerade noch den 2:0-Erfolg gegen Wiesbaden gefeiert, nahm Frank Strüver am Dienstag wieder für den KFC Uerdingen im Gerichtssaal Platz. Der Geschäftsführer ist der Vereinsvertreter, der sich zur Zeit mit den Klagen am Arbeitsgericht gegen den Fußball-Drittligisten befassen muss. An seiner Seite Rechtsanwalt Niels-Ansgar Maisch. Auf der Klagebank saß diesmal kein Spieler, sondern Ex-Trainer Michael Wiesinger. Der ehemalige Champions-League-Sieger (2001 als Spieler mit dem FC Bayern München) klagt gegen den Verein, der ihn am 15. März 2018 entlassen hatte. Wiesinger war damals nach drei Unentschieden zum Jahresanfang nach Ansicht von KFC-Boss Mikhail Ponomarev nicht mehr haltbar gewesen. Wiesinger ging, Stefan Krämer kam und schaffte mit den Blau-Roten den Aufstieg in die 3. Liga.

Entscheidung um
Aufstiegsprämie wird vertagt

Neun Monate später klopft der KFC bereits an die Tür zur 2. Liga an. Wiesingers Vertrag läuft aktuell immer noch. Nach Angaben seines Rechtsbeistandes Ralph Ziegler seien seitdem fünf Monatsgehälter ebenso nicht gezahlt worden wie Betriebskosten für eine für Wiesinger angemietete Wohnung in Krefeld und die Erstattung von Mietwagenkosten. Hinzu kommen nicht gezahlte Prämien für Platzierung und Aufstieg.

Für Rechtsanwalt Maisch sind die meisten der aufgeführten Punkte von Wiesinger unstrittig. Promt bestätigt KFC-Geschäftsführer Strüver, dass am Dienstag rund 34 500 Euro vom KFC an Wiesinger überwiesen worden sind. Gehaltsnachzahlungen.

Gestritten wird aber noch über die Frage, inwieweit Wiesinger neben einer Platzierungsprämie auch eine Aufstiegsprämie zusteht. Im Vertrag des Ex-Bundesligaspielers sind beide Punkte verankert. So wurde für den Aufstieg in die 3. Liga eine Prämie von 50 000 Euro festgelegt. 25 000 Euro sollte es zudem für das Erreichen des 1. Tabellenplatzes geben. Maisch: „Wir sehen es so, dass die Aufstiegsprämie nicht noch oben drauf gezahlt wird, beziehungsweise, dass Prämien sowohl für das Erreichen des 1. Platzes als auch den Aufstieg gezahlt werden müssen. Laut Wiesinger hätte es damals die Absprache mit KFC-Boss Ponomarev gegeben, dass anstatt einer Punkteprämie, wie sie bei Trainern üblich sei, eine Platzierungsprämie gezahlt werde. „Das ist aber unabhängig von der Prämie für den Aufstieg zu sehen“, so Wiesinger gestern vor Gericht.

Strüver erwiderte: „Dann wären das ja 50 000 Euro nur für die Relegation.“ Klarheit soll ein Gespräch mit dem Berater von Wiesinger bringen, der den Vertrag für den Ex-Trainer ausgehandelt hatte. Am Dienstag konnten sich beide Parteien vor dem Arbeitsgericht nicht abschließend einigen. Sowohl der KFC als auch Wiesinger signalisierten aber, eine einvernehmliche Lösung finden zu wollen, mit der auch die Beendigung des Vertrages zwischen dem 45-Jährigen und dem Verein einhergehe. „Herr Wiesinger hat bereits im Sommer durch seinen Berater die Bereitschaft signalisiert, den Vertrag mit dem KFC beenden zu wollen“; so Ziegler. Damals hätte es aber von Seiten des Vereins „Kommunikationsschwierigkeiten“ gegeben. Diese will man nun vor Gericht bereinigen.

Am 7. Februar treffen sich beide Parteien vor dem Krefelder Arbeitsgericht wieder. Dann wird die Frage geklärt werden, wie viel sich der KFC die Vertragsauflösung mit seinem Ex-Trainer kosten lassen will.

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