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KFC: Krämer bringt Fans ins Schwitzen

KFC : Krämer bringt Fans ins Schwitzen

24 Teilnehmer kommen zur Aktion „Trainieren wie ein Profi“ in die Grotenburg.

Um 11.13 Uhr geht es raus auf den Platz. Die Ansprache hat etwas länger gedauert. Jetzt aber kann es losgehen. „Noch einmal alle Haare richten“, ruft KFC Uerdingens Trainer Stefan Krämer den 24 Teilnehmern im Spielertunnel des Grotenburg-Stadions zu. Diese hatten sich für die Aktion „Trainieren wie ein Profi“ am Sonntagmittag angemeldet und die tatsächlich alle erschienen sind. Trotz drei Grad Außentemperatur und nasskaltem Novemberwetter. Nur einer hat das Wichtigste an diesem Vormittag vergessen: seine Fußballschuhe. Er bekommt ein Paar geliehen. Es sollen die von Weltmeister Kevin Großkreutz sein, wie geflüstert wird. Das hätte sich der Fan vorher auch nicht träumen lassen.

Zunächst ein Gruppenfoto. Erinnerungsbilder an einen Ort, den man als Außenstehender ja gar nicht mehr so oft zu Gesicht bekommt, seit die Profis in Duisburg spielen. Unter den 24 Männern sind viele Fans, aktive Fußballer und einfach nur Leute, die sich mal versuchen wollen an den Strapazen. Sie witzeln über einen Profivertrag, für den sie sich hier ins Zeug legen wollen. Trainer Stefan Krämer, ein Fußball-Lehrer, und sein Stab sind alle da geblieben für diese Aktion mit den Amateuren. Der 51-Jährige hat auf seinen Stationen in Bielefeld und Cottbus schon mehrfach solche Aktionen mitgemacht und ist begeistert: „Es ist total wichtig. Ich will das Team nah an den Leuten haben. Nur so entsteht Identifikation. Es ist kein notwendiges Übel. Es macht uns Spaß.“

Die Vormittagseinheit des Drittligisten KFC Uerdingen ist gerade vorbei. Die Hütchen und Stangen liegen noch auf dem Rasen der Grotenburg. Athletiktrainer Fabian Illner führt durch das Aufwärmprogramm. Sprünge über Hürden, Trippelschritte durch kleine Felder. Nicht jeder hat die notwendige Standfestigkeit. Einer rutscht im Matsch aus, ein anderer wirft die Hürde um. Danach erstes Balltraining, Annahme und Abspiel. „Jawohl, gut so“, ruft Trainerassistent Stefan Reisinger. Geübt wird in drei Gruppen. Die drei Torhüter erhalten Tipps von Torwarttrainer Manfred Gloger.

Krämer will wie bei seinen Profis Pässe in den Vorderfuß sehen

Dann ein Trainingsschwerpunkt. Krämer will Pässe in den Vorderfuß sehen, genau wie er es bei seinen Profis auch erwartet. Die Bälle an das „offensive Bein“ spielen, das weiter weg steht vom Gegenspieler. Bei der Ballannahme geht es unter Druck um wertvolle Zeit. Dauert es zu lange, stellt der Gegner den Raum wieder zu. Krämer doziert. Die Gruppe steht im Kreis und hängt ihm an den Lippen. Die Sache ist für ihn kein Jux. Er fordert Tempo, Konzentration, Gegenpressing und Spielverlagerungen. „Männer, wach sein“, schallt es durch die Grotenburg. Krämer lebt den Fußball. Wer es bisher nicht geglaubt hat, erfährt es hier, wenn er Fans und Amateure ins Schwitzen bringt. „Nichts treibt mich mehr an als Fußball“, sagt er. „Für die Zeit, die ich bei einem Verein bin, gebe ich das Beste für den Club.“

Zum Schluss noch Spiele auf einem Kleinfeld. Der Ball ist immer im Spiel. Es gibt keine Verschnaufpausen. Die Spieler sind stets in Bewegung. Nach 75 Minuten ist das Training aus. „Bleiben Sie dem KFC gewogen“, sagt Krämer zum Abschied. Es gibt spontanen Applaus von den Teilnehmern. Dirk Wellmanns aus Kempen fand es „sensationell. Ich bin überrascht, wie lange ich durchgehalten habe.“ Seit 40 Jahren geht er zum KFC: „Es hat Riesenbock gemacht in dem Stadion.“ Der Viersener Sebastian Mottlau, ebenfalls ein Fan, fand die Einheit „mega anstrengend“, aber auch aufschlussreich: „Es war interessant zu sehen, wo die Trainingsschwerpunkte liegen. Die Inhalte haben sich in den vergangenen Jahren doch verändert. Es war wenig pures Laufen, aber viel aus der Bewegung heraus.“

Der Meerbuscher Dennis Klein, selbst aktiver Fußballer und KFC-Fan, war angetan von Trainer Krämer: „Er ist sehr fannah. Es hat Spaß gemacht, auch die Ansprache vor dem Training. Es ist immer gut, von solchen Leuten noch einen Input zu bekommen.“

Als alles vorbei ist, ploppen am Spielfeldrand schon die ersten Biere auf. 75 Minuten lang zu trainieren wie ein Profi ist ja ganz nett. Das Leben als Amateur hat aber auch seine schönen Seiten.