Was wir bisher wissen KFC Uerdingen vor Sponsoren-Deal: Neues Ziel ist die 3. Liga

Krefeld · Der KFC Uerdingen überrascht mit großen Zukunftsplänen. Möglich machen soll das eine Sponsorengruppe. Was wir bisher wissen.

 Die KFC-Fans freuen sich über den gerade erreichten Aufstieg in die Regionalliga.

Die KFC-Fans freuen sich über den gerade erreichten Aufstieg in die Regionalliga.

Foto: Stefan Brauer/Brauer-Fotoagentur

Gerade erst hat der KFC Uerdingen als Tabellendritter der Fußball-Oberliga und dank des Verzichts der beiden Erstplatzierten den Aufstieg in die Regionalliga perfekt gemacht, da überrascht er auch schon mit großen Zukunftsplänen. Vom Tisch sind die Pläne einer jungen, kostengünstigen Mannschaft, die in der Regionalliga um den Klassenerhalt kämpft. Neues Ziel ist die dritte Liga – und das schon in der übernächsten Saison.

Möglich machen soll dies eine Sponsorengruppe, die bereitsteht, dem finanziell klammen Verein, der gerade erst eine erneute Insolvenz abwenden konnte, unter die Arme zu greifen. Neue Spieler, gestandene Profis, die auf dem Papier für die Regionalligamannschaft überqualifiziert sind, sollen dafür in der Grotenburg auflaufen. Ex-Bundesligaprofi Michél Dinzey, heute Scout bei Hertha BSC Berlin, soll aus ihnen ein Team formen, das in der Regionalliga um den Aufstieg mitspielen kann. Pay-TV-Sender Sky hatte am Montagabend als Erstes über die Pläne und den Einstieg einer Investoren-Gruppe berichtet, die sportlich von der Agentur M-Soccermanagement beraten wird. Der Bericht schlug – auch aufgrund der Erfahrungen mit bisherigen Investoren beim KFC – hohe Wellen.

Kaderplanung läuft mit neuem Sportdirektor auf Hochtouren

Mehmet Eser, Inhaber von M-Soccermanagement, versucht im WZ-Gespräch zu beschwichtigen. Ein Investorenmodell sei kein Thema, da „Investoren immer auf den eigenen Profit aus sind“. Ziel sei es aber, den KFC Uerdingen sportlich weiterzuentwickeln. Die Infrastruktur für Profifußball sei nicht zuletzt mit der sanierten Grotenburg vorhanden, ein weiterer Pluspunkt seien die leidenschaftlichen Fans, sagt Eser, der einst selbst in der A-Jugend mit Oliver Bierhoff für Bayer Uerdingen aufgelaufen ist. „Der KFC ist ein schlafender Riese“, sagt Eser. Die Sponsoren, die namentlich noch nicht benannt werden, sollen den Verein aufwecken. Noch ist der Deal nicht besiegelt, Details sind noch zu klären. Man müsse schauen, welcher Sponsor in welcher Form sichtbar werde – zum Beispiel auf der Trikotbrust oder als Namensgeber für die Grotenburg.

Adalet „Atta“ Güner ist neuer Sportdirektor beim Fußball-Regionalligisten KFC Uerdingen.

Adalet „Atta“ Güner ist neuer Sportdirektor beim Fußball-Regionalligisten KFC Uerdingen.

Foto: KFC

Im Hintergrund läuft derweil die Kaderzusammenstellung für die kommende Saison auf Hochtouren. Als Spielerberater verfügt Eser über gute Kontakte in die europäischen Top-Ligen. Namen potenzieller Zugänge will Eser, der nach eigenen Angaben keine Ambitionen auf einen Posten im Verein hat, nicht nennen. Nach WZ-Informationen sollen mindestens zwei Leistungsträger der abgelaufenen Saison gehalten werden. Mittelfeldspieler Hinata Gonda gehört nicht dazu. Er wechselt ablösefrei zu Rot-Weiß Erfurt in die Regionalliga Nord-Ost.

Weitere Entscheidungen, wer geht, wer bleibt und wer kommt, sollen Ende der Woche fallen. Dazu gehört auch, wer neuer Trainer wird. Mit Michél Dinzey befinde man sich in „guten Gesprächen“, bestätigt Eser. Man sei überzeugt, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen zu können, müsse aber sehen, wie die als Team funktioniert und gegebenenfalls „im Januar nachlegen“. Die Regionalliga sei das Fundament, auf dem man aufbauen wolle, sportlich das Bestmögliche zu erreichen.

Mehmet Eser ist Inhaber der Berateragentur M-Soccermanagement, die den KFC berät.

Mehmet Eser ist Inhaber der Berateragentur M-Soccermanagement, die den KFC berät.

Foto: imago images/Sportfoto Rudel/Pressefoto Rudel/Robin Rudel via www.imago-images.de

Mutmaßlich ist der Kontakt zu Mehmet Eser von M-Soccermanagement über Adalet, genannt „Atta“, Güner zustande gekommen, der seit November 2023 Sportlicher Leiter im Nachwuchsleistungsbereich des KFC ist und am Montagabend zum Sportdirektor befördert wurde. Dessen Sohn Can Armando (16) spielt in der U-17 von Borussia Mönchengladbach Linksaußen, Berater ist, Überraschung: M-Soccermanagement.

Das Kuriose am KFC Uerdingen ist tatsächlich, dass die Strategie fragil ist wie nirgendwo anders. Der verbliebene Vorstand hatte nämlich ursprünglich tatsächlich das Ziel, mit Michael Nagornys Know-how und dem Trainer Benjamin Skalnik eine junge Mannschaft um drei, vier Leistungsträger zu bauen. Dieses Vorhaben durchkreuzte zunächst der zurückgekehrte Vorsitzende Marc Schürmann, als er einen Deal mit dem Investoren Baris Günes initiierte und den möglichen Trainer Sunay Acar und den potenziellen Sportdirektor Osman Sahan mit Verträgen ausstattete. Günes zog sein Angebot aber zurück, der zwischenzeitlich wegen Betrugs festgenommene neue KFC-Vorsitzende Christian G. trat als vermeintlicher Retter auf das Tableau und beseitigte Schürmann samt dessen gerade erst installierten Vorstands-Kollegen Ilja Ludenberg. Und der KFC versucht seither über Rechtsbeistand, möglichst günstig aus diesen Kontrakten mit Acar und Sahan wieder aussteigen zu können.

Jetzt wird der ursprüngliche sportliche Plan mit Nagorny und Skalnik ein zweites Mal konterkariert, weil der nächste Heilsbringer schon vor der Tür steht. Offenbar ist das neue Angebot derart verlockend, dass der amtierende Vorstand sein Vorhaben zum zweiten Mal fallen lässt und „all in“ geht. Dann wohl auch mit der Gewissheit, dem nächsten Vorstand nach dem 30. Juni beim KFC nicht mehr anzugehören. Klar ist: Von den handelnden Personen um Verwaltungsratschef Nils Gehlings und Interimsvorstand Sebastian Thißen ist gerade nichts mehr zu hören.

Fans reagieren auf den möglichen Geldregen mit Skepsis

Die Fans des KFC Uerdingen reagierten mit Skepsis, was die neuen Geldgeber mit ihren Plänen angeht. „Durchmarsch“, „2. Liga“, die rasante Rückkehr in den bezahlten Fußball – solche Versprechungen haben die KFC-Fans schon zu oft gehört, vor allem von den Großkapitalisten Mikhail Ponomarev oder Agissilaos Kourkoudialos. Ponomarev hinterließ nach am Ende seines eisernen Regimes verbrannte Erde und Schulden in Höhe von zehn Millionen Euro. So leicht waren die Uerdinger Anhänger am Dienstag nicht zu ködern. Viele dachten erst an einen Scherz, vermuteten oder hofften dahinter zunächst absichtlich lancierte Falschmeldungen. Einzelne konnten der Aussicht aber durchaus etwas abgewinnen, bald als Neureiche womöglich wieder an die Tür zur 3. Liga zu klopfen. „Erfolge im Fußball gehen nur mit Geld“ hieß es da sinngemäß. Mehrheitlich aber stoßen Investoren-Modelle bei den KFC-Fans noch auf Zurückhaltung oder Misstrauen. Vorbei die Zeit, als man sich Rettern, die in Wahrheit ausgebuffte Geschäftsideen verfolgen, leichtgläubig um den Hals warf. Meinung S. 15

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